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Schleswig-Holstein Geiselnehmer hatte Messer wegen Geburtstagskuchen
Nachrichten Schleswig-Holstein Geiselnehmer hatte Messer wegen Geburtstagskuchen
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14:47 19.06.2019
Foto: Ein Zellentrakt und Sicherungsanlagen auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck. In der JVA Lübeck hat es am Dienstag eine Geiselnahme gegeben. Ein Mann habe eine Frau in seiner Gewalt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. 
Ein Zellentrakt und Sicherungsanlagen auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck. In der JVA Lübeck hat es am Dienstag eine Geiselnahme gegeben. Ein Mann habe eine Frau in seiner Gewalt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.  Quelle: Markus Scholz/dpa
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Lübeck

Neben Geiselnahme kämen unter anderem auch erpresserischer Menschenraub oder Freiheitsberaubung in Betracht, sagte der Sprecher. Für Geiselnahme sieht das Gesetz mindestens fünf Jahre Gefängnis vor.

Der 36 Jahre alte Gefangene hatte am Montag eine 32 Jahre alte Gefängnis-Psychologin in seine Gewalt gebracht und sie mit einem Küchenmesser bedroht. Er wollte dadurch seine Rückkehr in seine Heimat Rumänien erzwingen.

Geisel wurde fünf Stunden in der JVA Lübeck festgehalten

Die Polizei hatte den Mann nach mehr als fünf Stunden überwältigt und die Geisel befreit. Der genaue Hergang der Tat war zunächst ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, wie der Geiselnehmer an der Messer gelangen konnte. 

Nach Angaben der Justizministeriums saß der Täter seit Februar 2018 in der Lübecker Haftanstalt. Er war wegen mehrerer Sexualstraftaten zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Die hätte er nach Angaben des Ministeriums im Januar 2023 verbüßt. Bei einer Verurteilung wegen Geiselnahme müsste er die dafür verhängte Strafe im Anschluss daran verbüßen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Häftling hatte regelmäßig Zugang zu Küchenmessern

Unterdessen wurde bekannt, dass der Lübecker Geiselnehmer in der Haft regelmäßig Zugang zu Küchenmessern hatte. "Schon in der Vergangenheit wurden dem Gefangenen in der Sozialtherapie Messer ausgehändigt, ohne dass es zu Auffälligkeiten kam", sagte Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Mittwoch im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. Der Mann habe das Messer am Montag bekommen, weil er den Geburtstagskuchen eines Mitgefangenen anschneiden wollte.

Weniger als eine halbe Stunde nach der Ausgabe des Messers war es laut Justizministerium zu der Geiselnahme gekommen. Die Nutzung der Messer werde nicht überwacht, aber dokumentiert, sagte die Ministerin. Der Gefangene sei in einer Kochausbildung gewesen. Über Nacht dürften Gefangene die Messer nicht behalten. In den Hafträumen hätten sie lediglich stumpfe Streichmesser. "Grundsätzlich geht es darum, dass man die Alltagskompetenz stärkt."

Der Geiselnehmer sei seit dem Frühjahr 2018 in der Sozialtherapie gewesen, sagte Sütterlin-Waack. Dort seien 39 Gefangene in drei Gruppen untergebracht. Ziel sei die schrittweise Heranführung an den Alltag. "Das bedeutet auch, dass die Umstände hier anders sind als in der JVA üblich." Die Wohngruppen würden von Psychologen geleitet.

Nach Angaben von Sütterlin-Waack hatte der Geiselnehmer vor der Tat Antrag auf Auslieferung in sein Heimatland Rumänien gestellt. Der sei jedoch abgelehnt worden. Mittlerweile sei der Mann in ein anderes Bundesland verlegt worden. Sie lobte den Einsatz des Gefängnis-Personals. Diese habe "besonnen und hervorragend reagiert". Der Geisel gehe es mittlerweile den Umständen entsprechend gut. "Sie wird psychologisch betreut."

Polizeigewerkschaft übte Kritik an Ministerin

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) unterdesen eine "fahrlässige Verharmlosung" vorgeworfen. Die Ministerin hatte am Montag dem NDR noch gesagt, man werde es nicht verhindern können, "dass sich auch jemand mal ein Messer holt, um einen Apfel zu schälen". Dabei passieren laut Polizeigewerkschaft offensichtlich sicherheitsrelevante Fehler wiederholt in der JVA Lübeck. Bereits Heiligabend 2014 und 1997 hatte es in dem Gefängnis Geiselnahmen gegeben.

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Die Gewerkschaft kritisierte am Mittwoch, es sei regelmäßig die Polizei, "die nach erheblichen Pannen im Justizvollzug die Kohlen aus dem Feuer holen muss". Ein verurteilter Sexualstraftäter hatte am Montag eine JVA-Psychologin als Geisel genommen und mit einem Küchenmesser aus JVA-Beständen bedroht. Die Polizei konnte den Mann nach mehreren Stunden überwältigen und die Geisel unversehrt befreien. Die Polizei hatte ihn als "gefährlich und rücksichtslos" eingestuft.

"Polizeiliche Soforteinsätze unter dem Einsatz von vielen Hundert Beamten aus dem gesamten norddeutschen Raum wären demgegenüber bei frühzeitigem Schließen etwaiger Sicherheitslücken in der JVA Lübeck vermeidbar." Die DPolG fordert Sütterlin-Waack "zu einer konsequenten und schonungslosen Fehleranalyse auf, um derartige Vorfälle für die Zukunft nach menschlichem Ermessen zu verhindern".

Lesen Sie auch den Kommentar von Christian Longardt zu Mängeln in der JVA Lübeck.

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Von dpa