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Schleswig-Holstein Fair zu Fischen
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13:12 21.11.2014
Foto: Auf dem Wasser genießen Angler wie Robert Vollborn die Natur. Jeden Fang müssen sie aber sinnvoll verwerten.
Auf dem Wasser genießen Angler wie Robert Vollborn die Natur. Jeden Fang müssen sie aber sinnvoll verwerten. Quelle: Arthur Vollborn
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Kiel

Herr Vollborn, was ist die Aufgabe des Verbandes?

Vereine mit gleichen Interessen und gleichen Problemen haben sich in einem Verband zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Der Verband soll dadurch stärker sein als die einzelnen Vereine alleine. Die Gemeinschaft kann die Interessen ihrer Mitglieder effizienter vertreten und die Probleme eher lösen. Beim LSFV, der 1948 gegründet wurde, bilden 360 Angelvereine in Schleswig-Holstein die Mitglieder. In diesen Vereinen sind insgesamt etwa 39000 Anglerinnen und Angler vereinigt. Ihr Ziel ist, allgemein formuliert, die Bewahrung und Weiterentwicklung der Angelfischerei in Schleswig-Holstein.

Was muss man denn machen, um Angeln zu dürfen?

Zunächst benötigt man einen Fischereischein. Den erhält man, wenn man mindestens zwölf Jahre alt ist und eine Prüfung bestanden hat. Die Vorbereitung auf die Prüfung erfolgt in Lehrgängen mit etwa 30 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten. Fischkunde, Hege- und Gewässerkunde, Umweltschutz, Gerätekunde und Rechtskunde sind dafür die Fächer. Das hört sich nach sehr viel Stoff an. Die Prüfung ist aber gut zu schaffen, wenn man dafür lernt. Die Erfolgsquote liegt in Kiel bei über 90 Prozent. Und an Binnengewässern braucht man außerdem einen Erlaubnisschein. Das ist die schriftliche Erlaubnis des Eigentümers oder Pächters, dort angeln zu dürfen.

Ist Angeln denn Sport? Schließlich nennt sich der Verband „Sportfischerverband“.

Nein, beim Angeln geht man wie bei der Jagd oder in der Landwirtschaft mit lebenden Tieren um. Angler begegnen dem Fisch mit Respekt und behandeln ihn tierschutzgerecht. Das Wort „Sport“ darf man hier nicht falsch verstehen. Als der Verband gegründet wurde, hat man den Namen gewählt, um sich so von den Berufsfischern abzugrenzen. „Sport“ steht hier für den fairen Umgang mit den Tieren, was man auch als Waidgerechtigkeit bezeichnet. Weil das aber immer wieder Missverständnisse hervorruft, wird über eine Änderung des Verbandsnamens nachgedacht. „Angler“ statt „Sportfischer“ wäre wohl klarer.

Gibt es beim Angeln denn auch Sport, da der LSFV Mitglied im Landessportverband ist?

Ja, aber eben nicht am Wasser, im Kontakt mit Fischen, sondern auf dem Sportplatz. Beim sogenannten Castingsport werden kleine Gewichte geworfen und in verschiedenen Disziplinen nach Wurfweite und Wurfgenauigkeit gewertet. Ein Mitglied unseres Verbandes hält hierbei seit Jahren einen Weltmeistertitel. Diesen Sport betreiben aber bei uns nur wenige. Die meisten Mitglieder bevorzugen, am Gewässer zu sein, die Natur zu genießen und ab und zu mal einen Fisch zu fangen.

Geht es beim Angeln vor allem um das Essen des gefangenen Fisches?

Angeln ist spannend und interessant, aber man angelt nicht nur des Spaßes wegen. Fische empfinden zwar keine Schmerzen, weil ihnen dafür eine bestimmte Gehirnregion fehlt, aber der Fang ist für sie trotzdem mit Stress verbunden. Deshalb darf man nur angeln, wenn man den Fang sinnvoll verwertet. Fangen, fotografieren und zurücksetzen ist also nicht erlaubt. Eine sinnvolle Verwertung ist vielmehr die Nutzung als Lebensmittel für Menschen, als Futtermittel für Tiere oder als Besatz für andere Gewässer, in denen bestimmte Fischarten nur selten vorkommen.

Interview: Arthur Vollborn, Klasse 8c, Hebbelschule Kiel