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Schleswig-Holstein "Containern" soll nicht legalisiert werden
Nachrichten Schleswig-Holstein "Containern" soll nicht legalisiert werden
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14:31 06.06.2019
Von Christin Jahns
Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums landen viele Lebensmittel im Müll. Kritiker sprechen von Verschwendung und fischen alles, was sie für genießbar halte, wieder heraus. Nach jetziger Rechtslage ist das Diebstahl. Quelle: imago stock&people
Kiel

Die Mitglieder der Kleingruppen sind meist dunkel gekleidet und erst nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs. „Während der nächtlichen Touren trifft man viele Studenten, aber auch Berufstätige, die Obst, Gemüse und Fertigprodukte aus den Abfallcontainern der Supermärkte sammeln, um was gegen die Lebensmittel-Verschwendung zu tun und nebenbei auch ein bisschen Geld zu sparen“, erzählt eine Kielerin. Die 29-Jährige hat selbst containert. Da die „Essensretter“ für ihre nächtlichen Streifzüge wegen Diebstahl oder Hausfriedensbruch angezeigt werden können, möchte sie in der Zeitung nicht namentlich genannt werden.

Legalisierung von Containern: Justizminister sind sich nicht einig

Geht es nach Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) sollen die „Lebensmittelretter“ künftig nicht mehr kriminalisiert werden. Die Justizminister der Länder haben sich am Donnerstag jedoch nicht auf einen Vorstoß einigen können, das Containern strafrechtlich nicht mehr zu verfolgen. Die Mehrheit der CDU-Länder lehnte einen entsprechenden Antrag von Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) ab, wie bei der Abschlusspressekonferenz der Justizministerkonferenz am Donnerstag in Lübeck-Travemünde mitgeteilt wurde.

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Bei Rewe argumentiert man ähnlich. Die Supermarktgruppe stellt frische und unverpackte Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber bedenkenlos verzehrt werden können, schon jetzt den lokalen Tafeln zur Verfügung. Nicht an die Tafeln abgegebene Lebensmittel müssen entsprechend der gesetzlichen und hygienischen Vorgaben entsorgt werden.

Jedes Jahr wandern Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll

Nach Berechnungen der Universität Stuttgart landen in Deutschland jährlich fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Umweltorganisation WWF geht sogar von mehr als 18 Millionen Tonnen aus. Die Linken-Bundestagsfraktion hat die Bundesregierung deshalb bereits im April dazu aufgefordert, das Einsammeln weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern straffrei zu stellen.

Andere EU-Staaten gehen schon jetzt per Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vor: In Frankreich etwa sind Supermärkte mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern seit 2016 verpflichtet, eine Partnerschaft mit einer Hilfsorganisation einzugehen, die unverkaufte Lebensmittel abnimmt. In Tschechien müssen Supermärkte solche Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen spenden.

Mit Technik und Logistik gegen die Verschwendung

Um der Verschwendung dennoch entgegenzuwirken, setzen Handelsketten wie Rewe und Aldi Nord nach eigenen Angaben auf moderne Technik und geschulte Mitarbeiter, die die Verlustquote mittels „ausgefeilter Logistik“ auf ein Minimum reduzieren sollen.

Dass diese Praxis längst nicht bei allen Händlern funktioniert, wissen die Kieler Mülltaucher. „Das Wegwerfverhalten ist je nach Markt und Saison sehr unterschiedlich“, erzählt die 29-Jährige, die sich für eine Legalisierung des Containerns ausspricht. „Bei einigen Märkten hat man das Gefühl, dass sie sich verkalkuliert haben und Produkte wie Raclettekäse nach der Saison einfach in die Tonne werfen, um Platz in den Regalen zu schaffen.“ Warum die Produkte Bedürftigen in solchen Fällen nicht einfach zugänglich gemacht werden oder über Apps wie „Too good to go“ abgegeben werden können, verstehen die Lebensmittelsammler nicht.

Einige Supermärkte fordern das Containern

„Es ist ja nicht so, dass alles komplett schimmelt“, erzählt ein 26-jähriger Medizinstudent, der ebenfalls in Containern nach weggeworfener Nahrung sucht. „Viele der Lebensmittel sind abgepackt oder lassen sich reinigen.“ Angst, durch das Containern krank oder beim Sammeln der Lebensmittel erwischt zu werden, hat der 26-Jährige nicht.

„Wer containert weiß, bei welchen Läden er das machen kann. Einige Supermärkte sortieren die Lebensmittel quasi vor oder stellen Gemüsekisten auf die Tonnen – da weiß man, dass das okay ist“, erzählt der 26-Jährige und schlägt vor, das Containern zu erleichtern, bis eine effektivere Lösung gegen die „unglaubliche Verschwendung“ gefunden ist.

Foodsharing als legale Alternative

Für eine solche Lösung spricht sich auch die Kieler Gemeinschaft des Netzwerks „Foodsharing“ aus, das von etwa 45 Betrieben aus dem Raum Kiel überschüssige Lebensmittel abholt und damit eine legale Alternative zum Containern bietet. „Wir wünschen uns, dass deutsche Betriebe wie in Frankreich ihre überschüssigen Lebensmittel abgeben, bevor sie im Müll landen, und das Containern dadurch überflüssig machen“, sagt Foodsharing-Botschafterin und Dänisch-Übersetzerin Inga Esseling (28). „Solange ein solches Gesetz nicht erlassen ist, befürworten die Foodsharer jede friedliche Aktion gegen die Lebensmittelverschwendung und -überproduktion.“

Für die Kieler Lotsen und Schlepper gibt es keine Pause. Über 30 Marineeinheiten werden am Donnerstag in Kiel erwartet. Sogar ins Marinearsenal sollen Schiffe. Darunter auch Tarnkappenkorvetten aus Schweden.

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