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Gutes tun im Advent: Wo Kinder gesund kochen lernen

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20:00 20.12.2020
Von Anne Holbach
Vor Corona war alles anders: Im Februar war die Kinderküche noch bei der Mathe-Olympiade zu Gast und die Nachwuchsköche bereiteten Käsespieße vor. Im Moment sind Klassenbesuche aufgrund der Pandemie nicht möglich.
Vor Corona war alles anders: Im Februar war die Kinderküche noch bei der Mathe-Olympiade zu Gast und die Nachwuchsköche bereiteten Käsespieße vor. Im Moment sind Klassenbesuche aufgrund der Pandemie nicht möglich. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Schürze um und ran ans Brettchen: Macht die Kinderküche auf Tour in einer Grundschule Halt, herrscht immer reges Treiben. „Schon, wenn dass Kochmobil ankommt, stehen die Kinder aufgeregt parat, wollen beim Tragen helfen und haben tausend Fragen“, erzählt Rainer Tuschmann, der als Ehrenamtler für das Projekt des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein regelmäßig im Einsatz ist. Die Kochutensilien und die Zutaten für die Gerichte bringt das Team in ihrem Kastenwagen mit. 

Seit zehn Jahren gibt es das durch Spenden finanzierte Projekt, das unsere Aktion „Gutes tun im Advent“ unterstützt. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagt Susanne Günther, Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

Kinderarmut macht gesunde Ernährung nicht leicht

Gestartet ist die Kinderküche vor dem Hintergrund, dass Armut eine gesunde Ernährung erschwert. Wenn das Budget in einer Familie knapp ist, sei es umso wichtiger, zu wissen, wie man auch mit wenig Geld viel für eine ausgewogene Ernährung tun könne, so Günther. „Wir haben uns damals mit Ökotrophologen zusammengesetzt und überlegt, was wir Kindern anbieten können, damit sie Lust und Spaß an dem Thema haben.“

Denn fange man bei Kindern von Gemüse an, würden die Gesichter oft erst einmal lang. Es gebe oft Grundschüler, die am Anfang kategorisch sagen: „Das mag ich nicht.“ In der Gemeinschaft probierten sie dann aber doch neue Dinge aus.

Zudem sollen die Teilnehmer erste Gehversuche im Kochen mit frischen Zutaten machen. Viele Eltern hätten im hektischen Alltag keine Zeit, mit ihren Kindern am Herd zu stehen. „Wir erleben manchmal, dass ein Grundschüler noch nie ein scharfes Messer in der Hand gehalten hat.“

So helfen Sie Kindern in der Krise

Der Verein „KN hilft“ ruft in diesem Jahr zu einer Spendensammlung für den Kinderschutzbund im Verbreitungsgebiet der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung auf. Dafür ist das Spendenkonto – Stichwort Gutes tun im Advent – bei der Förde Sparkasse eingerichtet: DE 052105 0170 1400 2620 00 Falls Sie nicht möchten, dass Sie als Spender in der Zeitung erwähnt werden, schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck den Hinweis „kein Name“. Möchten Sie eine Spendenbescheinigung, vermerken Sie bitte „Spendenbescheinigung“ und Ihre Adresse bei der Überweisung.

Mitmach-Stationen vermitteln Wissen über Lebensmittel

Die Kinderküche besucht die meist dritten und vierten Klassen zwei Tage lang. Zuerst lernen die Kinder an Stationen spielerisch etwas über Lebensmittel: Es gehe zum Beispiel darum, was eigentlich in Brot drin ist. „Wir geben den Kindern auch ein Marmeladenglas mit Sahne drin. Das wird dann solange geschüttelt, bis daraus Butter wird“, so Tuschmann. Das mache den Teilnehmern immer richtig Spaß.

„Wenn wir die Ernährungspyramide besprechen, ist die wichtigste Frage: Wie viel Naschis darf ich am Tag essen?“, so Günther. „Wenn die Kinder hören, dass das nur so viele Süßigkeiten sind, wie in ihre kleine Hand passen, sind sie oft erstaunt über die geringe Menge.“ 

Verantwortung übernehmen beim gemeinsamen Kochen

Am zweiten Tag wird nach vegetarischen Rezepten eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Nachtisch gekocht. Auf Fleisch wird aus hygienischen Gründen verzichtet, aber auch, um keine Vegetarier oder religiösen Kinder auszuschließen. „Die meisten fangen sofort begeistert an zu schnippeln und sind glücklich, dass sie alles selber machen dürfen“, so Tuschmann. Er freue sich immer wieder, wie engagiert und wissbegierig die Klassen seien.

Für die Kinder sei es ein tolles Gefühl, Verantwortung zu übernehmen, so Günther. „Weil anschließend zusammen gegessen wird, will jeder, dass sein Part gut wird und es allen schmeckt.“ Am Ende bekommen die Kinder eine Urkunde, die Rezepte und einen Holzlöffel. So können sie das Gelernte in ihre Familien tragen und die Gerichte zu Hause nachkochen.

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Corona-Pandemie bremste Projekt aus

Vor Corona war die Kinderküche einmal pro Woche in einer Grundschule im Land zu Gast, im Moment muss das Programm wegen der Pandemie pausieren. „Beim Kochen kann man nur schwer Abstände wahren. Wir müssen den Kindern nah kommen, wenn wir ihnen bestimmte Handgriffe zeigen wollen“, sagt Günther. „Das Ganze lebt zudem davon, dass zwischendurch probiert werden kann.“

Wenn sich die Lage wieder ändere, sind aus ihrer Sicht solche Projekte aber wichtiger denn je. „Die Klassen brauchen Gemeinschaftserlebnisse dann besonders dringend.“ 

Normalerweise ist das Team bei Großveranstaltungen wie dem Tag des Sports oder bekocht mit Kindern bei der Mathe-Olympiade andere Schüler. „Ich vermisse die Einsätze richtig“, sagt Tuschmann.

Sobald Klassenbesuche wieder möglich sind, will die Kinderküche so viele ausgefallene Termine nachholen wie möglich. In der Zwischenzeit tüftelt das dutzend Ehrenamtliche an neuen Konzepten wie einer Riechstation mit Kräutern oder einem Programm, bei dem die Kinder bei den Rezepten selbst die Zutaten variieren können und so in der Küche improvisieren lernen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 20.12.2020
Frank Behling 20.12.2020