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Schleswig-Holstein Regierung will mehr Ausländer einbürgern
Nachrichten Schleswig-Holstein Regierung will mehr Ausländer einbürgern
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08:00 01.11.2018
Von Christian Hiersemenzel
Foto: Die Kampagne soll bewirken, dass mehr Menschen mit Migrationshintergrund eingebürgert werden.
Die Kampagne soll bewirken, dass mehr Menschen mit Migrationshintergrund eingebürgert werden. Quelle: Peer Grimm/dpa (Symbolbild)
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Kiel

Darüber hinaus soll das Personal in Kreisen und kreisfreien Städten um jeweils 1,5 Beraterstellen sowie eine halbe Stelle für administrative Aufgaben aufgestockt werden. Die Offensive ist zunächst auf drei Jahre angelegt, die Kosten von jährlich 1,9 Millionen Euro muss der Landtag noch bewilligen. Mehrheitlich grünes Licht gilt als sicher.

Vollendung einer gelungenen Integration

„Ich möchte, dass sich die Menschen zu unserer freiheitlichen Grundordnung bekennen“, sagt Torsten Geerdts (CDU), Staatssekretär im Innenministerium. Die Einbürgerung sei „die Vollendung einer gelungenen Integration“. CDU, Grüne und FDP hatten die Einbürgerungskampagne vergangenes Jahr im Jamaika-Koalitionsvertrag beschlossen und sich darauf geeinigt, Ermessensspielräume zu erleichtern. Insbesondere gehe es um Kinder und Jugendliche, die hier zur Schule gegangen oder aufgewachsen sind sowie um „Personen mit besonders schneller und guter Integration“.

Nach Auffassung der regierenden Jamaika-Koalition entschließen sich in Schleswig-Holstein bislang viel zu wenige Menschen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. Ende 2016 lebten nach Erhebung des Innenministeriums etwa 92000 Menschen mit Einbürgerungspotenzial im Norden. Lediglich 3,1 Prozent – 2714 Männer und Frauen – wechselten im Folgejahr 2017 die Staatsangehörigkeit und wurden Deutsche. Die Landesregierung bereitet jetzt Workshops vor, in denen die kommunalen Mitarbeiter gezielt geschult werden. „Das ist eine gute Kampagne zur Stärkung dieser Gesellschaft“, sagt Geerdts.

Hamburg betreibt ähnliche Kampagne

Das benachbarte Hamburg macht vor, wie eine solche Kampagne funktionieren könnte. Dort schreibt der jeweilige Erste Bürgermeister schon seit ein paar Jahren Ausländer regelmäßig an und stößt auf positive Resonanz. Nach Senatsangaben wurden in der Hansestadt seit 2012 mehr als 41000 Menschen mit Migrationshintergrund eingebürgert. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein waren es im selben Zeitraum mit rund 20000 nur annähernd halb so viele. Die meisten neu Eingebürgerten in Hamburg stammten aus Afghanistan, der Türkei und aus Polen. Erstmals war im vergangenen Jahr das Herkunftsland Großbritannien unter den ersten fünf Plätzen gelistet. Das durchschnittliche Einbürgerungsverfahren dauerte von der Antragstellung bis zur Entscheidung fünf Monate.

Lesen Sie Christian Hiersemenzels Kommentar zur Einbürgerungskampagne.