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Schleswig-Holstein „Ich mag Menschen mit Positionen“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Ich mag Menschen mit Positionen“
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21:00 04.07.2019
Von Christian Hiersemenzel
Juso-Chef Kevin Kühnert, hier neben der Kieler SPD-Landtagsabgeordneten Özlem Ünsal: "Wir müssen andere Machtoptionen anstreben.“ Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„50 Jahre Stonewall: Was haben wir bisher erreicht?“, lautet der Titel in der Kneipe JuMe am Südfriedhof, und Kühnert nutzt die Gelegenheit, dort am Mittwochabend mit politischen Freunden wie den beiden jungen Ortsvereinsvorsitzenden Christian Gotthardt und Johanna Jürgens über Akzeptanz und Toleranz ein halbes Jahrhundert nach dem historischen Homosexuellenaufstand in New York zu diskutieren. Mit unserer Zeitung spricht er zuvor über linke Politik, Wege aus der Krise – und über Bundesvize Ralf Stegner.

"Ralf Stegner ist ein wichtiger Ansprechpartner"

Nein, mit dem Begriff des väterlichen Freundes könne er nicht so viel anfangen, sagt der 30-Jährige. „Aber Ralf Stegner ist einer, mit dem ich mich sehr viel zu politischen Fragen austausche. Er ist ein wichtiger Ansprechpartner, auf dessen Einschätzung ich Wert lege.“ Es gehe in den Gesprächen um Parteistrategien und – wenn nötig – um Personalfragen. Was er an Stegner schätze? Kühnert muss nicht lange nachdenken. „Klare Linien, ohne Wenn und Aber“, antwortet er. „Ralf Stegner ist in der deutschen Politik einer derjenigen, der wirklich hart einstecken musste und natürlich selbst auch hart austeilt.“ Und der niemals auch nur eine Sekunde darüber nachdenke, seine Position zu wechseln, bloß weil er auf Twitter & Co auf Gegenwind stößt. „Das gibt es nicht so häufig.“ Dass der Mann aus Bordesholm keinen Moment zögere, auch im entlegensten Winkel der Republik zum Grünkohlessen aufzutauchen, wenn es drauf ankommt, und sich damit für Partei und Demokratie aufopfere, finde er beeindruckend.

Auf Distanz zum Grünen-Chef Habeck

Kein Zweifel: Da sind sich zwei Männer sympathisch. Nun gilt nicht nur Stegner außerhalb seines engeren Kreises als Wählerschreck. Auch Kühnert polarisiert wie kaum ein anderer. „Wenn man Polarisierung grundsätzlich für etwas Schlimmes hält, sollte man nicht Politik machen“, entgegnet der Juso-Chef – und spricht plötzlich von Robert Habeck, dem Bundeschef der Grünen und Ex-Umweltminister Schleswig-Holsteins. „Wenn Robert Habeck zum Kirchentag fährt und sagt, er verstehe sich als säkularer Christ, er sei nicht Mitglied der Kirche, aber lebe die Werte der Kirche, dann ist das eine Art von Politik, bei der ich denke: Kann man aus der Sache nicht bitte ein bisschen pathetischen Schmalz herausnehmen?“ Er möge Menschen, die Position beziehen.

"Ideologische Scheuklappen"

In Dänemark ist einer Sozialdemokratin, die Position bezieht, gerade der Sprung an die Regierungsspitze gelungen. Mette Frederiksen hatte im Wahlkampf dezidiert auf einen linken Kurs in der Sozialpolitik, aber einen rechten in der Migrationsfrage gesetzt. Kühnert rümpft die Nase. Faktisch hätten die Sozialdemokraten im Nachbarland das drittschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Lieber solle man nach Portugal und Spanien blicken, wo die Schwesterparteien reale Wählerzuwächse verbuchen konnten und mit klaren Linkskursen den Sieg holten. „Die PSOE in Spanien steht gerade bei 40 Prozent, und wir schauen immer noch nach Dänemark? Das lässt sich tatsächlich nur noch mit ideologischen Scheuklappen erklären.“

"Andere Machtoptionen anstreben"

Kürzlich hatte sich Gesine Schwan (76), Chefin der Grundwertekommission und Grande Dame der SPD, überraschend selbst als potenzielle Parteivorsitzende ins Spiel gebracht – an der Seite von Kühnert. Abgesprochen sei das nicht gewesen. „Aber ich glaube, sie meint es absolut ernst.“ Festlegen will er sich heute nicht. Fakt sei, dass die SPD in Zeiten von 14 Prozent Umfragewerten eher das Potenzial zu gewinnen als zu verlieren habe. Und sich dringend aus der GroKo befreien müsse. „Eine Wiedererstarkung wird nur darüber führen, dass wir andere Machtoptionen deutlich anstreben und es auch so aussprechen.“ Bremen zeige, dass ein rot-rot-grünes Regierungsmodell auch im Westen funktionieren könnte – „und dass Rote-Socken-Kampagnen nicht zwingend eine Mehrheit davon abhalten, links zu wählen.“

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