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Schleswig-Holstein In Kiel findest Du Dein Glück
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16:15 22.10.2013
Die Zisch-Reporter Anna Jeworrek und Carla Schäckel trafen Torsten Meyer-Bogya (li.) im Atelierhaus im Kieler Anscharpark. Quelle: privat
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Kiel

Wenn man für eine Stadt wirbt, sieht die Sache schon anders aus: Hier geht es um ein komplexes Produkt. Die Zutaten sind je nach Stadtteil sehr unterschiedlich und die Verpackung zum Teil Jahrhunderte alt. Wie kann man da erfolgreich werben?

 „Zunächst muss man wissen, was man will!“ Torsten Meyer-Bogya weiß, wovon er spricht. Der Diplom Designer und Geschäftsführer der Design-Initiative Nord e.V. ist auf dem Gebiet der Werbung Experte. Er weiß, worauf man bei der Stadtwerbung unbedingt achten sollte. „Es kommt vor allem darauf an, Schwerpunkte zu setzen.“ Man müsse sich überlegen, welche Vorzüge eine Stadt hat und welche man bewerben möchte. „Es hat ja wenig Sinn und Zweck, in der Werbung für Kiel zu behaupten, wir hätten hier lauter Fischrestaurants, wenn es hier kaum welche gibt!“

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 Das klingt logisch. Es geht um sogenannte Alleinstellungsmerkmale, frei nach dem Motto: „Was hat sie, was ich nicht habe!“ Die Stadt Kiel hat ihre Förde. Da findet man sein Glück und alles, was das Herz begehrt: Strand, Wasser und Wellen. Da ist für jeden etwas dabei. Für Alt und Jung und für Mann, Frau, Kind, für den Single und die ganze Familie. Doch wie erreicht man diese unterschiedlichen Gruppen und wie bekommt man sie werblich unter einen Hut? Laut Meyer-Bogya gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann unterschiedliche Werbung für unterschiedliche Zielgruppen zu einem Thema gestalten oder man überlegt sich, ob man sich auf ein Thema und eine Zielgruppe beschränken möchte.

 Der Informationsweg geht über unterschiedliche Medien. Die sogenannten Mediadaten geben darüber Auskunft, welche Zielgruppe welches Medium nutzt. So weiß jede Zeitung, von wem sie gelesen wird und kann ihre Leser genau differenzieren – nach Alter, Geschlecht oder Einkommen. Eine Stadt kann dann entscheiden, in welchem Medium sie werben sollte, um eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. „Wenn man weiß, dass eine Zeitung von Älteren gelesen wird, sollte man dort nicht unbedingt die Diskotheken Kiels bewerben.“

 Meyer-Bogya hält bei der Städtewerbung aber noch einen weiteren Aspekt für sehr wichtig. Eine Stadt ist seiner Meinung nach immer gut beraten, sich auch als Wirtschaftsstandort zu profilieren, damit sich möglichst viele Unternehmen ansiedeln. Dazu bedarf es langfristiger Werbestrategien und Kampagnen. Neue Unternehmen tragen dazu bei, die Steuereinnahmen einer Stadt zu erhöhen, so dass im besten Fall auch viele kulturelle und soziale Projekte von den Mehreinnahmen profitieren.

 Werbung will also gelernt sein. Die Strategie ist wichtig, denn das Werbe-Geschäft ist nicht billig. Für eine kleine Tourismus-Kampagne kann man schnell 200000 bis 300000 Euro ausgeben, eine Standort-Kampagne kostet ein vielfaches mehr. Da macht es Sinn, Finanzierungs-Partner zu suchen.

 Und wie merkt man, dass die Werbung erfolgreich war? Ganz einfach. Man evaluiert und befragt die Zielgruppen, wie und über wen sie von einem Thema erfahren haben und wie sich persönliche Einstellung verändert haben. Wenn dann einer sagt „In Kiel habe ich mein Glück gefunden und alles was das Herz begehrt!“ dann war die Werbung wohl gut und damit auch erfolgreich.

Von Anna Jeworrek und Carla Schäckel