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Schleswig-Holstein Land prüft Küstenschutz auf Effizienz
Nachrichten Schleswig-Holstein Land prüft Küstenschutz auf Effizienz
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20:43 02.12.2019
Von Christian Hiersemenzel
Der Meeresspiegel wird ansteigen, die Gefahr von Überschwemmungen steigt - deshalb sucht das Land nach Gegenstrategien. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Jahr für Jahr schreibt Holger Klink (CDU) neue Bettelbriefe nach Kiel. Wenn eine Sturmflut das Ostseebad Strande wieder einmal hart getroffen hat, dann weiß der Bürgermeister: Die Reparaturen werden teuer. Und ungewiss ist jedes Mal, in welchem Umfang sich das Land an den Kosten beteiligt. Für eine kleine Gemeinde wie Strande wird das schnell zur existenziellen Frage. Künftig soll mehr Klarheit herrschen: Das Umweltministerium arbeitet an einer Gesamtstrategie zur Entwicklung der Ostseeküste bis zum Jahr 2100. Gestern war in der Sparkassenarena die Auftaktveranstaltung.

Nachdem Anfang 2019 gleich zwei Winterstürme über den Norden hinweggefegt waren, Promenaden verwüstet und Strände abgetragen wurden, sahen sich im Frühjahr vor allem die Gemeinden an der Ostseeküste einer Grundsatzdebatte ausgesetzt. Angesichts des Klimawandels und steigender Meeresspiegel stellte die Landesregierung die Frage, an welchen Stellen künftig regelmäßige Reparaturen überhaupt noch sinnvoll sind und wo man stattdessen lieber der Natur ihren freien Lauf lassen sollte.

Ministerium räumt Fehler ein

„Wir haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) gestern. Nicht nur Strandkioske und Gastronomiebetriebe seien zu nah an der Küste errichtet worden. Buhnen, die vor Ort die Flut brechen sollen, würden sich an anderer Stelle negativ auswirken. Die Ostsee sei eine sogenannte Ausgleichsküste, wo unter dem Einfluss von Wind und Wasser an der einen Stelle Sand und Kies abgetragen und an der anderen Stelle angelagert werden.

Fachleute vom Geowissenschaftlichen Institut der Kieler Christian-Albrechts-Universität sollen nun in Kooperation mit Kollegen vom Institut für Wasserbau an der Technischen Universität Hamburg-Harburg ein morphologisches Küstenmodell erarbeiten. „Die neuesten Aussagen des Weltklimarates vom September dieses Jahres, wonach der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert um bis zu 1,1 Meter ansteigen könnte, zeigen die enorme Bedeutung und das Erfordernis einer solchen Strategie auf“, sagte Albrecht.

Sein Kabinettskollege, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), betonte, für wie wichtig er ein solches nachhaltiges Konzept halte, um Schleswig-Holstein und die Menschen an den Küsten dauerhaft zu schützen. Das Land habe den geschädigten Gemeinden im Frühjahr mit einer Million Euro geholfen, um sich für die Saison zu rüsten. „Aber jedes Jahr aufs Neue hielte ich das für unsinnig.“ Wenn schwere Sturmfluten und Stürme in geballter Form aufträten, seien neue Antworten nötig.

Buchholz: Tourismus ist Lebensader der norddeutschen Wirtschaft

Buchholz wies im selben Atemzug darauf hin, dass im Norden 168.000 Menschen sozialversicherungspflichtig vom Tourismus lebten. „Tourismus in Schleswig-Holstein ist kein Nice-to-have, sondern eine Lebensader unserer Wirtschaft.“ Deshalb müsse es einen fairen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie geben. „Der Tourismus wird nicht alles bekommen können, aber auch nicht nichts.“ Die Ergebnisse der Studie sollen 2023 vorliegen.

Heiko Voß, Bürgermeister in Laboe, begrüßte den Vorstoß. Seit Jahren lagere sich herrlichster weißer Sand vor seiner Gemeinde ab. Was dem beliebten Ort einerseits einen schönen Strand beschere. „Wir haben aber im Hafenbecken unseres Jachthafens mittlerweile ein Versandungsproblem und wollen wissen, wo der Sand herkommt, um uns mit anderen Gemeinden über Maßnahmen abzustimmen.“

Auch sein Strander Kollege Klink lobt die Initiative der Landesregierung. Für den 30.000-Euro-Schaden am Europäischen Fernwanderweg habe seine Gemeinde die Hälfte erstattet bekommen. „Aber das Land hat gemerkt, dass es mit den regelmäßigen Bettelbriefen nicht weitergehen kann. Wir brauchen eine gemeinschaftliche Lösung.“

Wie es mit der Großen Koalition in Berlin weitergeht? Serpil Midyatli, SPD-Parteichefin in Schleswig-Holstein, hält sich bedeckt. Dabei sei die bisherige Bilanz gar nicht schlecht. Was sie von den designierten Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hält, sagte sie im Interview.

Christian Hiersemenzel 02.12.2019

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