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Schleswig-Holstein Was die Jugend in der Krise bewegt
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Gutes tun im Advent: Jugendrat Schleswig-Holstein will neue Umfrage starten

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18:30 19.12.2020
Von Clemens Behr
Keivan Azimi und Emma Louisa Döhler sind Mitglieder des fünfköpfigen Jugendrats des Kinderschutzbunds. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Die Pandemie stellt alle Menschen auf eine harte Geduldsprobe. Viele erleben sie als Zeit großer psychischer Belastung – auch junge Leute. Doch gerade die fühlen sich mit ihren Sorgen in der Corona-Zeit oft nicht gehört, wie eine Befragung des Jugendrats des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein zeigte.

Über 1000 Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein nahmen im Sommer an der Befragung teil. Jugendrat-Mitglied Emma Louisa Döhler (19) war an ihrer Entwicklung beteiligt. „Wir haben während des ersten Lockdowns gemerkt, dass viele Jugendliche die Erfahrung gemacht haben, dass vor allem über sie, nicht aber mit ihnen gesprochen wurde. Das wollten wir mit der Umfrage ändern.“ Die Fragen drehten sich um den Druck in der Schule, die Situation in den Familien und ihre Beziehung zu Freunden. „Besonders die offenen Fragen und die Ausführlichkeit, in der darauf geantwortet wurde, haben gezeigt, was für eine große Lücke die Befragung geschlossen hat."

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Jugendliche spüren in der Pandemie mehr Druck in der Schule

Vor allem die Schule bereitete den Jugendlichen seit Beginn der Corona-Pandemie Sorgen. 39 Prozent hatten das Gefühl, dass der Schuldruck zugenommen hat. Für 46 Prozent der Schüler nahm das Homeschooling mehr Zeit in Anspruch als der reguläre Unterricht. Vielen fehlte der persönliche Kontakt zu Freunden und Lehrern sowie die klare Trennung zwischen Schule und Zuhause. Jeder Fünfte hatte oft oder sehr oft Angst, mit dem Schulstoff nicht mehr hinterherzukommen.

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„Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen war ich überhaupt nicht überrascht darüber“, sagt Keivan Azimi (15), ebenfalls Mitglied des fünfköpfigen Jugendrates, der 2017 gegründet wurde. „Allein der zeitliche Aufwand, um sich die Aufgaben zu organisieren und zu sortieren, war riesig“, sagt der Schüler von der freien Waldorfschule Kiel.

Ungewissheit bei Schülern vor dem zweiten Lockdown

Während bei manchen Jugendlichen vor dem Lockdown im Frühling zunächst Freude über das Homeschooling überwog, stehe vor dem zweiten Lockdown bei vielen Schülern die Ungewissheit über den weiteren Verlauf des Schuljahres im Vordergrund. „Die Befürchtung ist da, dass die Situation länger anhält und es die gleichen Probleme wie im letzten Schuljahr geben wird“, sagt Keivan Azimi.

Jugendrat sucht weitere Mitglieder

Der Jugendrat hat seit dem neuen Schuljahr weitere Mitglieder aufgenommen und will an dem Thema Befragung von Gleichaltrigen weiterarbeiten und in den kommenden Jahren zu einer festen Institution entwickeln. Die Aktivitäten des Jugendrates sind nicht örtlich gebunden, einzige Begrenzung ist das Bundesland. Mehr Informationen für Interessierte gibt es auf www.kindeschutzbund-sh.de.

Bei allen Problemen in der Schule: Positiv bewertete der Kinderschutzbund das familiäre Umfeld der Befragten: 83 Prozent der Jugendlichen fühlen sich in ihrer Familie wohl. Für fast ein Drittel hat sich die Beziehung innerhalb der Familie durch Corona jedoch verändert. In einigen Familien war die Situation angespannt und es gab Streit. Probleme, die sich in den kommenden Wochen wiederholen? „Es müssen gezielte Angebote geschaffen werden oder bestehende – wie das telefonische Beratungsangebot ’Nummer gegen Kummer’ – wieder präsent sein“, sagt Emma Louisa Döhler. „Da ist auch die Politik gefordert.“

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Ob die Jugendlichen besser durch den zweiten Lockdown kommen oder die gleichen Schwierigkeiten wie schon im Frühjahr auftreten, soll die „Jugendbefragung 2.0“ herausfinden, die für den Sommer 2021 geplant ist – sofern das benötigte Geld außerhalb der üblichen Projektmittel zur Verfügung steht. Die Aktion Gutes tun im Advent unterstützt somit auch dieses Projekt.

Karen Schwenke 20.12.2020
Niklas Wieczorek 19.12.2020
Anne Holbach 19.12.2020