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Schleswig-Holstein Wo das Schilfschwein ruft
Nachrichten Schleswig-Holstein Wo das Schilfschwein ruft
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16:07 04.07.2018
Von Heike Stüben
Ornithologe Jan Hellwig und Flächenmanagerin Heike Henning (von links) führen die Gruppe zu den Kührener Teichen. Quelle: Sonja Paar
Kühren

Wenn man vom Kirchstieg in Kühren nach Wahlstorf wandert, öffnet sich die hügelige Landschaft, die typisch für die Holsteinische Schweiz ist. Links liegt der Lanker See, rechts taucht der Kührener Teich auf.

Zu  jeder Jahreszeit gilt hier: Augen und vor allem Ohren offen halten. Denn während die Pflanzen wie Teufelsabbiss Sumpf-Blutauge und Knabenkraut nicht flüchten können, halten sich die tierischen Schätze des Schutzgebietes wie seltene Käferarten oft im Verborgenen.

Lautstarke Männchen

Sobald die Temperatur im Frühling auf 13,14 Grad steigt, kann man das besondere Konzert der Rotbauchunken erleben. Dann rufen die Männchen nach Weibchen und produzieren dafür Laute, die seltsam sphärisch klingen und je nach Temperatur bis zu 34 mal in der Minute ertönen.

Ein Spektakel, das selten geworden ist, weil die Unken hohe Ansprüche an ihren Balzplatz haben: Sie wollen ein flaches Gewässer, sonnig und mit viel Vegetation, aber ohne Fische. Genauso solche Tümpel hat die Stiftung auf einer ehemaligen Ackerfläche  angelegt, die sich wieder zu einer Niederungslandschaft entwickeln konnte.  

Fasziniert von der Vogelwelt

Doch jetzt im Sommer lassen eher andere Naturlaute aufhorchen: Ein Stimmengewirr aus hunderten Vogelkehlen. Da ist es gut, dass auf der KN-Extratour Jan Hellwig von der Stiftung Naturschutz dabei ist. Der Landschaftsarchitekt und Umweltplaner hat sich schon in seiner Jugend in Hamburg für die Vogelwelt interessiert.

„Mit dem Nabu, der damals noch Bund für Vogelschutz hieß, habe ich auf Ausflügen etwa nach Fehmarn viel von alten Hasen unter den Ornithologen gelernt. Das hat mich geprägt.“  Viele der Teilnehmer können das nachvollziehen. Auch sie sind fasziniert von der Vogelbeobachtung.

Crex Crex vergisst man nicht

Dazu bietet der Kührener Teich auch jetzt im Juli noch eine gute Gelegenheit. Die Brutsaison ist zwar vorbei, aber nach den Gänsen sind jetzt auch die Enten in der Mauser, verlieren ihre Flügelfedern und können nicht fortfliegen. Gute Aussichten für die Vogelgucker. „Das hier ein sehr bedeutender Mauserplatz für Wasservögel“, erklärt Hellwig und zeigt auf Schnatterenten, Tafelenten und Pfeifenten.

Doch der Teich ist auch ein Brutgebiet für Haubentaucher und vor allem für den seltenen Rothalstaucher. Seinen Ruf, der ihm den Namen Schilfschwein oder Wasserschwein eingebracht hat,  vergisst man ebenso wenig wie den anderer seltener Vögel in dem Naturschutzgebiet. 2017 war die Rohrdommel hier zu hören. In diesem Jahr sind es Kraniche, Sprosser und der seltene Wachtelkönig, der so ruft wie sich sein lateinischer Name anhört: Crex Crex.

Hier sehen Sie Bilder von der Extratour.