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Schleswig-Holstein Präsident von Kap Verde kommt nach Kiel
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08:23 03.05.2019
Zwei Männer stehen am Pier im Hafen Mindelo auf der Insel Sao Vicente. Für die Kieler Meeresforscher vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung ist die westafrikanische Inselrepublik Kap Verde ein wissenschaftlicher Hotspot. Quelle: Mario Cruz/dpa
Kiel

Für viele Touristen sind die Kapverdischen Inseln noch ein Geheimtipp, für Kieler Meeresforscher dagegen so etwas wie eine zweite Heimat. Seit 2004 kooperieren die Wissenschaftler eng mit der Inselrepublik im Atlantik vor Westafrika. Seit 2017 haben sie in Mindelo auf der Insel São Vicente eine eigene Forschungsplattform. Die Zusammenarbeit hat ein derartiges Gewicht für beide Seiten, dass Staatspräsident Jorge Carlos Fonseca an diesem Sonnabend nach Kiel kommt. Er trifft Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und besucht natürlich das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Am Sonntag wird Fonseca von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen.

Der Staatspräsident ist nicht der erste kapverdische Spitzenpolitiker in Kiel. Vor sieben Jahren überreichte Geomar-Direktor Peter Herzig dem damaligen Premierminister Jose Maria Neves den mit 10 000 Euro dotierten Meerespreis 2012 - für die gute Forschungskooperation.

Region für den Klimawandel sehr wichtig

Warum ausgerechnet die ehemalige portugiesische Kolonie Kap Verde? Prof. Arne Körtzinger listet Argumente auf: Die Region in den Tropen sei für den Klimawandel sehr wichtig, Saharastaub weht auf die Inseln und ins Meer, das Leben im Meer ist außergewöhnlich artenreich und wird von menschlichen Einflüssen bedroht, und die Republik ist politisch stabil. Hinzu kommt, dass die Inseln vulkanisch aktiv sind. «Das alles macht die Region wissenschaftlich spannend und sozioökonomisch bedeutsam», sagt der wissenschaftliche Leiter des Forschungszentrums in Mindelo. «Es liegt genau dort, wo wir messen wollen.»

Die Basis 600 Kilometer vor der westafrikanischen Küste erleichtert langfristige Beobachtungen, die für Wissenschaftler so wichtigen Zeitserienstudien. Je länger Messungen laufen, desto gesicherter sind die ableitbaren Erkenntnisse. «Es gibt nur wenige ozeanische Zeitserienstationen und praktisch keine in den Tropen», sagt Körtzinger, der bei Geomar in Kiel die chemische Ozeanographie leitet.

Mit einem Workshop fing 2004 alles an

100 Kilometer westlich von Mindelo sind im Meer bis zu 3600 Meter tief etwa ein Dutzend Sensoren verankert. Sie messen dauerhaft, was der Forscher so braucht: Temperatur, Salz- und CO2-Gehalt, Sauerstoff, Strömungen. Roboter kommen tauchend oder an der Oberfläche ebenfalls zum Einsatz, regelmäßig auch deutsche Forschungsschiffe, die aber nicht ständig in Mindelo liegen.

Mit einem Workshop fing 2004 alles an. «Wir begannen die Idee zu entwickeln, in der Region eine Basis für Meeres- und Atmosphärenforschung zu schaffen», erzählt Körtzinger. Die EU finanzierte ein dreijähriges Projekt, Institute in Jena, Leipzig und im britischen York kamen ins Boot.

Drei Millionen Euro kostete der Forschungszentrum

In Mindelo sind nicht ständig Kieler Wissenschaftler, Körtzinger kommt zwei bis drei Mal im Jahr, Geomars Kapverden-Beauftragte Cordula Zenk für ein bis zwei Monate. 60 000 Euro im Jahr an anteiligen Betriebskosten lässt sich Geomar jährlich das Forschungszentrum kosten, das Ende 2017 in Betrieb genommen wurde. Drei Millionen kostete der Bau, 90 Prozent davon trug Geomar. Kap Verde stellte das Grundstück kostenlos zur Verfügung und erließ die Mehrwertsteuer. Der Bau verfügt über eine durchfahrbare Halle, in der auch Großgeräte wie Tiefseeroboter und bemannte Tauchboote gewartet werden können. Labore, Werkstatt, Konferenz- und Lagerräume gehören zur Ausstattung.

Der Standort in den Tropen hat für die Meeresforscher herausragende Bedeutung. «Dort entstehen die größten Probleme», sagt Körtzinger im Blick auf Klimawandel, Überfischung und andere Themen. Trotz ihres globalen Herangehens an globale Herausforderungen setzen die Kieler in Kap Verde auch eine lokale Brille auf. «Wir wollen unsere Forschung mit konkreten Fragen vor Ort zusammenbringen», sagt Körtzinger. Wie verändern sich biologische Gegebenheiten und die Voraussetzungen für die Fischerei in der Region? Bei der Beantwortung solcher Fragen wollen die Wissenschaftler ihren Gastgebern konkret helfen. «Wir sind ja auch auf lokale Unterstützung angewiesen, was unsere Expeditionen angeht», sagt Geomar-Sprecher Andreas Villwock.

Kooperation auch in internationalem Masterprogramm

Die Kieler engagieren sich zunehmend auch für die wissenschaftliche Ausbildung in Afrika. Im Sommer vorigen Jahres ging in Mindelo die zweite Sommerschule von zwei Graduiertenprogrammen über die Bühne. 30 Masterstudenten aus diversen Ländern widmeten sich der Geologie insgesamt sowie dem Vulkanismus an Land und unter dem Meer. Gerade gestartet ist ein Master-Programm für Klimawandel und Marine Wissenschaften. Studenten aus elf westafrikanischen Staaten werden in diesem Programm studieren.

Geomar und die Universität Kap Verde kooperieren auch in einem weiteren internationalen Masterprogramm, bei dem jedes Jahr je ein deutscher und ein kapverdischer Student sechsmonatige Experimente in Mindelo machen. Das aktuelle Tandem wird im Herbst seine Ergebnisse in Kiel auswerten. «An insgesamt neun Standorten weltweit forschen neun Tandems zum gleichen Thema», erläuterte Geomar-Koordinatorin Zenk. Den kapverdischen Beteiligten hilft die Teilnahme enorm. «Alle dort nehmen eine steile persönliche Entwicklung», sagt Körtzinger.

Von RND/dpa

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