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Schleswig-Holstein Auch das Vertrauen bröckelt
Nachrichten Schleswig-Holstein Auch das Vertrauen bröckelt
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21:02 09.06.2015
Von Paul Wagner
Autofahrer brauchen am Rendsburger Kanaltunnel weiter Geduld. Wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bestätigte, ist mit einer Freigabe der Oströhre erst Mitte Februar 2016 zu rechnen. Ganz offen ist das Zeitfenster zur Fertigstellung der Weströhre. Quelle: Wolfgang Mahnkopf
Rendsburg

Die Kritik an der Kommunikationspolitik des Bundesverkehrsministeriums ist dennoch groß. Rolf-Oliver Schwemer, Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, sagt: „Ich bin erschüttert, dass der Zeitplan schon wieder aus den Fugen geraten ist. Vor allem, weil der Staatssekretär aus dem Berliner Verkehrsministerium uns im Februar vor Ort persönlich ein Ende der gesamten Arbeiten bis Ende 2016 zugesichert hatte. So etwas erschüttert das Vertrauen in die Ehrenhaftigkeit von Aussagen.“ Er könne sich nicht vorstellen, was zwischen Februar und jetzt passiert sein soll, dass die ganze Planung auf den Kopf stellt, so Schwemer.

 „Besonders bitter ist das jetzt für die Menschen in der Region.“ Aber es helfe nichts: „Wir müssen nach vorne sehen und hoffen, dass in der angekündigten Planungsphase alle vier Fahrstreifen frei sind.“ In dieses Vorhaben sollte jetzt alle Kraft gesteckt werden. „Die Fehler wurden am Anfang der Planung gemacht“, sagt Schwemer. „Ich hoffe, dass jetzt daraus gelernt wurde.“

 Auch Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast ärgert sich darüber, dass Versprechen gebrochen worden sind. „Ich bin nahezu entsetzt, wie die Aussagen aus Berlin im Nachhinein zu bewerten sind. Wir sind im November mit einem ernsten Anliegen ins Bundesverkehrsministerium gereist, und haben später konkrete zeitliche Zusagen bekommen. Wohin soll das führen, wenn man sich auf das Wort nicht mehr verlassen kann?“, fragt Gilgenast und spricht von einem „Verlässlichkeitsproblem“ auf Seiten der zuständigen Behörden.

 Etwas versöhnlicher äußert sich Thomas Michael Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord. Dieser hat vor allem die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft im Auge und sieht Probleme, wenn der Tunnel nicht vollständig fertig wird, bevor die Abrissarbeiten zum Neubau der Rader Autobahnhochbrücke beginnen. „Wenn sich diese Baustellen zeitlich überschneiden droht der Super-Gau“, sagt Fröhlich.

 Positiv sei jedoch, dass es jetzt – mit Februar 2016 – endlich einen verlässlichen Zeitpunkt für die Fertigstellung zumindest der Oströhre gebe. „Wir rechnen danach mit einem neuen Zeitfenster für die Planung von einem halben bis einem Jahr und wir hoffen, dass in dieser Zeit alle vier Spuren offen sind“, unterstreicht auch Fröhlich.

 Ein Problem, welches jetzt dringend gelöst werden müsse, ist die Kanalquerung von Gefahrguttransportern. Viele Unternehmen aus dem Raum Rendsburg transportieren Propangas, Heizöl oder Benzin zu Endkunden in der Region und stünden durch die anhaltende Tunnelsperrung für gefährliche Stoffe vor existenziellen Problemen. „Da muss dringend etwas passieren“, sagt Fröhlich.

 Jetzt sollen Gespräche mit der Kreisverwaltung sowie Polizei und Feuerwehr alternative Lösungen finden. So sei es beispielsweise angedacht, sagte Fröhlich, dass künftig Gefahrguttransporte auch die Kanalfähre Nobiskrug nutzen dürften. Voraussetzung dafür sei jedoch die Zustimmung der WSV. Vor allem gehe es darum, die Gefahrguttransporter von der Rader Hochbrücke fern zu halten.

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