KN/SZ-Serie Wohnen in Schleswig-Holstein - In Kiel fehlt günstiger Wohnraum – KN - Kieler Nachrichten
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Schleswig-Holstein In Kiel fehlt günstiger Wohnraum
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15:42 18.04.2013
Von Ulf Billmayer-Christen
Altbauwohnungen sind in Kiel kaum noch bezahlbar.
Altbauwohnungen sind in Kiel kaum noch bezahlbar. Quelle: pae
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Kiel

„Wir brauchen ein städtisches Unternehmen, das bezahlbaren Wohnraum schafft und hierdurch drohende Mietsteigerungen zumindest dämpft“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Jochen Kiersch. Es sei ein schwerer Fehler gewesen, dass Kiel 1999 mit der KWG seine Wohnungsbaugesellschaft verkauft habe. Die mehr als 10.000 Wohnungen, vor allem in Gaarden und Mettenhof, gehören heute zum Portfolio eines englischen Finanzinvestor.

Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) will den Wohnungsbau mit Hilfe von Baugenossenschaften ankurbeln und im Fall eines Fehlschlags auf eine kommunale Lösung setzen. Die Richtung gibt die SPD vor. Sie favorisiert im Kommunalwahlprogramm ein städtisches Genossenschaftsmodell, an dem Bürger und Wohnungsunternehmen beteiligt werden.

Einem solchen Konzept können im Kern auch alle anderen Fraktionen etwas abgewinnen. Für den Aufbau einer stadteigenen Wohnungsgesellschaft plädiert aber nur die Linkspartei. CDU und FDP lehnen eine reine Stadtlösung mit Blick auf die Kosten und die leere Kasse ab.

Direkte Hilfe von der Landesregierung kann Kiel nicht erwarten. Innenminister Andreas Breitner (SPD) lobt zwar kommunale Wohnungsunternehmen wie etwa in Lübeck, stellt aber klar, dass die Landeshauptstadt die Frage des Aufbaus einer eigenen Baugesellschaft selbst beurteilen und entscheiden müsse. „Das ist eine originäre Sache der Stadt Kiel.“ Breitner verspricht zugleich, die Stadt im Rahmen der „Landesoffensive für bezahlbares Wohnen“ zu unterstützten. So stellt das Land allein für Kiel bis Ende nächsten Jahres bis zu 35 Millionen Euro Fördermittel für den Bau neuer Sozialwohnungen bereit.

Das Land hat zugleich die Förderkriterien verbessert. Förderfähig sind neuerdings bis zu 85 Prozent (bisher 75) der Gesamtkosten. Die Mietobergrenze bei den neuen Sozialwohnungen liegt bei 5,50 Euro pro Quadratmeter.

 Die Regierung hat das Sonderprogramm bewusst auf Regionen begrenzt, in denen es an preiswerten Wohnungen mangelt. Das gilt vor allem für Städte im Hamburger Umland, für Lübeck und eben für Kiel.