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Schleswig-Holstein Bahnfahren ist für Behinderte oft fatal
Nachrichten Schleswig-Holstein Bahnfahren ist für Behinderte oft fatal
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08:00 28.07.2019
Von Kristiane Backheuer
Kay Macquarrie aus Altenholz bei Kiel kämpft dafür, dass die Deutsche Bahn mehr für Behinderte tut. Allein ein Anmeldeformular zur Hilfeleistung hat 79 Felder, die ein Betroffener ausfüllen muss. Zusammen mit einem Entwickler aus Karlsruhe hat Kay Macquarrie nun eine viel einfachere Internetanwendung entwickelt. Quelle: Kay Macquarrie
Altenholz

Damit sich endlich etwas bewegt, hat er eine Online-Petition gestartet (wir berichteten), bei der bisher über 89.000 Menschen unterschrieben haben. Damit möchte er unter anderem bei der Deutschen Bahn AG erwirken, dass ein stufenloser Einstieg auf jedem Bahnhof möglich ist und dass die Online-Anmeldung für eine Ein- und Ausstieghilfe einfacher wird. Zumindest bei letzterem kann er nun einen ersten Erfolg verbuchen.

Neues Anmeldetool für die Bahn entwickelt

„Der Entwickler Philipp Maier aus Karlsruhe hat meine Petition gelesen und seine Hilfe angeboten“, sagt Kay Macquarrie. In der Petition hatte er sich über die umständlichen Buchungsformulare der Bahn beklagt. So muss man beispielsweise, wenn man Hilfe beim Ein- und Aussteigen braucht, für eine Fahrt von Hamburg nach Berlin insgesamt 79 Felder ausfüllen.

„Zusammen haben wir jetzt eine Internetanwendung mit dem Namen HASE entwickelt, bei der man mit wenigen Klicks am Ziel ist“, so der Altenholzer. Das Tool funktioniert dank einer offenen Bahn-Schnittstelle schon jetzt. Anwender benötigen nur ihren Bahnticket-Code. Die Bahn sei bereits über die Entwicklung des Tools informiert.

Termin mit der Bahn-Zentrale

Der Entwickler reiste am Freitag nach Berlin, um seine Web-Anwendung in der Bahn-Zentrale vorzustellen. „Das Ziel ist, Ideen aus diesem Tool in die offizielle Bahn-App zu integrieren“, so Kay Macquarrie. „Das Tool würde auch ermöglichen, dass man in Echtzeit benachrichtigt wird, wenn beispielsweise ein Aufzug ausfällt oder Züge sich verspäten.“

Beruflich pendelt Kay Macquarrie immer wieder zwischen Kiel und Berlin. Erlebt hat er bei seinen Reisen schon viel. Keine barrierefreien oder defekte Toiletten, keine Einstiegshilfe trotz vorheriger Anmeldung, kaputte Aufzüge, sodass er den tiefer liegenden Bahnsteig nicht verlassen konnte.

Auch der Hublift, der auf den Fernreisestrecken eingesetzt wird, ist für viele Reisende mit Handicap gewöhnungsbedürftig. Der Lift sieht aus wie ein riesiger Metallkäfig, in dem der Rollstuhlfahrer dann zur Zugtür befördert wird.

Bahnfahren ist keine Eintagsfliege“, sagt Kay Macquarrie. „Dieses klimafreundliche Massentransportmittel werden die Menschen auch in 100 Jahren noch nutzen.“ Deshalb ist es um so mehr nötig, dass Menschen mit Behinderung, aber auch Radfahrer, Mütter mit Kinderwagen und Menschen mit Rollatoren problemlos in Züge ein- und aussteigen können. 

Bahn steigerte die Zahl der Mobilitätshilfe um rund 50 Prozent

Die Bahn selbst verweist auf die stetig steigenden Hilfeleistungen. „Im Jahr 2018 haben unsere Service-Mitarbeiter Reisende mit Mobilitätseinschränkungen mit rund 850 000 Hilfeleistungen unterstützt. Diese Zahl ist in den zurückliegenden vier Jahren um rund 50 Prozent gestiegen“, sagte eine Bahnsprecherin. Außerdem sei das Personal dementsprechend verstärkt worden.

„Wir arbeiten weiter daran, dem wachsenden Bedarf nach Mobilitätsservice noch besser nachkommen zu können.“ Sie räumt allerdings ein, dass es bei starkem Reiseverkehr zu Engpässen beim persönlichen Service kommen könne. In diesen Fällen werde gemeinsam mit den Reisenden nach alternativen Reisemöglichkeiten gesucht.

Neue, stufenlose Züge sollen ab 2023 fahren

Auch an den Themen „nutzerfreundlicheres Anmeldeformular“ und „Barrierefreiheit“ werde gearbeitet, so die Pressesprecherin. Neue, stufenlose Züge sind in der Planung und sollen ab 2023 eingesetzt werden.

Dass sich die Bahn bewegt, liege laut Kay Macquarrie auch an den sozialen Netzwerken. „Probleme werden über Twitter und Facebook angesprochen“, sagt der Familienvater. „Und gerade auf Twitter reagiert die Bahn superschnell. Das finde ich erfreulich.“ 

Auch seine Petition hat einiges in Bewegung gebracht. So hat der Sozialverband Kay Macquarrie in eine von der Bahn ins Leben gerufene Arbeitsgruppe von Behindertenvertretern entsandt, die sich zweimal im Jahr trifft. Am 6. November ist die nächste Sitzung in Berlin. Dann lernt der Altenholzer auch zum ersten Mal Bahnchef Richard Lutz kennen, der seine Teilnahme zugesagt hat. Den hatte er schon vor einigen Wochen zu einer gemeinsamen Zugfahrt im Rollstuhl eingeladen. Doch eine positive Antwort hatte er bisher nicht bekommen. 

Wer die Petition von Kay Macquarrie mit seiner Stimme unterstützen möchte, klickt hier.

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