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Schleswig-Holstein Streit um geplante Straßenblockade
Nachrichten Schleswig-Holstein Streit um geplante Straßenblockade
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17:30 24.04.2019
Luftbild vom Theodor-Heuss-Ring in Kiel - hier soll am Freitag demonstriert werden.  Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

„Die Entscheidung der Stadt ist nicht nachvollziehbar“, sagte ADAC-Sprecher Ulf Evert. „Die Klima-Aktivisten können auch da demonstrieren, wo der fließende Verkehr nicht behindert wird.“ Kiels Ordnungsdezernent Christian Zierau verwies dagegen auf die im Grundgesetz verankerte Versammlungsfreiheit. Der Veranstalter, die Turboklimakampfgruppe Kiel (TKKG), verteidigte ihre Aktion, die unter dem Motto „Straßenparty statt Rushhour“ steht. Ziel sei eine autofreie Stadt, so TKKG-Sprecher Jonas Frank. „Wenn man gegen den Abbau von Braunkohle protestiert, zieht man auch nicht vor einen Windpark.“

Fahrradclub: "Muss eine einmalige Aktion sein"

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hält die Blockade der Bundesstraße 76 (Richtung Eckernförde) für angemessen. „Die Aktion kann darauf aufmerksam machen, dass die Schadstoff-Grenzwerte auf dem Theodor-Heuss-Ring überschritten werden und eine Absauganlage keine Lösung ist“, sagte Geschäftsführer Carsten Massau. „Die Blockade muss aber eine einmalige Aktion sein.“ Grund ist der Mega-Stau, der bei einer Sperrung der Trasse (mehr als 46000 Autos am Tag) am Freitag gegen 15 Uhr droht. Die Stadt rechnet mit einer Blockade von 30 Minuten, die TKKG mit 60 Minuten oder mehr.

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Interaktive Karte: Hier sehen Sie die Route der Demonstration

Grüne hoffen auf Lerneffekt im Stau

Die Grünen nehmen den Verkehrskollaps in Kauf. „Auf dem Theodor-Heuss-Ring ist ohnehin jeden Tag Stau“, sagte Grünen-Landeschef Steffen Regis. Die Aktion sei ein Zeichen, „dass wir eine Verkehrswende brauchen“. Der Vorsitzende der Rathaus-Grünen, Arne Langniß, hofft auf einen Lerneffekt im Stau. „Vielleicht kommt bei Autofahrern so ins Bewusstsein, dass man sich auch anders durch die Stadt bewegen kann, insbesondere mit dem Fahrrad oder zu Fuß.“

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"Alle Autofahrer in Sippenhaft"

Politiker anderer Parteien sprachen sich für mehr Klimaschutz aus, schüttelten aber den Kopf über die Demo-Route. „Ich glaube nicht, dass es dem Anliegen dienlich ist, möglichst viele Menschen sauer zu machen“, sagte CDU-Ratsfraktionschef Stefan Kruber. Seine SPD-Kollegin Gesa Langfeldt lehnte es ab, „alle Autofahrer in Sippenhaft zu nehmen“. Der Kieler FDP-Landtagsabgeordnete Dennys Bornhöft beklagte, dass die Aktivisten „dem Klimaschutz einen Bärendienst“ erweisen.

Von Ulf Billmayer-Christen

Christian Hiersemenzel 24.04.2019
Anne Holbach 24.04.2019