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Schleswig-Holstein Wo die wilden Kerle weiden
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20:07 08.07.2018
Von Heike Stüben
Hildegard Widowski vom Verein Weidelandschaften bei der Gallowayherde: Die Robustrinder und drei Exmoorponys halten die Landschaft auf der Wilden  Weide Hammer in Mielkendorf offen. Quelle: Sven Janssen
Mielkendorf

Die Tiere lassen sich nicht blicken. Sie haben sich in den Schatten zurückgezogen. Drei der seltenen Exmoorponys, elf Gallowaykühe, ein Bulle und acht Kälber leben auf der 24-Hektar-Fläche. „Wenn diese Tiere wie hier genug Lebensraum haben, kommen sie das ganze Jahr über im Freien zurecht. Schon die Römer nutzten Galloways. Der Vorteil: Die Tiere sind nicht überzüchtet, waren nie aufgestallt. Sie wissen genau, welche Pflanzen sie fressen können, kommen mit Geburten allein zurecht und haben ein ausgeprägtes Sozialgefüge“, erzählt Dirk Andresen. Früher war er Lehrer, heute hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist als Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Weidelandschaften e.V. für 25 Mitarbeiter zuständig. Und das sind nur die zweibeinigen.

Ideale Landschaftspfleger

„Wir betreuen 1400 Robustrinder auf 250 Naturschutzflächen, einige davon in Dänemark“, erzählt Andresen. Denn Wilde Weide bedeutet nicht Wildwuchs. Dann würde auch diese Fläche an der Eider schnell verbuschen und viele Pflanzen und Tieren würden verschwinden. Ihre Vielfalt zu erhalten und zu fördern, ist aber das Ziel der Wilden Weiden. Dazu muss die Landschaft halboffen gehalten werden. Mit der Hand wäre das zu aufwändig, regelmäßiger Maschineneinsatz würde zu viel zerstören. Robustrinder und Wildpferde wie Koniks und Exmoorponys können das viel besser.

Wenig Belastung für Boden, Wasser und Klima

Wichtig sei, erklärt Andresen, dass die Zahl pro Weide begrenzt ist und die Flächen nur von den Tieren selbst gedüngt werden – zusätzlicher Dünger und Chemie sind tabu. Das hilft der Artenvielfalt, bewahrt aber auch Boden und Gewässer vor Überdüngung. Und Wilde Weiden dienen dem Klimaschutz: So haben Studien gezeigt, dass dort weniger CO2 und Lachgas freigesetzt wird, als wenn diese Flächen einfach komplett gemäht würden. Diese Form der Tierhaltung ist demnach auch klimaschonender als die Stallhaltung. Die Wilden Weiden sollen deshalb einen wichtigen Teil jener zwei Prozent der deutschen Landfläche ausmachen, die laut „Nationaler Strategie zur biologischen Vielfalt“ bis 2020 als Wildnisgebiete registriert werden sollen.

Superfood von der Weide

Dass selbst in diesem trockenen Sommer auf der Wilden Weide eine große Pflanzenvielfalt zu entdecken ist, beweist Renate Voß. 40 Jahre hat sie als Apothekerin gearbeitet. Jetzt, im Ruhestand kümmert sich die 75-Jährige um die Gärten im Freilichtmuseum Molfsee. Auf der Wilden Weide zeigt sie das seltene Tausendgüldenkraut, das duftende Mädesüß – mit den Blüten lassen sich Getränke und Speisen süßen – und die lilablühende Hauhechel. „Eine alte Arzneipflanze, die Karl der Große zu uns brachte. Die Pflanzen zerkleinern und als Tee aufbrühen – das ist ein gutes Entwässerungsmittel, genauso wie Wasserdost und Brennnessel.“ Letztere ist übrigens echtes Superfood: Sie ist vollgepackt mit Vitamin C, Provitamin A, Eiweiß, Eisen und Kalzium.

Schnelle Hilfe bei Insektenstichen

Ein paar Schritte weiter stehen Schafgarbe („Gut gegen Kopfschmerzen und Rheuma“) und Wegerich. Der kann hilfreich auf Wanderungen sein: Plagen einen Insektenstiche oder Brennnessel-Quaddeln, helfen zerquetschte Wegerichblätter. Und wer sich Blasen gelaufen hat, sollte ein Wegerichblatt in die Socke legen – der Saft tritt durch den Druck aus und hilft, den Rest des Weges zu überstehen.

Wilde Weide auf dem Teller

Dann trifft die Gruppe doch noch auf die vierbeinigen Landschaftspfleger. „Und werden die Rinder irgendwann auch geschlachtet?“, will eine Teilnehmerin wissen. Andresen nickt. „Unserer Tiere leben zwar länger als in intensiver Haltung und verbringen ihr ganzes Leben in freier Natur. Aber irgendwann kommen auch sie auf den Teller.“ Das Fleisch wird über eine Gallowayshop direkt oder per Internet vermarktet. Weil man sich auch gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt, wird das gesamte Fleisch der Tiere verwertet – als  Frischfleisch, Wurst oder als Fertiggericht.

Die 4. KN-Extratour führte die Leser über die Wilde Weide Hammer bei Mielkendorf.
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