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Schleswig-Holstein Warum ist dieser Januar so warm?
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17:26 01.02.2020
Von Karen Schwenke
Im Kieler Schrevenpark grünt und blüht es. Damit endete die winterliche Pflanzenruhe 2020 bereits 17 Tage früher als im 30-jährigen Vergleich. Quelle: Frank Peter/Screenshot
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Kiel

Die Glockenblumen blühen, die Frösche hüpfen aus den Teichen und die Straßenmeistereien bleiben auf ihren Salzbergen sitzen. Dieser Januar fühlte sich an wie ein verregneter März. Und tatsächlich ist er der Drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Zumindest in Norddeutschland. Hier lag die durchschnittliche Temperatur bei 5,3 Grad, nur die Jahre 1975 und 2007 starteten etwas wärmer.

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Zusammen mit Hamburg und Bremen gehörte Schleswig-Holstein damit im Januar zu den wärmsten Bundesländern. Frühlingsgefühle kamen trotzdem nicht auf. Denn zwischen Nord- und Ostsee fielen 85 Liter Regen pro Quadratmeter – nirgendwo sonst in Deutschland war es nasser. Und während es anderswo überdurchschnittlich viel Sonne gab – im Süden der Republik zeigte sie sich teils über 130 Stunden – schien sie hierzulande in den vergangenen 31 Tagen gerade mal 30 Stunden, teils sogar weniger als 20 Stunden.

Warme Temperaturen im Januar: Welche Rolle spielt der Klimawandel?

„Dieser außergewöhnlich warme Januar hat aber nichts mit dem Klimawandel zu tun“, sagt Meteorologe Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Die Erderwärmung könne man nur in der Langzeitbeobachtung feststellen. „Und wir beobachten, dass es in den letzten Jahrzehnten in Schleswig-Holstein und ganz Deutschland immer wärmer wird, was eindeutig ein Zeichen für die Klimaerwärmung ist.“ Daraus folge, dass es in den nächsten Jahren immer seltener einen Januar geben wird, der kalt und schneereiche ist, während die Ausreißer nach oben, wie in diesem Jahr, häufiger werden.

Lesen Sie auch:Wie viel Klimawandel steckt im Wetter?

Generell führen die höheren Temperaturen zu einer verlängerten Vegetationszeit. Der Winter, also die Zeit der völligen Pflanzenruhe, habe sich laut Friedrich in Deutschland bereits um zehn bis 14 Tage verkürzt. Das zeige sich an der Blüte der Haselnuss und der Schneeglöckchen. Denn gemäß der Phänologie, die sich mit der im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklung der Pflanzen befasst, markieren diese Blüten den Frühlingsbeginn. 2020 sei der Frühling bereits am 25. Januar gestartet und damit 17 Tage früher als im 30-jährigen Vergleichszeitraum, heißt es beim Deutschen Wetterdienst.

Das momentane Wetter stellt die Natur vor Herausforderungen

In Schleswig-Holstein allerdings ist die Natur noch früher erwacht. Da braucht man keinen Phänologen, da reicht der Blick in den Garten, wo weiße Märzbecher, gelbe Winterlinge und sogar blaue Glockenblumen blühen. Die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft des Landes vermeldete schon am 4. Januar, dass sogar die Teichfrösche aktiv sind. Landschaftsökologe Heinrich Reck vom Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel hält das für sehr ungewöhnlich: „Grünfrösche, die erst im Mai laichen, aber bereits im Januar auf der Straße landen, sind die ersten Anzeichen, dass das warme Wetter bei den Tieren ankommt“, sagt der Wissenschaftler.

Und das könne für die Fauna problematisch werden: „Wenn jetzt Frost einsetzt und die Frühblüher erfrieren, dann fehlen sie als Nahrung für die Insekten.“ Je nach weiterem Verlauf könne es für Wildbienen und einige Schmetterlingsarten sehr dramatisch werden. Und noch ein Problem bereite das feuchtwarme Wetter: Die Pilze sprießen. „Dadurch verpilzen die Insekten und Larven in ihren Überwinterungsquartieren“, sagt der Experte und erklärt: „Die Pilze leben in und auf den Insekten, wenn sie wachsen, fressen sie die Insekten auf.“ Ob all das zu einer verringerten Insektenpopulation führen wird, so Reck, hänge nun ganz entscheidend davon ab, was in den nächsten Wochen passiert.

Gibt es 2020 doch noch einen strengen Winter?

Und das ist kaum vorhersehbar. Die Meteorologie kann seriös höchstens für zehn Tage in die Zukunft schauen. Ein bitterkalter Winter 2020 lässt sich also nicht ausschließen. Für den Fall wäre zumindest das Land verkehrstechnisch gut gerüstet, wie Minister Bernd Buchholz (FDP) bereits im Oktober angekündigt hatte. 30 000 Tonnen Streumittel hortet das Land zum Einsatz auf vereisten Autobahnen und Landesstraßen. Hinzu kommen die Salzberge der Kommunen. Vielleicht wird ein Teil davon schon nächste Woche gebraucht. Der Deutsche Wetterdienst sagt voraus, dass es deutlich kälter wird, sogar Schneeschauer und Nachtfröste sind deutschlandweit angekündigt. Bleibt die Frage, ob wir das auch im Norden erleben, im bisher wärmsten Teil der Republik.

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