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Schleswig-Holstein So hilft die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft
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KN-Spendenaktion: So hilft die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft

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16:27 02.12.2021
Von Kristiane Backheuer
Diagnose Krebs: Fast 20.000 Menschen in Schleswig-Holstein erkranken jedes Jahr. Viele brauchen nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Unterstützung in gesamten Lebensumfeld.
Diagnose Krebs: Fast 20.000 Menschen in Schleswig-Holstein erkranken jedes Jahr. Viele brauchen nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Unterstützung in gesamten Lebensumfeld. Quelle: Bernd Wüstneck
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Jedes Jahr erkranken 19.500 Menschen in Schleswig-Holstein an Krebs. Eine gewaltige Zahl. In den Kliniken im Land sind sie medizinisch in guten Händen. Doch oft bleibt die Seele auf der Strecke. Die Diagnose reißt vielen komplett den Boden unter den Füßen weg. Covid-19 hat alles nun noch schwieriger gemacht.

Denn Krebsbetroffene gehören zu den Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf haben. Prof. Frank Gieseler und Katharina Papke erzählen, wie die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft in dieser belastenden Lebenssituation trotzdem unterstützen kann.

Herr Gieseler, Sie sind Mediziner. Ist die richtige medizinische Behandlung nicht das Wichtigste, wenn bei einem Patienten ein Krebstumor diagnostiziert wird?

Katharina Papke von der Krebsgesellschaft hilft in Beratungsgesprächen. Quelle: Jennifer Ruske

Frank Gieseler: Ja, sicher. Aber darüber hinaus ist der Bedarf an zusätzlicher Unterstützung und Hilfe sehr hoch. Und dafür ist die Krebsgesellschaft da. Dies kann in Form von psychologischer Krebsberatung geschehen oder zu Beratungen zu sozialrechtlichen Themen, die wichtig sind. Auch die Selbsthilfe spielt eine ganz wesentliche Rolle.

Ziehen sich nicht ohnehin die Betroffenen in ihrem Schock und Schmerz zurück, sobald sie diese Diagnose bekommen haben?

Gieseler: Das ist ganz unterschiedlich. Aber in vielen Fällen muss die Diagnose tatsächlich erst einmal verarbeitet werden. Es braucht lange, bis man wieder in das normale Umfeld zurückfindet. Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten ist Krebs sehr häufig nicht gleich ein Todesurteil. Patienten leben viele Jahre mit dieser Erkrankung mit guter Lebensqualität. Die Angebote unserer Krebsgesellschaft helfen, um die Erkrankung besser zu verarbeiten.

Was kann denn dabei helfen, die sozialen und seelischen Probleme nach der Krebstherapie zu bewältigen?

Katharina Papke: Zunächst muss man sagen, jeder Erkrankte, jede Familie geht unterschiedlich mit der Diagnose um. Es braucht Zeit alles zu verarbeiten. Unsere Krebsgesellschaft hilft dabei. Wir liefern Informationen zum Thema Krebs, helfen in persönlichen Beratungsgesprächen, bieten mehrtägige Seminare beispielsweise im Kloster Nütschau oder gemeinsame Kochkurse an.

Haben Sie auch die Angehörigen im Blick? Denn die leiden ja ebenfalls extrem, wenn eine Krebsdiagnose im Raum steht.

Papke: Auf jeden Fall. Die Angehörigen sind bei uns seit einigen Jahren viel mehr in den Fokus gerückt. Die Angehörigen mit anzusprechen, ist enorm wichtig. Auch wenn sie selber das nicht immer sehen. Oft denken sie: Aber der Patient oder die Patientin muss doch jetzt im Fokus stehen. Das ist auch richtig. Doch Angehörige funktionieren in der Akutphase oft nur und vergessen sich und ihre Bedürfnisse. Aber um den kranken Angehörigen zu unterstützen, müssen sie auch auftanken. Wir bieten beispielsweise Seminare für Angehörige an. Da erhalten sie die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und erfahren, wie sie in der jetzigen Situation vielleicht selber besser unterstützt werden können. Zum Beispiel erfahren sie, wie man eine Haushaltshilfe beantragen kann, wie Kinder Unterstützung bekommen oder wo es zusätzliche Hilfsangebote gibt.

