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Schleswig-Holstein Chinesen üben in der Ostsee
Nachrichten Schleswig-Holstein Chinesen üben in der Ostsee
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09:48 16.09.2015
Von Frank Behling
Im Januar besuchte eine Delegation der chinesischen Marine unter Leitung von Admiral Zhang Chuanshu das U-Boot „U 995“ in Laboe. Im Oktober möchte die chinesische Marine nach einem vierwöchigen Ostsee-Besuch mit einem Verband erstmals den Nord-Ostsee-Kanal passieren. Quelle: Frank Behling
Glücksburg

Aus der Volksrepublik kommen keineswegs Schulschiffe, sondern ein Kampfverband. Der modernste chinesische Lenkwaffenzerstörer, eine Fregatte und ein Versorgungsschiff hatten nach einem Einsatz gegen Piraten vor Somalia am 3. September den Suez-Kanal passiert. Doch entgegen der Erwartungen von Militärexperten folgte kein Manöver im Mittelmeer, sondern die Chinesen fuhren um Europa herum direkt bis ins Skagerrak. Zum Wochenende wird der Verband in Kopenhagen zu einem offiziellen Besuch erwartet. Die Passage der Hoheitsgewässer der Nato-Staaten Deutschland und Dänemark ist nach Informationen dieser Zeitung genehmigt. Anders als Russlands Marineschiffe sind die Einheiten aus China eher Partner, wenn sie auf ihren Fahrten Kadetrinne und Fehmarnbelt passieren.

 Die deutsche Marine ist über die Präsenz der Chinesen zwar informiert. Es seien aber keine gemeinsamen Manöver geplant, heißt es auf Anfrage beim Marinekommando in Rostock. Die Kontakte mit der chinesischen Marine sind durch die Marineoperation gegen die Piraten vor Somalia intensiver geworden. Im Januar hatte ein chinesischer Verband erstmals Hamburg besucht. Dabei würdigte der chinesische Verbandschef Admiral Zhang Chuanshu die gemeinsamen Aktivitäten zur Sicherung der Seewege, die für Chinas und Deutschlands Wirtschaft sehr wichtig seien. Seit zwei Jahren gibt es Containerlinien von Polen direkt bis China. Die Maersk Line und Hapag-Lloyd fahren mit großen Containerschiffen wöchentlich ab Danzig nach Shanghai. Deshalb kommt die Ostsee ins Spiel.

Unruhige Ostsee

 Knapp vier Wochen wollen die Chinesen in der Gegend bleiben. Über genaue Kurse und ihre Beweggründe für den Ostseebesuch hält sich die chinesische Marine aber bedeckt. Es wird militärisches Interesse vermutet. „Es ist in der Ostsee unruhiger geworden. Die Chinesen werden diese Entwicklung auch mit eigenen Mitteln verfolgen wollen“, sagt Professor Joachim Krause vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel. Der Umstand, dass es eine verdeckte Aufklärungsoperation sein könnte, wird bei den Beobachtern durch die zeitliche Überschneidung mit dem Seemanöver „Northern Coast“ gesehen. „So ein Verband ist natürlich auch immer für die Aufklärung gut geeignet“, sagt Krause.

 Das Manöver „Northern Coast“ läuft bis Ende September. Es startete am Montag im Kattegat. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt kreuzten die chinesischen Schiffe auf. Der chinesische Verband wird von dem Zerstörer „Jinan“ angeführt. Das 155 Meter lange Kampfschiff wurde erst im Dezember vorigen Jahres in Dienst gestellt und ist der modernste chinesische Zerstörer. Begleitet wird die „Jinan“ von der Fregatte „Yiyang“ und dem Versorgungsschiff „Qiangdaohu“.

 Nach einer Pressemeldung aus China soll der Verband eine Weltreise absolvieren. Auf der Route liegen Besuche in Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Danzig und Lissabon. Danach gehe es weiter in die USA, nach Kuba, Mexiko und Australien. Nach Meldungen aus China soll der Verband rund 30000 Meilen bis Dezember zurücklegen. Höhepunkte seien die Passagen der drei großen Kanäle der Welt. Der Suez-Kanal, der Nord-Ostsee-Kanal und der Panama-Kanal stehen auf der Route. Die Passage des Nord-Ostsee-Kanals ist im Oktober geplant. Ein Hafenbesuch bei der Deutschen Marine in Kiel sei diesmal aber nicht beabsichtigt, wie die Marine auf Anfrage bestätigt.

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