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Schleswig-Holstein Unternehmen lockt mit zusätzlichen Feiertagen
Nachrichten Schleswig-Holstein Unternehmen lockt mit zusätzlichen Feiertagen
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11:11 24.10.2018
Firmengründer und Geschäftsführer von MSM.digital Markus Oeller. Quelle: MSM.digital
Lübeck

Für viele Arbeitgeber ist der Reformationstag als neuer gesetzlicher Feiertag ein rotes Tuch. Zu teuer für die Wirtschaft, sagen Kammern und Unternehmensverbände. Ein Unternehmen aus Lübeck geht einen anderen Weg. Die Agenturgruppe MSM.digital mit Standorten in Lübeck, Hamburg, Berlin und Nürnberg führt auch für ihre Mitarbeiter in Norddeutschland die in Bayern üblichen katholischen Feiertage ein. Erstmals kommen die rund 60 Beschäftigten im Norden am 1. November (Allerheiligen) in den Genuss dieser Neuregelung. Ziel sei es, alle Beschäftigten des Unternehmens gleich zu behandeln und dadurch deren Motivation zu fördern, sagt Firmengründer und Geschäftsführer Markus Oeller.

„Auch wir haben das Problem, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“

Neben dem 1. November (Allerheiligen) haben die MSM-Mitarbeiter künftig auch am 6. Januar (Heilige Drei Könige), am 15. August (Mariä Himmelfahrt) und am beweglichen Feiertag Fronleichnam frei. „Auch wir haben das Problem, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“, sagt Oeller. „Andere Unternehmen bieten ihren Angestellten Dienstwagen, freie Getränke oder freies Mittagessen. Wir halten die zusätzlichen freien Tage für nachhaltiger, denn über die freut man sich jedes Mal aus Neue“, sagt Oeller.

Er habe es schon immer als ungerecht empfunden, dass es in Bayern je nach Gemeinde drei oder sogar vier gesetzliche Feiertage mehr gebe als in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Berlin, sagt der in Bayern geborene Oeller. So sei im Juni dieses Jahres die Idee entstanden, die bayrischen Feiertage auch für die Niederlassungen im Norden zu übernehmen. „Die verbuchen wir als zusätzliche Urlaubstage an festen Terminen bei vollem Gehalt“, erläutert der Mitgründer des Unternehmens, Torsten Oppermann.

Agentur hat 40 Mitarbeiter in Bayern

Die Marketing-Agentur, die nach eigenen Angaben Unternehmen wie AEG, Microsoft und Samsung zu ihren Kunden zählt, hat insgesamt knapp 100 Mitarbeiter, davon 40 in Bayern. Rund 80 000 Euro im Jahr koste die neue Feiertagsregelung das Unternehmen, sagt Oeller. „Doch neben den reinen Zahlen zählt für uns auch die Mitarbeiterzufriedenheit und die hat definitiv zugenommen“, sagt er.

Für den Geschäftsführer der Unternehmensverbände Nord (UV Nord), Sebastian Schulze, kann mehr Urlaub tatsächlich ein Mittel im Rennen um die passenden Fachkräfte sein. „Die Höhe des Gehaltes ist schon lange nicht mehr der ausschlaggebende Punkt für eine Zusammenarbeit. Vielmehr geht es häufig um weitere Anreize wie Firmenwagen, Smartphones oder flexible Arbeitszeiten“, sagt Schulze. Der Trend gehe zu individuellen Lösungen, die Mitarbeiter und Arbeitgeber vereinbarten.

Einziges Unternehmen mit Sonderurlaub an katholischen Feiertagen im Bezirk

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck ist MSM.digital das einzige Unternehmen im Kammerbezirk, das seinen Mitarbeitern an katholischen Feiertagen generell Sonderurlaub gewährt. „Das ist eine einzelbetriebliche Entscheidung, die wir nicht kommentieren können“, sagt IHK-Sprecher Can Özren. Dass das Modell Schule macht, glaubt er nicht. „Vor allem im produzierenden Bereich bedeutet jeder zusätzlich Feiertag zusätzliche Kosten“, sagt Özren. „Zur Fachkräftesicherung bieten sich andere Maßnahmen an, etwa ein betriebliches Gesundheitsmanagement für eine bessere Work-Life-Balance“.

mester/dpa

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