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Schleswig-Holstein „Heime geraten in Negativspiralen“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Heime geraten in Negativspiralen“
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16:00 01.06.2019
Von Niklas Wieczorek
Eine Tasse Kaffee am Nachmittag, ein Zeichen der Zuneigung, ein kurzes Gespräch – in vielen Einrichtungen bleibt selbst dafür kaum Zeit. Viele Pflegekräfte klagen über wachsenden Druck. Quelle: Angelika Warmuth/dpa
Kiel

Herr Christensen, was war der Branchencheck-Auftrag?

Björn Christensen: Der Fachkräftemangel ist gegeben: Wir sollten klären, wie der Umgang damit in der Altenpflege erleichtert werden kann. Dafür haben wir Leitungspersonal und dann Mitarbeiter befragt. So wollten wir identifizieren, was stark unter dem Mangel leidende Einrichtungen von anderen unterscheidet.

Besondere Beobachtungen?

Es war erkennbar, dass 30 Prozent des Leitungspersonals gar keinen Fachkräftemangel wahrgenommen haben, obwohl der als ausgemacht gilt.

Woran könnte das liegen?

Einiges senkt aus Sicht der Leitungsebene den Druck: strategische Personalentwicklung, ehrenamtliches Engagement, eigene Ausbildung, eine hohe Zufriedenheit mit der Einarbeitung neuer Mitarbeiter und ein guter Austausch mit der Leitungsebene. Stärker empfunden wird der Fachkräftemangel dagegen bei schlechter ÖPNV-Erreichbarkeit oder starken Dienstplanänderungen. Die Mitarbeiter nannten Gesundheitsförderung und Kinderbetreuung als positive Faktoren für die Zufriedenheit. Ein hoher Einsatz von Zeitarbeitskräften senkt sie dagegen. Es sollte also versucht werden, den auf ein nicht zu vermeidendes Maß zu senken. 

Was droht sonst?

Die Einrichtungen geraten möglicherweise in eine Negativspirale. Bei Personalmangel ist Überforderung programmiert, unterstützende Zeitarbeitsfirmen können den eingespielten Ablauf stören, und es sind weitere Angestellte überfordert oder werden krank.

Kann man dem Mangel so auch insgesamt begegnen?

Das kann man nicht pauschal sagen, aber die Punkte können ein Ansatz sein. Beim eigenen Nachwuchs durch Ausbildung hat man nachvollziehbar die besten Chancen, Fachkräfte an das Haus zu binden. In jedem Fall sollten die Einrichtungen darauf achten, dass sich Mitarbeiter wohl und involviert fühlen. Sonst verlassen sie die Einrichtung, was die nächsten Probleme nach sich zieht.

Sind die Pflege-Mitarbeiter denn pauschal unzufrieden?

Das ist ausgewogen. Die Situation ist durch den Fachkräftemangel aber extrem schwierig. Wer mit ihr nicht richtig umgeht, verschlimmert sie.

Und was erwarten die Mitarbeiter?

Pflege ist ein sozialer Beruf. Der Umgang der Leitungsebene mit den Mitarbeitern sollte diese also mit einbeziehen. Das ist die Erwartungshaltung.

Und was entgegnet das Leitungspersonal?

In der Branche gibt es zumindest eine große Offenheit, um zu lernen, mit der Situation umzugehen.

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