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Schleswig-Holstein Zuzüge in Schleswig-Holstein: Stadt, Land, Flucht?
Nachrichten Schleswig-Holstein Zuzüge in Schleswig-Holstein: Stadt, Land, Flucht?
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10:13 07.03.2016
Von Niklas Wieczorek
Hier steigen die Zuzugszahlen in Schleswig-Holstein aktuell am stärksten an: im Kreis Ostholstein und der Stadt Neumünster. Quelle: CartoDB/Niklas Wieczorek
Kiel

„Der Kreis Ostholstein ist ein beliebtes Zuwanderungsziel für ältere Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet“, weiß Anja Sierks-Pfaff, Pressesprecherin des Landrats. Beim Eigentümerverband Haus und Grund hat man noch einen anderen Grund für die Attraktivität ausgemacht: „Mit Kindern hat man sicher ein Interesse an ruhigerem Leben“, sagt Hans-Henning Kujath, Verbandsdirektor in Schleswig-Holstein, „wenn denn die Infrastruktur stimmt.“

Laut Sierks-Pfaff ist das in Ostholstein der Fall: Als Umzugsziel gelte im Besonderen die ostholsteinische Ostseeküste sowie die Region um Eutin und Malente. Der Kreis habe bereits ein entsprechendes Profil: „Sicherlich schafft auch die ausgeprägte Infrastruktur für Gesundheits-, Wellness- und Pflegedienstleistungen ein hohes Maß an Lebensqualität und Verlässlichkeit.“ Eine Recherche der Kieler Nachrichten zeigte bereits, dass der Kreis Ostholstein nach Kiel die höchsten Sozialkosten pro Einwohner landesweit zu tragen hat.

Mit Schweinchen und Hund auf dem Land leben? Gar nicht so einfach. Quelle: hfr

Doch der Trend könnte Fachleuten zufolge auch nur eine Momentaufnahme sein: So sehr sich Ostholstein als ländliches Idyll für das Alter anbietet, stellen sie eine Landlust landesweit in Frage. „Es gibt keinen echten Trend auf’s Land“, sagt Christoph Kostka vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen. Und Volker Sindt, Sprecher von Haus und Grund Kiel, kann aus Perspektive der Landeshauptstadt schlichtweg konstatieren: „Diesen Trend haben wir bisher nicht beobachtet.“

Immobilienvertreter beklagten weiter große Probleme bei der Vermarktung von Einfamilienhäusern an der Westküste. Sindts Vermutung, was für Ostholstein spreche: eine künftig wichtige Lage am Fehmarnbelt und die Erreichbarkeit des Ballungsraums Hamburg. Als Beleg für dessen Relevanz nennt er den Aufschwung der Pendlerstadt Neumünster. Die gilt als eine der unattraktivsten Städte Schleswig-Holsteins und konnte in den vergangenen Jahren in der Gesamtbevölkerungszahl nur leicht zulegen. Die vor Kurzem veröffentlichte Zuzugszahl steigt ebenfalls rasant: Mit einem Wanderungsgewinn von 730 hat sie sich im 2. Quartal 2015 sogar um 213 Prozent gesteigert, und damit noch mehr als Ostholstein.

Vorhandene Infrastruktur ist und bleibt der alles entscheidende Faktor für die Umzugsentscheidungen von Menschen, auch im glücklichen Schleswig-Holstein. Sein Glück auf dem Land zu suchen, ist nur eine Entscheidung für jene, die dort alle Vorbereitungen für einen geruhsamen Lebensabend bereits geschaffen sehen.

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