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Schleswig-Holstein Wohlder Hospiz wird Wirklichkeit
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16:22 24.12.2019
Von Cornelia Müller
Rolf Holm, Geschäftsführer der Gesellschaft Hospiz im Wohld, und Dr. Friederike Boissevain, Initiatorin und Vorsitzende des Hospizvereins Dänischer Wohld, freuen sich schon auf die Grundsteinlegung für das Zehn-Betten-Hospiz in Gettorf. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Gettorf

Ein vollgestopfter Tag. Das Ehrenamt Hospizverein/Hospiz im Wohld braucht fast genauso viel Zeit wie die beruflichen Aufgaben im Städtischen Krankenhaus Kiel. Trotzdem schließt die 57-Jährige mit strahlendem Lächeln das Büro des Hospizvereins Dänischer Wohld in Gettorf auf. Mit von der Partie ist Rolf Holm, ehrenamtlicher Mitgeschäftsführer der Hospiz im Wohld gGmbh.

Eine Million Euro Schulden - und die glücklichsten Menschen der Welt

„Was für ein Tag“, sagt sie. „Wir haben eine Million Euro Schulden und sind die glücklichsten Menschen der Welt. Eben haben wir den Kreditvertrag fürs Hospiz unterzeichnet.“ Die Million fehlte noch in der Finanzierung des 3,6 Millionen-Euro-Projekts, für das der Boden gerade bereitet wird. Buchstäblich. Auf knapp 5000 Quadratmetern Grund und Boden der Gemeinde wühlen sich schon Bagger durch die Erde.

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Die Hospiz-Gesellschaft übernimmt das Grundstück in Erbpacht und lässt das Haus errichten. 1000 Quadratmeter wird es haben, zehn Einzelzimmer zum Wohlfühlen, eine Wohnküche, Gemeinschaftsräume, Terrasse. Und, hart erkämpft bei den Genehmigungsbehörden: Zwei Betten dürfen Kindern zur Verfügung stehen. Das Gesundheitssystem sieht eine strikte Trennung vor, für das Hospiz im Wohld gibt es eine Ausnahme.

Eine "verrückte Idee" wird Wirklichkeit

Von einer „verrückten Idee“ spricht Boissevain auf die Frage, wie alles begann. „Das muss Friederike selbst erzählen“, betont Holm. „Da steckt so viel Vorlauf drin, wie sich keiner vorstellen kann.“ Der 67-jährige Holm führte in Kiel eine Bank. 2014 trat er in den Kreis der Ehrenamtlichen des Hospizvereins als Kassenwart ein. 2018, mit Gründung der Gesellschaft, stellte er sich für die Geschäftsführung zur Verfügung. Ein ehrenamtlicher Profi.

Boissevain: Niemand sollte in einer Klinik sterben

Wo war der Anfang? Von 1988 bis 2000 war die Palliativärztin in Bayern tätig. „Zuerst gab es kaum hospizliche Versorgung. Doch ein Krankenhaus ist nicht der Ort, wo Menschen sterben sollten“, war schon damals ihre tiefe Überzeugung. „Die spirituelle Seite, der seelische Schmerz finden nicht den Rahmen, auch wenn körperlicher Schmerz genommen wird“, unterstreicht sie. „Raum für Begegnung und Gespräche sind nötig. Zeit für all die ungelösten Fragen. Das hat mich die ganzen Jahre sehr beschäftigt.“

2012 wurde der Hospizverein in Gettorf gegründet

In Süddeutschland kam die Bewegung in Gang. Als die Ärztin in den Norden zurückkehrte und mit Ehemann Prof. Harald Schöcklmann, ebenfalls Palliativmediziner, in den Wohld zog, waren beide entsetzt. „Auf dem Land war für Sterbenskranke nichts.“ 2012 traten das Paar in Gettorf an die Öffentlichkeit, warb für die Gründung eines Hospizvereins. 2013 folgte die Gründung. Gemeinde, Amtsdirektor, Amtsvorsteher überzeugte das Engagement des Paars, das von den Herzen getragen ist. Ein Büro im Amt durften sie nutzen. Es gab Anschubfinanzierung für die Ausbildung der ehrenamtlichen ambulanten Hospizhelfer. Boissevain: „Diese Unterstützung hat durchgestanden. Die Vision vom stationären Hospiz hatten wir ja gleich. Und wirklich konnten wir 14 Gemeinden und Ämter für die Mitfinanzierung gewinnen.“

Die Spendenaktionen nahmen Fahrt auf

Spendenaktionen nahmen auf einmal Fahrt auf. Politiker, Vereine, Gastronomen, Politiker und Einzelpersonen klemmten sich privat dahinter. Ministerpäsident Daniel Günther (CDU), zunächst noch nicht in der Rolle, begleitet das Projekt bis heute. Die Stiftergemeinschaft der Sparkassen machte 2018 eine halbe Million Euro locker. Insgesamt zwei Millionen Euro Eigenkapital brachte der Hospizverein so zusammen. „Das klingt so glatt“, resümieren Boissevain und Holm. „Aber der Weg war steinig. Behördliche Hürden zu nehmen, keine Vorschrift außer Acht zu lassen, alles im Blick zu behalten, nicht hinzuschmeißen, das war ein Kraftakt.“

Selbst als im Sommer 2019 der symbolische Spatenstich in Gettorf getan war, „haben wir noch bis September gezittert, ob die dauerhafte Finanzierung der Patientenbetten mit 300.000 Euro durch die Kassen gesichert werden darf.“ Jetzt, zu Weihnachten, fällt die Anspannung ab. Zehn Prozent Ergänzung durch Spenden Monat für Monat, die ehrenamtliche Begleitung und die Ausbildung von noch mehr Helfern sind im Vergleich kleine Vorhaben.

Wie Sie Hospize und Hospizvereine unterstützen können, lesen Sie hier.

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