Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Kapitän von Unruh zu den neuen Regeln
Nachrichten Schleswig-Holstein Kapitän von Unruh zu den neuen Regeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 23.05.2019
Von Frank Behling
Kapitän Werner von Unruh am Steuer der MS „Stadt Kiel“, die jetzt wieder für weitere fünf Jahre mit Zertifikat über die Förde schippern darf. Von Unruh half mit, das Schiff 1981 vor dem Verschrotten zu retten. Quelle: emk
Kiel

Die Neuregelung der Sicherheitsbestimmungen für die Traditionsschifffahrt schlug lange hohe Wellen. Viele Eigner sahen die Zukunft der alten Segler und Dampfer in Deutschland sogar komplett gefährdet. Gleichzeitig sorgte eine Sicherheitsempfehlung der Unfallermittler nach einer Kollision mit dem Eisbrecher „Stettin“ in Rostock für Zündstoff.

Nach intensiven Verhandlungen und Gesprächen gab es schließlich eine Übereinkunft der Bundesministerien für Verkehr und Inneres. Seit März 2018 gilt die neue Sicherheitsverordnung für die historischen Schiffe. Die Berufsgenossenschaft Verkehr (BG Verkehr) und die Verbände stimmen sich jetzt bei der Umsetzung ab.

Mit eingebunden in die Verhandlungen war Kapitän Werner von Unruh, Kieler Professor an der Jade Hochschule, ist auch mit im Vorstand der Gesellschaft für historische Wasserfahrzeuge (GSHW). Außerdem ist er Mitglied im Förderverein MS Stadt Kiel.

Herr von Unruh, die Wogen haben sich unter Schiffseignern und Verbänden geglättet. Es gibt kaum noch Proteste. Was ist der Grund dafür?

Ein Grund dafür ist, dass sowohl Traditionsschiffsverbände als auch die BG Verkehr als zuständige Behörde bemüht sind, Lösungen für die einzelnen Schiffe zu finden. Ein Grund für die Zustimmung der Eigner war außerdem die zugesagte Förderung durch das Verkehrsministerium für Umbauten und Anpassungen der Schiffe an die Sicherheitsverordnung. Damit wird vielen Eignern geholfen, um beispielsweise technische Nachrüstungen vornehmen zu können. Obwohl es sich bereits abzeichnet, dass die bisher bereitgestellten Mittel zur Förderung wohl nicht ganz ausreichen.

Wie sieht es bei der Lösung der noch ausstehenden Probleme aus?

Es wurde für diese Fälle eine Ombudsstelle eingerichtet. Die Funktion als Ombudsleute haben Valerie Wilms, die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Verkehrsexpertin der Grünen, und Professor Peter Ehlers, der ehemalige Präsident des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), übernommen. Es sieht so aus, als ob diese Stelle bei der Suche nach Lösungen für die individuellen Probleme eine wertvolle Arbeit leisten kann. Viele Schiffe müssen ja aufgrund ihrer historischen Bauweise individuell betrachtet werden. Dabei kommt es natürlich schnell zu unterschiedlichen Bewertungen bei der Nutzung. Ich kenne aber aktuell noch keine Fälle, bei denen diese Stelle bislang wirklich angerufen wurde.

Es gibt also keine Probleme mehr für die Eigner historischer Segler und Dampfer?

Es gibt den Willen bei allen Beteiligten, die Vorgaben der neuen Sicherheitsverordnung zu erfüllen, die auch erfüllbar sind. Die BG Verkehr tut sich aber sehr schwer mit Sondergenehmigungen. Man muss wissen, es gibt Schiffe völlig unterschiedlicher Couleur, da ist es nicht einfach, ein Regelwerk für alle Schiffe zu erfüllen. Da die Sicherheitszeugnisse für Traditionsschiffe alle vier Jahre erneuert werden müssen, gibt es aber für viele Eigner noch etwas Zeit zur Anpassung. In Bedrängnis sind eigentlich nur die Schiffe, bei denen das Sicherheitszeugnis in naher Zukunft abläuft. Aber auch hier zeichnet sich ein Dialog mit der Aufsichtsbehörde BG Verkehr ab.

Wie ist die Unterstützung durch die Politik?

Die ist in diesem Fall sehr hilfreich und gut gewesen. Wenn man sich die Sicherheitsempfehlung der BSU zur Untersuchung der Havarie der „Stettin“ ansieht, dann sind wir schon mal froh, dass das Innenministerium diese Empfehlung nicht als Maßstab genommen hat. Wäre diese Empfehlung umgesetzt worden, hätten wirklich nur noch die Traditionsschiffe Passagiere mitnehmen dürfen, die 1965 schon als Passagierschiff tätig waren. Davon gibt es in Deutschland heute gerade einmal drei. Das sind die „Alexandra“ in Flensburg, die „Stadt Kielin Kiel und die „Prinz Heinrich“ in Emden. Alle anderen Schiffe sind ja damals nicht als Passagierschiffe, sondern als Schlepper, Eisbrecher oder Tonnenleger gefahren und hätten dadurch auch die Erlaubnis zur Mitnahme von Passagieren verloren. Das hätte die Eigner der Traditionsschiffe dann vor ganz große Probleme gestellt, da sie so nicht die notwendigen Einnahmen für den Unterhalt ihrer historischen Schiffe erzielen können. Deshalb sind wir sehr froh darüber, dass das Bundesinnenministerium diese Empfehlung nicht zur verbindlichen Vorgabe für die BG Verkehr gemacht hat.

Wie wird sich die neue Verordnung auf die Zahl der Traditionsschiffe bei der Kieler Woche auswirken, die in wenigen Wochen beginnt?

Da gibt es durchaus unterschiedliche Entwicklungen. Dafür ist aber nicht die neue Sicherheitsverordnung verantwortlich, sondern es sind eher wirtschaftliche Gründe. Hier liegt ein Problem beispielsweise bei der Bewertung der Fahrten durch die Finanzämter. Wenn Schiffe für diese Fahrten aufgrund der Bewertung keine Chartern bekommen, lohnt sich die Fahrt für viele Eigner nach Kiel oder zu anderen Hafenfesten nicht. Bei den Dampfern hat das schon für eine Reduzierung der Teilnehmer an der Kieler Woche gesorgt. Da fehlen inzwischen einige vertraute Schiffe, für die sich zum Beispiel die Anreise aus Bremerhaven oder Hamburg nicht mehr lohnt. Bei den Segelschiffen gibt es aufgrund der niedrigeren Kosten keine so großen Auswirkungen durch Charterreisen.

Hier finden Sie die Termine der drei großen Festivals der Segler und Dampfer im Norden.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach dem verheerenden Brand in einem Wohnhaus in Wohlstorf im Kreis Herzogtum Lauenburg hat sich die vermisste Frau bei der Polizei gemeldet. Sie sei bei Brandausbruch nicht im Haus gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

23.05.2019

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen bis 2022 auf den Straßen in Deutschland rollen. Für die Feuerwehr und die Polizei bedeutet das neue Herausforderungen bei Unfällen und Bränden. Das Kraftfahrzeuggewerbe muss auf Geheiß von Herstellern Sicherheitsvorkehrungen für defekte E-Mobile treffen.

Bastian Modrow 23.05.2019

Nächtlicher Krach in einem Reihenhaus im Kreis Segeberg löste eine Prozessserie zwischen Nachbarn aus. Der eine Nachbar beschwerte sich wegen des Lärms, der andere soll dann die Frau des sich Beschwerenden bedroht und verletzt haben. Das Landgericht Kiel stellt das Strafverfahren jetzt ein.

Thomas Geyer 22.05.2019