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Schleswig-Holstein Ruf nach Pflichtdienst wird lauter
Nachrichten Schleswig-Holstein Ruf nach Pflichtdienst wird lauter
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12:40 27.05.2019
Von Heike Stüben
Freiwilligendienst in der Kita: Hanna Ochmann betreut Kinder beim Malen. Quelle: Waltraud Grubitzsch
Kiel

Ist die Zeit reif für ein "verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Frauen und Männer“? Fest steht: Die Löcher, die das Ende des Zivildienstes gerissen hat, sind immer schwerer zu stopfen.

1997 gab es bundesweit zusätzlich zum Freiwilligen sozialen und Ökologischen Jahr mehr als 130.000 Zivildienstleistende. Der Bundesfreiwilligendienst sollte die Lücke füllen. Doch aktuell gibt es dort nicht einmal mehr 40.000 Plätze, davon 1477 in Schleswig-Holstein.  

Freiwilligendienst hat viel zu bieten

Wie viele Stellen im Bereich Freiwilliges Soziales Jahr und Freiwilliges Ökologisches Jahr noch hinzukommen, ist unbekannt. Die Freiwilligenplätze werden nicht zentral erfasst. Sicher ist: Insgesamt sind es mehr als 3600 Freiwilligenstellen in Schleswig-Holstein. Und viele davon sind immer schwerer zu besetzen. Das gilt vor allem für ländliche Gebiete und Stellen, die keine Unterkunft bieten können.

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Ausnahme: das Freiwillige Ökologische Jahr. Für das nächste Freiwilligenjahr, das im August beginnt, gab es 900 Bewerber auf 180 Stellen. Das Interesse, Tiere und Pflanzen zu kartieren, Naturführungen zu machen und sich für Nachhaltigkeit und andere Klimaaspekte einzusetzen, ist groß. 

Für Freiwillige sind jede Menge Plätze frei

Für die Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es hingegen zunehmend weniger Bewerber. Viele Träger suchen dringend noch Leute für 2019/20. Bei der Plattform fsj-sh.de sind mehr als 800 Plätze frei.

Auch beim Internationalen Bund IB, einem der größten Träger in Deutschland, ist noch jeder zweite Platz in Schleswig-Holstein unbesetzt. Die Leiterin der Freiwilligendienste, Svenja Barß, hofft zwar noch auf eine späte Bewerbungswelle. „Dennoch haben wir das Gefühl, dass es in diesem Jahr deutlich weniger Bewerbungen gibt.“

Landespastor Heiko Naß spricht von einem bundesweiten Trend. „Die jungen Menschen haben heute ein großes Auswahlspektrum und werden umworben. Freiwilligendienste können da oft nicht mehr mithalten.“

Tobias Loose von der CDU will Pflichtdienst

Tobias Loose will mit einem Pflichtdienst nicht nur diese Lücken füllen, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. „Zweidrittel der Deutschen wünscht sich einen Pflichtdienst“, sagt der CDU-Abgeordnete.  „Wir müssen uns darüber Gedanken machen ob Individualismus, eigene Karriere und Konsum unsere Gesellschaft mehr prägen soll als Solidarität, Gemeinsinn und Nächstenliebe. Ein Gesellschaftsjahr kann diese Werte stärker verankern. Dies geht nur als Pflichtdienst. Sonst zu erwarten ist, dass diejenigen, die diese Erfahrung am dringendsten brauchen, sich dem Dienst entziehen.“

Zudem könne ein Pflichtdienst auch für Berufsfelder in der Bundeswehr oder der Pflege werben. „Die Dienstleistenden erhalten positive Impulse für Berufe, in denen wir heute einen Mangel haben“

Dienst muss freiwillig bleiben

Widerspruch kommt aus dem Sozialministerium: Dort lehnt man ein Pflichtjahr ab. Bürgerschaftliches Engagement könne nicht vom Staat erzwungen werden. Es setze Selbstmotivation und Freiwilligkeit voraus. Eine Dienstpflicht würde den Fachkräftemangel sogar verschärfen, „weil man einen gesamten Jahrgang aus dem Arbeitsmarkt herauslösen würde, um ihn dann weniger qualifizierte Arbeiten verrichten zu lassen“, erklärte eine Sprecherin.

Auch bei der Diakonie, mit 800 Plätzen der größte Anbieter in Schleswig-Holstein, lehnt man ein Pflichtjahr ab. Diakonievorstand Landespastor Heiko Naß mahnt, ein Pflichtjahr zu Ende zu denken. „Was machen wir mit denen, die sich verweigern? Wollen wir die sanktionieren?“

Dienste attraktiver machen

Sinnvoller fände er es, Freiwillige stärker zu belohnen – etwa durch freie Fahrt im ÖPNV und die doppelte Anrechnung bei der Wartezeit auf einen Studienplatz.

Auch Svenja Barß findet es wichtiger, Anreize zu schaffen, damit noch mehr Menschen freiwillig einen Freiwilligendienst absolvieren. Pädagogisch gesehen wäre ein Pflichtjahr ein Rückschritt, denn zum einen kann man Freiwilligkeit und Engagement nicht erzwingen - und genau das ist wichtig in den meisten Tätigkeiten und für die Persönlichkeitsbildung. Zum anderen würden die Bildungsarbeit und pädagogische Betreuung in einem Pflichtjahr sicherlich Qualitätsverluste erleiden."

Für Sozialminister Heiner Garg (FDP) ist es deshalb „ein zentrales Anliegen, diese Dienste auch zukünftig auf freiwilliger Basis und attraktiv zu gestalten“.

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