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Schleswig-Holstein IfW-Präsident Snower verlässt Kiel
Nachrichten Schleswig-Holstein IfW-Präsident Snower verlässt Kiel
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13:27 26.01.2019
Nach 14 Jahren an der Spitze des Instituts für Weltwirtschaft verlässt Dennis Snower Kiel. (Archivbild) Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Mitte Februar gehe ich in den Ruhestand“, sagt Dennis Snower (68). Dann zählt der scheidende Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf, was er künftig so machen wird. „Ich werde eine Professur an der Hertie School of Governance in Berlin antreten, ich bleibe Präsident der Global Solutions Initiative in Berlin - sie berät die G20-Staaten - und außerdem übernehme ich Forschungsprofessuren an der Universität Oxford und am University College London.“

Das sieht eher nach Unruhestand aus. „Ja, meine Frau ist auch verzweifelt, weil sie sich das nicht unter Ruhestand vorgestellt hat“, sagt der freundliche Mann mit der leise-brüchigen Stimme lachend. Für ihn selbst passt das aber sehr gut: „Ruhestand bedeutet, dass man nicht mehr arbeiten muss. Diese Dinge hier, Beratung und Forschung, sind meine ideale Freizeit.“

2004 nach Kiel gekommen

Der gebürtige Wiener hat in England und den USA studiert, diverse Regierungen und Organisationen beraten, enorm viel publiziert. 2004 kam er nach Kiel. Jahr für Jahr nahmen herausragende Politiker, Ökonomen und Unternehmer auf seine Einladung in der Fördestadt den undotierten Weltwirtschaftlichen Preis entgegen.

Helmut Schmidt und Jacques Delors kamen, Friede Springer, Dietmar Hopp (SAP) und Ingvar Kamprad (Ikea), die Nobelpreisträger Robert Shiller, Daniel Kahneman und Paul Krugman. Sie beehrten einen Wissenschaftler, der im Laufe der Zeit immer weiter über Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten hinaus den Menschen mit seinen Interessen und Motivationen ins Zentrum rückte, Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Globalisierung, Umwelt, Klimaschutz und sozialen Verhältnissen immer stärker betonte.

Mehr als 14 Jahre hat der Amerikaner, der jetzt auch deutscher Staatsbürger ist, in Kiel gelebt und gearbeitet. War das für einen so global denkenden und agierenden Menschen nicht alles zu klein? Snower widerspricht vehement. „Genau das Gegenteil!“, ruft er aus.

„Ich finde es ganz fantastisch, in Kiel zu leben - hier ist man draußen in der Natur, schaut hinaus auf die Förde, sieht Wasser noch am Horizont, kann lange Spaziergänge machen und die Luft ist gut“, sagt Snower. „Andererseits ist man leicht angebunden an die restliche Welt; dieses Zusammenspiel ist ganz wunderbar.“ Snower fügt ein Loblied an: „In all der Zeit, in der ich das Institut vertreten konnte und überall in der Welt herumschwirrte, ist mir wirklich aufgefallen, wie stolz wir sein sollten auf Deutschland“.

Viel zu Fuß und mit dem Rad unterwegs

In Kiel und Umgebung ist Snower viel zu Fuß und mit dem Rad unterwegs gewesen. Vor seinem Wechsel an die Förde hatte er auch Segeln gelernt - und das nie hier praktiziert. „Es fehlte einfach die Zeit, weil man als ich als Präsident des Instituts viel zu sehr eingebunden war.“ Das blüht nun auch seinem Nachfolger, dem Österreicher Gabriel Felbermayr. Er wechselt im März vom Münchner Ifo-Institut nach Kiel.

Einer der ganz großen Arbeitsmarktökonomen

Felbermayr sieht in Snower „einen der ganz großen europäischen Arbeitsmarktökonomen“, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er habe ihn mittlerweile auch sehr gut persönlich kennengelernt als jemanden, der vor allem eine gedeihliche Weiterentwicklung des Kieler Instituts anstrebe. „Er hat mir alle Fenster und Türen aufgemacht, zu denen er Zugang hat.“

Snower gibt das Lob zurück: „Er ist ein renommierter Experte in Bezug auf den internationalen Handel, hat auch auf vielen anderen Gebieten wichtige Beiträge geleistet, interessiert sich für Migrationsangelegenheiten, für Finanzthemen, für die verschiedensten Aspekte der Weltwirtschaft“, sagt er über Felbermayr. „Wir sind im Austausch miteinander und ich verstehe mich sehr gut mit ihm.“

Pendeln zwischen London und Berlin

Nach seiner Verabschiedung aus Kiel hat Snower gleich Mitte März einen ersten Höhepunkt in seiner „Un-Ruhestandszeit“ vor sich. Dann steigt in Berlin ein Spitzentreffen der von ihm geleiteten Global Solutions Initiative. Dazu werden internationale Spitzenpolitiker und -wissenschaftler erwartet. Auch Kanzlerin Angela Merkel hat zugesagt, vier Bundesminister ebenfalls. Snower wird über die Zukunft des weltweit bedrohten Multilateralismus sprechen. Die unabhängige Stiftung berät die G20 längerfristig, das IfW ist Forschungskoordinator. Der nächste G20-Gipfel findet Ende Juni in Japan statt.

Mit dem Ende seiner Amtszeit wird Snower Kiel auch verlassen. „Wir haben eine Wohnung in Berlin gekauft und wir haben unser Haus in London behalten“, erzählt er. „Wir werden pendeln.“ Die Unruhe im Ruhestand ist wahrlich programmiert.

Von RND/dpa

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