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Schleswig-Holstein Grejdieru ist die gute Seele der Migranten
Nachrichten Schleswig-Holstein Grejdieru ist die gute Seele der Migranten
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00:01 14.12.2012
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Gemeinschaft ist für ihn das Schlüsselwort. "Das Fußballfeld ist dafür ein guter Ort", sagt Nicolae Grejderu. Quelle: HA
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Hamburg

Niemals würde es Nicolae Grejdieru einfallen, sich selbst einen Helden zu nennen. Dafür ist er zu schüchtern, zu bescheiden. Aber Helden können auch still sein, und der 54-jährige Moldawier ist ein gutes Beispiel dafür. Er ist Sozialarbeiter in Hausbruch, einem Stadtteil im Süden von Hamburg. Jeden Tag geht er durch die Straßen der Siedlung Neuwiedenthal, wo die Menschen in Hochhäusern leben und meistens Fremde sind.

 Nicolae Grejdieru ist in Moldawien geboren und aufgewachsen, hier studierte er Jura und wurde Polizeichef, der Familie ging es sehr gut. Doch mit Mitte 40 beschlossen seine Frau und er, noch einmal ganz von vorne anzufangen: Die Kinder sollten eine gute Ausbildung bekommen und im Westen studieren. Die Entscheidung, das ist Nicolae Grejdieru sehr wichtig, traf die Familie gemeinsam. Im Bus fuhren sie nach Hamburg, zunächst brachte man sie in einer Wohnunterkunft in Barmbek unter. So richtig deutsch konnte niemand von ihnen.

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 Das war vor ungefähr zehn Jahren. Wenn Grejdieru heute als Sozialarbeiter durch Neuwiedenthal geht und mit den Menschen spricht, dann weiß er um ihre Probleme. „Ich weiß, wie Migranten sich fühlen. Ich bin doch schließlich selber einer“, sagt er. Und deshalb kümmert er sich. Nie schaut er dabei auf die Uhr oder pocht auf seinen Feierabend. Auf seinem Handy ist er immer zu erreichen. Er spricht mit den Alkoholikern auf den Parkbänken und hilft ihnen, einen Therapieplatz zu bekommen, damit sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen – und ihre Familien. Dutzenden Jugendlichen hat er schon Ausbildungsplätze oder Praktika vermittelt. Das hat sich herumgesprochen.

 Im Lauf der Jahre ist Nicolae Grejdieru so zur guten Seele von Neuwiedenthal geworden. Jeder akzeptiert ihn. Die Spätaussiedler, deren Sprache er spricht. Die Polizei, deren Arbeitsweise ihm vertraut ist. Auf sein Wort kann man sich verlassen, auf seine Klugheit aber auch: Dem 54-Jährigen macht niemand etwas vor.

 Als Grejdieru in Neuwiedenthal als Sozialarbeiter anfing, heftete er Zettel an Häuserwände und verteilte sie auf Spielplätzen. „Wir machen ein Fußballturnier“, stand handschriftlich darauf, „kommt alle vorbei.“ Am Tag darauf standen über 60 Jugendliche am Bolzplatz; sie spielten zusammen, bis es dunkel wurde. Da merkte Grejdieru, wie groß das Verlangen nach Zusammenhalt in diesem Stadtteil war. Seitdem gibt es in Neuwiedenthal eine Fußballmannschaft, Grejdieru ist ihr Betreuer, jeden Montagabend trainieren sie in einer alten Kaserne. In der kommenden Saison nehmen sie am normalen Ligabetrieb teil. Für viele Jugendliche ist das die größte Anerkennung ihres Lebens.

Ab Sonnabend, 15. Dezember, können Sie dann ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben.

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