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Schleswig-Holstein Ermittler warnen vor illegalen Böllern
Nachrichten Schleswig-Holstein Ermittler warnen vor illegalen Böllern
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19:44 17.12.2018
Von Niklas Wieczorek
Ohne Zulassung: Besonders vor diesem schweren illegalen Feuerwerk warnen die Ermittler. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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"Die große Frage ist doch: Was ist eigentlich verboten, und was ist erlaubt?", fasste Ralf Schmunz vom Landeskriminalamt gleich zu Beginn zusammen. Auf dem Gelände des zum LKA zählenden Kampfmittelräumdienstes erläuterten Ermittler und Entschärfer am Montagnachmittag, warum illegales Feuerwerk verboten ist. Und sie zeigten die davon ausgehende Gefahr.

Zulassungs- und CE-Zeichen seien Grundvoraussetzung, erläuterte Schmunz, was legale Pyrotechnik der Kinderklasse (ab 12 Jahre) F1 oder der Erwachsenenklasse F2 ausmache. Auch bei F2 gelte allerdings schon: "Wer keine 18 ist oder sie in der Nähe von Kirchen oder Krankenhäusern abbrennt, begeht immer eine Ordnungswidrigkeit."

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Drei Gramm Perchlorat zerfetzen eine Hand

Bei F3-Feuerwerk brauche der Zünder bereits eine behördliche Erlaubnis, beispielsweise von der Unfallkasse Nord. Eine Perchlorat-Mischung unterscheide dieses Profi-Feuerwerk vom Schwarzpulver in den niedrigeren Kategorien.

Noch mehr Perchlorat, häufig sogar mit einem Metallzusatz, sei dann in F4-Feuerwerk. Das dürfen nur noch absolute Profis mit entsprechender Erlaubnis in die Hand nehmen. Ganz zu schweigen vom nicht zugelassenen Feuerwerk. Schon bei drei Gramm Perchlorat in einem Böller gelte: "Wenn der in der Hand umsetzt, ist die Hand weg", so Schmunz. Das passiere mehrfach im Jahr in Schleswig-Holstein

Barbara Westermeyer von der Staatsanwaltschaft Kiel erläuterte die extreme strafrechtliche Relevanz ab F4: Oft spiele die Dynamik einer Jugendgruppe eine Rolle, wenn es darum geht, auch einmal illegales Feuerwehr auszuprobieren und abzubrennen.

Jugendliche Täter im Fokus

Dennoch ermuntert sie, Eltern mit dem Fund von Pyrotechnik bei den Kindern das LKA zu kontaktieren. Die Spezialisten würden dieses nicht nur sicher abtransportieren lassen, sondern entscheiden auch mit Augenmaß: Ist der junge Täter bereits  gewerblich organisiert, oder handele es sich noch um ein verhältnismäßig kleines Jugendvergehen.

Die Behörden entscheiden dann über die angemessene Strafe, die im minderschweren Jugendfall auch eine Einstellung des Verfahrens vor einer Anklage bedeuten könne. Doch es sind auch bis zu 50.000 Euro oder drei Jahre Haft möglich.

"Jeder zweite bis dritte Jugendliche hatte so etwas schon einmal auf Tasche", sagte Schmunz. "Wir wollen dieses Zeug raus aus den Kinderzimmern kriegen."

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Am Montag haben LKA und Kampfmittelräumdienst mit der Staatsanwaltschaft Kiel vor den schwerwiegenden Folgen von illegaler Pyrotechnik gewarnt.