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Schleswig-Holstein Prüfung auf Blindgänger dauert Monate
Nachrichten Schleswig-Holstein Prüfung auf Blindgänger dauert Monate
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11:23 15.01.2019
Von Heike Stüben
Bei der Luftbilderauswertung wird jedes Grundstück auf mögliche Kampfmittelreste aus dem Zweiten Weltkrieg geprüft. Das geschieht unter anderem anhand von Aufnahmen der Allierten. Allein die Briten haben 170000 Luftbilder von Schleswig-Holstein gemacht. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Baugenehmigungen werden nur für geeignete Grundstücke vergeben. In 90 Gemeinden in Schleswig-Holstein (siehe interaktive Karte) bedeutet das: Ein Antrag auf Prüfung beim  Kampfmittelräumdienst ist Pflicht. „Doch viele Grundstückseigentümer, die neu bauen oder andere Tiefbauarbeiten planen, wissen das nicht. Sie beantragen die Überprüfung bei uns erst, wenn die Baubehörde darauf hinweist“, sagt Oliver Kinast, Technischer Einsatzleiter beim Kampfmittelräumdienst. 

Interaktive Karte: Hausbau - Freigabe durch Kampfmittelräumdienst

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1000 Anträge in der Warteschleife

Beim Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein gingen 2018 rund 3800 Anträge ein. 1000 davon hängen noch in der Warteschleife. Bisher prüfen fünf Spezialisten anhand von Luftbildern und anderen Quellen, ob auf dem Grundstück mit Kampfmitteln aus dem Krieg zu rechnen ist.

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„Angesichts des Baubooms hat die Bedeutung des Kampfmittelräumdienstes noch einmal zugenommen. Wir stocken das Personal deshalb auf“, erklärt Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). Im Februar sollen drei Spezialisten hinzukommen. 

Gemeinden in der Pflicht

„Viel wäre schon geholfen, wenn die Gemeinden ihre Neubaugebiete vorab prüfen lassen würden. Dazu sind sie streng genommen sogar verpflichtet, weil die Erschließung bereits Tiefbauarbeiten erfordert“, sagt Kinast. Stattdessen würden einige Gemeinden die Überprüfung auf die Käufer abwälzen.

Alexander Blazek, Geschäftsführer von Haus & Grund Schleswig-Holstein, hält eine 19-wöchige Verzögerung für unzumutbar. „So lange können Handwerksbetriebe nicht warten, zudem werden Bereitstellungszinsen fällig. Häuslebauer sind auf solch eine Verzögerung nicht eingestellt, vor allem wenn dann vor Ort noch weitere technische Untersuchungen und eventuell sogar eine Kampfmittelräumung notwendig werden.“ Kommunen müssten daher ihre Neubaugebiete vorab prüfen lassen. Hauskäufern in den 90 Gemeinden rät Blazek, sich im Kaufvertrag die Kampfmittelfreiheit zusichern zu lassen.

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