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Schleswig-Holstein Schon über 100 Beschwerden in Schleswig-Holstein
Nachrichten Schleswig-Holstein Schon über 100 Beschwerden in Schleswig-Holstein
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05:59 03.08.2019
Von Bastian Modrow
ULD-Chefin Marit Hansen und ihre Kollegen bekommen immer mehr Beschwerden von Bürgern, die illegale Videoüberwachung fürchten. Quelle: fpr: Frank Peter
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Kiel

Meist gehe es um Kameras, die zu viel Einblick nehmen würden und mitunter intimste Details aufzeichneten. Der Fall auf dem Campingplatz in Neustadt-Rettin (Kreis Ostholstein) ist für die Experten zwar ein besonders krasser Verstoß – von einem Einzelfall kann aber trotzdem keine Rede sein.

Weitere Anzeige wegen möglicher WC-Überwachung

In den vergangenen Wochen hat es nach Informationen von KN-online einen zweiten, vergleichbaren Fall gegeben. Auch hier gab es Hinweise über eine mögliche Videoüberwachung von Toiletten-Anlagen auf einem Campingplatz in Schleswig-Holstein. Hansen bestätigt dies, betont allerdings, dass es sich dabei um Kamera-Attrappen gehandelt habe. Auch hier verfügte das ULD eine Demontage der täuschend echt aussehenden Kamera.

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Allein in diesem Jahr gingen schon mehr als hundert Beschwerden von Bürgern wegen möglicher illegaler Videoüberwachung beim Landesdatenschutzzentrum ein. „In den meisten Fällen geht es um Webcams im öffentlichen Raum, die ebenfalls kritisch sein können und oft unzulässig sind, aber meist nicht die Intimsphäre der Menschen betreffen“, berichtet Hansen. Allerdings gebe es auch immer wieder Hinweise, in denen es um Kameras in sensiblen Bereichen wie Umkleidekabinen in Fitness-Zentren oder Schwimmbädern gebe.

Hansen: "Toiletten sind für Kameras tabu"

„In solchen Extremfällen müssen aufgespürte Kameras unverzüglich abgeschaltet werden“, sagt die Datenschützerin. In anderen Bereichen könnten Betreiber mitunter mit einer geeigneten Konfiguration der Kameras dafür sorgen, dass tiefe Einblicke in die Privat- und Intimsphäre vermieden werden. „In Fall des Campingplatzes hätte aber auch ein Hinweisschild an der Tür nichts geändert: Toiletten sind für Kameras tabu“, so Hansen.

Die Reaktion illegal gefilmter Menschen ist höchst unterschiedlich: „Einige sind empört oder wütend, andere reagieren mit Scham, fühlen sich verletzt, ausgeliefert und hilflos“, so die Datenschützerin.

Niklas Wieczorek 02.08.2019
02.08.2019
02.08.2019