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Schleswig-Holstein Die Hanse ist quicklebendig
Nachrichten Schleswig-Holstein Die Hanse ist quicklebendig
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07:00 04.07.2016
Von Bastian Modrow
Der Güterumschlag läuft auf Hochbetrieb: Im „Hafen einer Hansestadt” (Schulwandbild aus den 60er-Jahren) werden die berühmten Hansekoggen be- und entladen. Quelle: akg-images
Lübeck

Über 400 Jahre prägte das Bündnis ab Mitte des 13. Jahrhunderts den gesamten Nord- und Ostseeraum, war politische Großmacht, beherrschte bis ins 17. Jahrhundert hinein Wirtschaft und Handel. Doch der Einfluss schwand, die Hanse verschwand – bis 1980, als im niederländischen Zwolle die „neue“ Hanse gegründet wurde. „Wir wollen an die guten Traditionen der Vergangenheit anknüpfen und gemeinsame Stärken nutzen“, sagt Bernd Saxe, Vormann des Verbundes.

 Nein, eine Wirtschaftsmacht ist die Hanse der Gegenwart nicht mehr. Auch politisch hat das Bündnis nur noch wenig bis gar nichts mehr zu sagen. „Und Kriege führen wir selbstverständlich auch nicht mehr“, sagt Saxe. Aber: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Geist der Hanse als Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte lebendig zu halten“, erläutert der 62-Jährige und spricht von einer großen Chance: „Durch die Pflege gesellschaftlicher Traditionen und den gelebten Austausch der Mitgliedsstädte kann und will die Hanse einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten.“ Ein Potenzial, das heute besonders wertvoll sei. Der Trend gehe in eine entgegengesetzte Richtung, speziell zwischen Europa und Russland sei die Kluft groß wie lange nicht mehr.

Die Hanse ist eine Marke

 185 Mitglieder zählt die neue Hanse, darunter befinden sich auch 14 russische. „Wir leben ein aktives Miteinander“, sagt Saxe und wird nicht müde, die Bedeutung des Verbundes hervorzuheben. „Die Hanse der Neuzeit ist das größte freiwillige Städtebündnis der Welt.“ In jedem Jahr finden Hansetage statt, stets in einer anderen Stadt. „Dort haben die Mitglieder die Chance, sich zu präsentieren – Werbung für sich zu machen“, berichtet Saxe. Waren es einst Wirtschaftsgüter, die die Fernkaufleute über Nord- und Ostsee lenkten, ist es heute primär der Tourismus, der die Hanse ausmacht. „Alle Mitglieder haben kräftige Zuwächse zu verzeichnen gehabt, manche erleben einen regelrechten Tourismus-Boom, seit sie sich angeschlossen haben“, sagt Saxe und berichtet von Reiseveranstaltern verschiedener Mitgliedsstädte, die gemeinsam Programme wie „Zehn Hansestädte in zehn Tagen“ anbieten. Die Hanse sei eine Marke, eine wertvolle, mit hoher Akzeptanz. Nicht ohne Grund hätten Städte wie Lüneburg, Stade oder Buxtehude ihren Rang als Hansestadt in ihren Titel aufgenommen.

Strenge Aufnahmekriterien

 Wahllos darf aber nicht jede Stadt Hansestadt werden. „Es gibt strenge Aufnahmekriterien – und einen Antrag dürfen auch nur die Städte stellen, die schon einmal Mitglied waren“, erläutert Saxe. Dafür ist mitunter umfangreiche Archivarbeit notwendig. „Dass Städte wie Hamburg, Edinburgh, Wismar oder Riga einst die Hanse prägten, ist bekannt. Von Städten wie Kings Lynn aber wussten wir lange Zeit nicht einmal, wo es liegt.“ Heute wissen die Hansestädter, dass es eine Kleinstadt unweit von London ist. „Wir können lückenlos nachweisen, wer seit dem Mittelalter Mitglied des Hansebundes war.“ Übrigens zählt Kiel streng genommen bis heute dazu: „Als ich vor zwei Jahren offen das Angebot machte, ob Kiel nicht wieder aktives Mitglied werden wolle, wussten wir noch nicht, dass die heutige Landeshauptstadt das Bündnis bis zu seiner Auflösung nie verlassen hatte“, sagt der 62-Jährige. Aktiv wiederbeleben wollten die Stadtvorderen in Kiel ihre Aktivitäten aber nicht – „vielleicht auch aus gutem Grund“, unkt Saxe und lacht: „An der Förde möchte man wohl nicht die Nummer drei sein hinter Lübeck und Hamburg.“ Eines habe sich nämlich nie geändert, betont der Hanse-Vormann: „Lübeck war, ist und bleibt die Königin der Hanse.“

Es war fast ein bisschen spät, als die US-amerikanische Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ACOG) gemeinsam mit der Fachgesellschaft für Feto-Maternale Medizin (SMFM) vor zwei Jahren neue Empfehlungen zur Vermeidung unnötiger Kaiserschnitte veröffentlichte. 

Christian Trutschel 04.07.2016

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