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Schleswig-Holstein Schief, trutzig, weltbekannt
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09:13 21.01.2018
Das Lübecker Holstentor wird 540 Jahre alt. Quelle: Markus Scholz
Lübeck

Die Hansestadt Lübeck wird in diesem Jahr 875 Jahre alt. Nicht ganz so viele Jahre, nämlich nur 540, hat sein wohl bekanntestes Wahrzeichen auf dem Buckel. Das Holstentor am westlichen Zugang zur Altstadtinsel gilt heute weltweit als Sinnbild städtischer Wehrhaftigkeit. Doch das war nicht immer so. Im 19. Jahrhundert erwog die Bürgerschaft ernsthaft, das Tor abzureißen. Der Plan scheiterte, doch das Schicksal des Holstentores hing 1863 am seidenen Faden.

Das aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbare Ansinnen, das Tor abzureißen, hatte vor allem wirtschaftliche Gründe. Um den Anschluss an das Eisenbahnzeitalter nicht zu verpassen, sollte eine direkte Bahnverbindung nach Hamburg gebaut werden. Die Trasse lag auf dem Gelände der ehemaligen Wallanlage im Westen der Stadt und das damals ohnehin recht baufällige Holstentor war diesen Plänen im Wege.

Wiederaufbau wurde empfohlen

Doch der Vorschlag des sogenannten Bürgerausschusses löste eine Protestwelle geschichtsbewusster Lübecker aus. Angesichts der Proteste habe der Senat des damals noch selbstständigen Stadtstaates ein Gutachten zum Zustand des Bauwerkes beim preußischen Staatskonservator Ferdinand von Quast in Auftrag gegeben, schreibt der Historiker Gerhard Ahrens in dem Buch «Lübeckische Geschichte», einem Standardwerk zur Historie der Stadt.

Vom Quast empfahl den Wiederaufbau des Holstentors, damit «dasselbe den eigenen Bürgern nicht minder wie allen anderen Deutschen und selbst den Fremden ein sichtbares Zeichen der alten Macht und Herrlichkeit vor Augen stellt», wie es in dem Buch heißt. Der entsprechende Antrag des Senates wurde am 1. Juni 1863 von der Bürgerschaft mit der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme angenommen.

Das im 16. Jahrhundert im Stil der Spätrenaissance errichtete Vortor des Holstentors fiel dagegen der Verkehrsplanung des 19. Jahrhunderts zum Opfer. Das etwa 15 Meter weiter westlich gelegene Bauwerk wurde 1853 abgerissen, um Platz für Lübecks ersten Bahnhof zu schaffen, der bis 1908 bestand.  

Holstentor - ein umstrittenes Wahrzeichen

Heute ist das seit 1863 mehrfach restaurierte Holstentor ein unumstrittenes Wahrzeichen, das auch in Firmenwappen und dem Signet des Deutschen Städtetages auftaucht. «Kaum ein Tourist verlässt Lübeck ohne ein Foto vom Holstentor im Gepäck. Vermutlich findet es sich millionenfach in Fotoalben in aller Welt», sagt die Sprecherin des Lübeck und Travemünde Marketing (LTM), Doris Schütz.

Das zwischen 1464 und 1478 als Teil einer größeren Befestigungsanlage erbaute Holstentor gilt als bedeutendstes noch erhaltenes spätmittelalterliches Stadttor Deutschlands. Von 1958 bis 1991 war es auf dem 50-Mark-Schein der Deutschen Bundesbank abgebildet, seit 2002 ziert es die Rückseite einer Zwei-Euro-Münze. 

Museum im Holstentor

Die Tatsache, dass vor allem der Südturm des Tores schief steht, ist nach Aussagen von Baufachleuten kein Zeichen von Baufälligkeit. Schon im 15. Jahrhundert sanken die auf Pfählen im morastigen Boden stehenden Türme durch den Druck des schweren Mitteltraktes ungleichmäßig ab. Erst in den 1930-er Jahren konnte diese Bewegung gestoppt werden. Heute befindet sich im Innern des Tores ein stadtgeschichtliches Museum. 

Seit 1863 - dem Jahr der ersten Restaurierung - prangt auf der Feldseite des Tores in vergoldeten Lettern der Schriftzug «Concordia Domis Foris Pax» («Drinnen Eintracht, draußen Frieden»). 1871 kamen auf der Stadtseite die Buchstaben «S.P.Q.L.» als Abkürzung des lateinischen «Senatus Populusque Lubecensis» («Senat und Volk von Lübeck»). Der Volksmund im traditionell von schlechten Straßen geplagten Lübeck hat ihnen längst eine andere Bedeutung gegeben: Schlechtes Pflaster quält Lübeck.

Von dpa

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