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Schleswig-Holstein Rettung in letzter Sekunde
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00:01 05.12.2014
Nominiert zur Wahl "Helden des Nordens 2014": Julian Manne (l.) und Helmut Bantelmann. Quelle: Nico Herzog
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Bantelmann, damals 76 Jahre alt, drehte gerade seine Nachmittagsrunde mit dem Fahrrad und stand ebenfalls vor der geschlossenen Schranke. Als sie sich öffnete, begannen die dramatischen drei Minuten, an deren Ende die beiden ein Ehepaar vor dem sicheren Tod bewahrt hatten.

„Als sich die Schranke öffnete, fuhr das vor mir stehende Auto los“, berichtet Manne. Allerdings bog der Fahrer nicht auf die Straße hinter dem Bahnübergang ab, sondern fuhr versehentlich auf die Schienen. Julian Manne überquerte zunächst die Gleise, erkannte dann aber im Rückspiegel, dass sich das Auto festgefahren hatte. Alle Versuche des Fahrers, von den Schienen zu fahren, scheiterten.

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Auch Helmut Bantelmann erkannte die Gefahr. „Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie. Deswegen kenne ich die Züge, die dort fahren und wusste, dass in nicht einmal drei Minuten die S-Bahn kommt.“ Drei Minuten, die Manne und Bantelmann blieben, um das Ehepaar aus dem Wagen in Sicherheit zu bringen. Beide Männer eilten zu dem festgefahrenen PKW, Bantelmann zur Fahrerseite, Manne an die Beifahrertür. Der junge Mann hatte den einfacheren Job, denn die 81 Jahre alte Frau, die dort saß, stieg ohne zu diskutieren aus dem Opel aus. Ihr Mann aber, ein 89 Jahre alter Rentner, weigerte sich, sein Auto zu verlassen. „Er wollte es retten und versuchte es noch einmal und noch einmal“, erzählt Bantelmann. Mit einem Auge habe er immer auf die Gleise geschaut, ob die Bahn schon kommt, sagt der ehemalige Schlosser. „Ich habe den Mann angefleht und angebettelt, endlich auszusteigen.“ Aber nur mit guten Worten war der Mann nicht zu bewegen.

So griff Bantelmann schließlich dem 89-Jährigen unter die Arme und zog ihn aus dem Wagen. Der Rentner verließ seinen Wagen buchstäblich in allerletzter Sekunde. „In dem Moment, in dem wir hinter den Schranken in Sicherheit waren, kam die S-Bahn und zertrümmerte den Wagen“, sagt Bantelmann. Das Auto wurde vollkommen zerstört. Danach sei es ihm eiskalt den Rücken hinuntergelaufen. „Wenn wir nicht rechtzeitig weggekommen wären, wären wir heute alle tot“, ist sich Bantelmann bewusst. Auch Manne realisiere erst in Sicherheit, in welcher Gefahr er sich befunden hatte. „Bei mir kam in dem Moment das Adrenalin“, ergänzt Manne.

In der Situation hatten beide Männer keine Chance, sich auf andere zu verlassen und die Verantwortung auf andere Schultern abzuschieben. „Wir waren in diesem Moment außer dem Ehepaar die einzigen am Bahnübergang“, sagt Manne. „Wir mussten handeln.“

Ihr Leben habe sich aber durch die Rettungsaktion nicht geändert, sagen beide. Bantelmann hat vor wenigen Tagen seinen 77. Geburtstag gefeiert und lebt als Rentner in der Nähe von Hannover. Julian Manne absolviert eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. Von ihrer Heldentat erzählen beide sympathisch zurückhaltend. Beide sagen aber auch: „Ich würde wieder so handeln.“ Von Kristian Teetz

Hören Sie hier den NDR-Info-Beitrag zu Helmut Bantelmann und Julian Manne von Sören Oelrichs, NDR Hannover