So können Sie spenden

Der Verein KN hilft ruft in diesem Jahr zu einer Spendensammlung für die Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein im Verbreitungsgebiet der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung auf. Dafür ist das Spendenkonto – Stichwort Gutes tun im Advent – bei der Förde Sparkasse eingerichtet: DE 05 2105 0170 1400 2620 00. Möchten Sie nicht, dass Sie als Spender in der Zeitung erwähnt werden, schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck „kein Name“. Möchten Sie eine Spendenbescheinigung, vermerken Sie bitte „Spendenbescheinigung“ und Ihre Adresse. Alle Spenden, die bis Ende des Jahres für „Gutes tun im Advent“ auf dem Konto eingehen, werden an die Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein überwiesen. Damit werden zusätzliche Hilfen für von Krebs betroffene Familien finanziert.

Hat die Pandemie das Helfen ein Stück weit unmöglich gemacht?

Papke: Nein. Aber Covid-19 hat die Unterstützung deutlich verändert. Mit Beginn der Corona-Pandemie haben wir versucht, die Angebote umzustellen. Wir bieten die Gruppenangebote nun online an, laden zu Videochats ein oder beraten viel am Telefon. Nach eineinhalb Jahren Pandemie haben wir festgestellt, dass die Ratsuchenden die Angebote genauso gut annehmen. Die Familien geben uns als Rückmeldung, dass sie einfach nur glücklich sind, dass jemand für sie da ist und dass sie dankbar sind, dass sie trotz der jetzigen Ausnahmesituation weiterhin Unterstützung bekommen.

Prof. Dr. Frank Gieseler sieht auch die Selbsthilfe als wichtigen Bestandteil eines Krankenverlaufes. Quelle: Uwe Paesler

Wie finanzieren Sie sich eigentlich?

Gieseler: Wir finanzieren uns zum größten Teil durch Spendengelder. Die Gelder kommen aus Schleswig-Holstein und werden auch nur hier eingesetzt. Unser Ziel ist es, bestehende Lücken zu füllen. Wir wollen nicht irgendwas aufbauen, was anders finanziert werden kann oder schon woanders hervorragend läuft.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Welchen Weihnachtswunsch hätten Sie dann?

Gieseler: Es besteht momentan ein großer Bedarf, um noch mehr Angebote für Kinder und Jugendliche krebskranker Eltern aufzubauen. Die Kinder sind oft hochbelastet. Manche sind oft sehr auffällig, wenn ein Elternteil erkrankt. Andere ziehen sich komplett zurück. Ihnen hilft es sehr, wenn sie an einem Wochenendseminar einmal aus dem Alltag herauskommen. Beispielsweise bei einem Segeltörn oder bei einer Kunsttherapie. Die Kinder sprechen hier oft erstmals über ihre eigene Situation, über ihre Ängste und Gefühle. Das ist sehr berührend zu sehen.

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Wobei würde eine Spende unserer Leserinnen oder Leser vielleicht noch helfen?

Papke: Da fällt mir sofort der Avatar und unser Projekt „Mittendrin“ ein. Es handelt sich um kleine, weiße Roboter, die krebskranke Kinder in der Klasse vertreten, wenn diese zu schwach für einen Schulbesuch sind. Über diesen Stellvertreter kann das erkrankte Kind am Unterricht teilnehmen, sich melden und sprechen. Das ist enorm wichtig, denn so wird der Kontakt zum Klassenverband gehalten, und das Kind kommt aus der sozialen Isolation heraus. Aktuell haben wir fünf Avatare. Die sind auch alle gerade im Einsatz. Es werden aber dringend weitere gebraucht.

Fällt Ihnen noch ein dringender Wunsch ein?

Gieseler: Gerne würden wir bestehende Angebote ausweiten. Zum Beispiel mehr oder größere Angehörigen-Wohnungen in Kliniknähe anbieten. Bisher haben wir drei Wohnungen gemietet - in Kiel, in Lübeck und in Brunsbüttel. Die Auslastung ist enorm hoch. Angehörige, die aus der Fläche kommen, beispielsweise von der Westküste, müssen so keine Hotelkosten tragen. Sie haben keine Fahrzeiten, müssen kein Fahrgeld aufbringen. Durch die Wohnung sind sie in der Nähe ihres Partners, der in der Klinik behandelt wird. Wir haben Gäste, die drei Tage bleiben, andere vier Wochen. Wir hören immer wieder von den Krebspatientinnen und -patienten, wie sehr es geholfen hat, in dieser schwierigen Zeit einen vertrauten Menschen an der Seite zu haben. Durch Corona sind die Besuche jetzt zwar wieder schwieriger geworden. Aber jede Stunde, die der Partner zu Besuch sein kann, ist ein Gewinn.

Interview: Kristiane Backheuer

Kristiane Backheuer 02.12.2021
Anne Holbach 26.11.2021