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Schleswig-Holstein Wegen Corona: Vom Restaurant in den Supermarkt?
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19:32 23.03.2020
Von Christian Hiersemenzel
Das Gastgewerbe ist besonders von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen.
Das Gastgewerbe ist besonders von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Quelle: Britta Pedersen/Christian Charisius/dpa
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„In dieser Situation ist solidarisches und pragmatisches Handeln gefordert“, sagte Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP). Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten, die ihre Arbeitnehmer aufgrund der Corona-Krise nicht auslasten könnten, hätten die Möglichkeit, diese anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. „Auf diese Weise kann zum Beispiel ein Gastronomiebetrieb einen Einzelhändler unterstützen.“

Das Ministerium wolle die Wirtschaft beim sogenannten Matching unterstützen. Nach Angaben von Rohlfs bedarf es lediglich einer Anzeige bei der Bundesagentur für Arbeit. „Ich rufe unsere Unternehmen dazu auf, diese Möglichkeit zu nutzen.“ Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hätten die Arbeitsagenturen und Jobcenter für diesen Ausgleich Unterstützung zugesagt. Ansprechpartner sei der jeweilige Arbeitgeberservice vor Ort. „Wichtig ist der Grundsatz der Freiwilligkeit der Arbeitnehmer“, betonte Rohlfs. „Das Angebot sollte diejenigen gelten, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.“

Corona: 40.000 Beschäftigte im Gastgewerbe betroffen

Derzeit könne noch nicht beziffert werden, wie viele Menschen in Folge der Coronakrise von einem temporären oder dauerhaften Jobverlust betroffen sind. Im Gastgewerbe seien es aber mehr als 40.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und fast noch einmal genauso viele geringfügig Beschäftigte.

„Als Arbeitsstaatssekretär ist mir und der gesamten Landesregierung bewusst, dass die getroffenen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus die Unternehmen vor noch nie dagewesene Herausforderungen stellen“, sagte Rohlfs. Neben dem Schutz der Beschäftigten und der Bevölkerung habe der Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes oberste Priorität.

Sonderregelung für Mini-Jobber?

Ab April und Mai setze der Hauptbedarf an Saisonarbeitern in der Landwirtschaft ein. Nach ersten vorsichtigen Schätzungen würden auf den Feldern etwa 6000 Mitarbeiter auf Zeit benötigt. Da aufgrund der Schließung innereuropäischer Grenzen osteuropäische Erntehelfer ausbleiben dürften, sei dringender Handlungsbedarf geboten. Die Landesregierung beschloss am Montag eine entsprechende Kampagne.

Schleswig-Holstein habe Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zu einer Sonderregelung aufgefordert. „Wer auf Kurzarbeitergeld einen Minijob draufsattelt, weil er zum Beispiel im Einzelhandel oder in anderen Branchen dringend gebraucht wird, sollte in vollem Umfang entlohnt werden.“ Die 450 Euro dürften nicht abgezogen werden. „Ich gehe davon aus, dass sich der Bund an dieser Stelle bewegen wird.“

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