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Schleswig-Holstein Zwei Türme voller Nazi-Symbolik
Nachrichten Schleswig-Holstein Zwei Türme voller Nazi-Symbolik
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07:27 01.03.2017
Von Bastian Modrow
Das Lübecker Holstentor ist das Wahrzeichen der Hansestadt und gehört zu den bekanntesten historischen Bauten Deutschlands. Quelle: Bastian Modrow
Lübeck

„Da gehst du in das Wahrzeichen deiner Heimatstadt und wirst unkommentiert und unvorbereitet mit Ungeheuerlichem konfrontiert“, sagt Christian Fischer. Der gebürtige Lübecker entdeckte bei einem Besuch in den beiden Turmaufgängen, „dass die Wandhalter der geschmiedeten Handläufe allesamt in Form von Hakenkreuzen gestaltet sind“. Konkret handele es sich um abgerundete Hakenkreuze, ähnlich dem Symbol des politischen Geheimbunds, der Thule-Gesellschaft. Die NSDAP habe das Hakenkreuz auf Vorschlag eines bayrischen Nationalsozialisten namens Friedrich Krohn als politisches Symbol genutzt, berichtet der Lehrer.

"Alle paar Meter ein Hakenkreuz"

Krohn selbst war Mitglied der NSDAP und der Thule-Gesellschaft. „Hitler setzte damals durch, dass das Hakenkreuz in umgekehrter Drehrichtung verwendet wurde, in völkischen Kreisen wurden allerdings beide Varianten genutzt“, sagt Fischer und spricht von einem Skandal: „Ich weiß, dass das Holstentor 1933/34 von den Nationalsozialisten restauriert worden ist, ganz sicher stammen diese Handläufe aus der Zeit.“ Der 31-Jährige kann nicht nachvollziehen, weshalb die Manschetten nicht spätestens bei der letzten Sanierung des Holstentores 2005 entfernt wurden. „Kein Mensch kann behaupten, dass die Restaurierung ohne Historiker und andere Sachverständige geschieht. Und niemand will etwas bemerkt haben?“, fragt der Kritiker. Mehr noch: „Damals war ein Hakenkreuz an einer Regenrinne des Holstentors entdeckt worden, von dem es hieß, es sei das letzte Nazi-Symbol an einem öffentlichen Gebäude gewesen“, kritisiert Fischer. Jeder aufmerksame Besucher des Museums könne sehen, dass dies nicht stimmen kann: „Ich habe sie nicht gezählt, aber alle paar Meter ein Hakenkreuz über alle Handläufe der Wendeltreppe – da kommen schon mehrere Dutzend zusammen.“

Linke kämpft für "umfassende Entnazifizierung"

Stadtpolitisch kämpft die Bürgerschaftsfraktion der Linken bereits seit Jahren dafür, dass in Lübeck „endlich eine umfassende Entnazifizierung stattfindet“, sagt Katjana Zunft. Dazu würden neben den Manschetten im Holstentor auch Denkmäler aus der NS-Zeit, Straßennamen und verfremdete Reichsadler an Gebäuden zählen. „Lübeck täte gut daran, sich endlich offensiv mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen“, sagt die Kommunalpolitikerin. Eine Forderung, die auch Bruno Böhm vertritt. Er sitzt für die Freien Wähler in der Bürgerschaft und will allerdings, dass die Hakenkreuze als „unbedingt erhaltenswertes Zeugnis der Geschichte“ bleiben. „Die Geschichte darf nicht verdrängt werden, in dem man Relikte nach nunmehr über 70 Jahren entfernt“, betont Böhm und drängt darauf, auf einer Tafel offensiv auf diese Geschichte hinzuweisen, besser noch: eine umfängliche Dauerausstellung über Lübecks dunkelste Zeit einzurichten.

Die Lübecker Museen bekräftigen, dass bereits heute in einem der Räume des Holstentors auf die Umbaugeschichte zum ehemaligen Gedächtnisraum der NS-Bewegung hingewiesen werde. „Der Umbau 1933/34 war so gravierend, dass das heutige innere Erscheinungsbild noch so ist, wie es damals geplant und ausgeführt worden ist“, betont Bettina Zöller-Stock. Dazu gehören laut Auskunft der wissenschaftlichen Mitarbeiterin neben den eingezogenen Betondecken und dem Fußboden eben auch die Geländer mit den „Hakenkreuz-ähnlichen Manschetten“. „Das ist Teil der Baugeschichte des Holstentors und wurde nicht verändert“, so Zöller-Stock. Letztlich hatte auch die städtische Denkmalbehörde der Stadt ein Wort mitzureden. Dort bezeichnet man das Holstentor als gewachsenes Denkmal, bei dem historisch nichts bereinigt werden dürfe. Dazu gehörten auch die Manschetten.

Christian Fischer reicht das nicht aus. Er fordert Konsequenzen: „Es bedarf weniger Schnitte mit einem Trennschleifer oder einiger Handvoll Beton, um die Symbole unkenntlich zu machen. Vielleicht könnte man aber auch gut sichtbar eine Erklärtafel direkt neben den Treppen anbringen.“ Das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes sollte diese Arbeit wert sein, meint Fischer.

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