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Schleswig-Holstein Zahl der armen Kinder steigt in Schleswig-Holstein
Nachrichten Schleswig-Holstein Zahl der armen Kinder steigt in Schleswig-Holstein
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19:01 23.10.2017
Von Merle Schaack
Foto: Jedes fünfte arme Kind erlebt diese Phase mindestens fünf Jahre, weitere zehn Prozent sind kurzzeitig von Armut betroffen.
Die Prozentzahl der Kinder, die in Schleswig-Holstein von Hartz IV abhängig sind, ist landesweit gestiegen. Quelle: Carto.com/KN
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Kiel/Gütersloh

In Deutschland ist es laut Bertelsmann-Studie jedes fünfte Kind, in Neumünster jedes vierte, in Kiel sogar fast jedes dritte: Sie wachsen in sogenannten Bedarfsgemeinschaften auf, also in einem Haushalt, der von Hartz IV abhängig ist. Damit gelten sie als arm. Ebenso wie Kinder, deren Haushalt mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen muss. Wie viele das in Schleswig-Holstein genau betrifft, dazu gibt es im Unterschied zu den Hartz-IV-Haushalten keine Zahlen.

Kinderarmut in Schleswig-Holstein 2017 in Prozent

Fakt ist: „Die Zahl nimmt deutlich zu“, sagt Michael Selck, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein (Awo). Und das gilt nicht nur für Schleswig-Holstein. Die Bertelsmann-Stiftung hat untersucht, wie viele Kinder bundesweit in einer Armutslage sind. Das Ergebnis: 21 Prozent erleben Armut über eine Zeitspanne von mindestens fünf Jahren. Weitere zehn Prozent sind kurzzeitig betroffen. „Kinderarmut ist in Deutschland Dauerzustand“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. „Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien.“

Kinderarmut ist für Schleswig-Holstein ein erhebliches Risiko

Auch die Forderung nach einer Kindergrundsicherung, die das Kind – unabhängig von der Familienform – als Träger eines eigenen Rechtsanspruchs sieht, wird ob der neuen Zahlen wieder laut. „Das Problem liegt darin, dass die Sozialpolitik sich noch immer am traditionellen Familienbild orientiert“, sagt Michael Selck. Besonders armutsgefährdet sind jedoch Kinder von alleinerziehenden Eltern. Auch solche mit mindestens zwei Geschwistern oder geringqualifizierten Eltern sind überproportional häufig betroffen. „Für Schleswig-Holstein ist Kinderarmut ein erhebliches Risiko“, sagt Selck mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel. „Wenn Kindern soziale und kulturelle Teilhabe verwehrt wird, sinken ihre Bildungschancen deutlich.“

Die Landesregierung hat sich zum Thema Kinderarmut vorgenommen, jedes Kind mit einer vollwertigen Mahlzeit am Tag zu versorgen. So steht es im Koalitionsvertrag. Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Marret Bohn, sprach sich gestern erneut für eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung aus. Aus dem Sozialministerium von Heiner Garg (FDP) hieß es, der Ansatz, die finanzielle Unterstützung für Kinder von dem Transfersystem für Erwachsene zu entkoppeln, sei „positiv zu sehen.“

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