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Schleswig-Holstein Nachbarn bekämpften sich bis aufs Messer
Nachrichten Schleswig-Holstein Nachbarn bekämpften sich bis aufs Messer
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21:42 16.07.2019
Von Thomas Geyer
Das Kieler Landgericht verhandelt einen blutigen Nachbarschaftsstreit. Das Urteil könnte im August fallen.
Das Kieler Landgericht verhandelt einen blutigen Nachbarschaftsstreit. Das Urteil könnte im August fallen. Quelle: Carsten Rehder
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Kiel/Neumünster.

Die Anklage der Kieler Staatsanwaltschaft lautet auf gefährliche Körperverletzung, könnte aber auch auf versuchten Totschlag lauten: Dem rechtsmedizinische Gutachten zufolge erlitt das Opfer drei Stiche in Bauch und Oberkörper. Nach Verletzungen der Lunge und zweier Schlagadern am Magen schwebte der 68-Jährige in akuter Lebensgefahr. Für seinen Rechtsanwalt Gerd-M. Achterberg gehört der Fall deshalb vor die Schwurgerichtskammer.

Anschläge auf Gartenzwerge und Autoreifen

Ein Wortgefecht zwischen dem zur Tatzeit betrunkenen Nebenkläger und der Ehefrau des Angeklagten soll den Streit befeuert haben. Seit 2015 machten sich die verfeindeten Paare immer wieder gegenseitig Vorhaltungen. Man warf sich vor, heimlich Wäsche von der Leine genommen zu haben. Die Bestohlenen revanchierten sich angeblich mit Anschlägen auf Gartenzwerge, Autoreifen und ein Windmühlenmodell. Dafür gab es weder Augenzeugen noch Beweise, doch der Verdacht vergiftete die Atmosphäre.

Angeklagter (72) fühlte sich „schlimm beleidigt“

Laut Ermittlungsergebnis ging das spätere Opfer gegen 14 Uhr zum Küchenfenster des Angeklagten und forderte ihn auf, zur Klärung von Vorwürfen in den Garten zu kommen. Der 72-Jährige fühlte sich durch angeblich obszöne Bemerkungen „schlimm beleidigt“ und warf einen Blumentopf auf den Jüngeren. Der Topf verfehlte sein Ziel und flog zurück. „Dann habe ich zwei Küchenmesser nach ihm geschmissen“, räumt der Angeklagte vor Gericht ein.

Auch die Messer trafen nicht. Als der Jüngere die Wurfgeschosse mit einem Taschentuch aufsammelte und ankündigte, sie der Polizei als Beweismittel vorzulegen, griff sich der 72-Jährige voller Wut ein drittes Küchenmesser und lief in den Garten. „Komm her, ich schneide dir den Kopf ab“, habe der Jüngere ihn „total besoffen“ zum Kampf aufgefordert und wild mit den beiden Messern herumgefuchtelt. 

Ehefrau ging dazwischen

Auch der Angeklagte wurde verletzt, er trug kleinere Schnitte im Gesichts- und Halsbereich davon. Mit den Worten "Ich töte dich!" soll er dem bewaffneten Gegner die Klinge in den Oberkörper und in den Bauch gestoßen haben. Der Jüngere stolperte und sank zu Boden. Erst als die Frau des Opfers dazwischenging und den Angeklagten aufforderte aufzuhören, soll dieser von dem Schwerverletzten abgelassen haben. Der 72-Jährige bestätigte am Dienstag, er habe sich nach den Stichen in seine Wohnung zurückgezogen: „Ich sagte zu ihr ,Hol' die Polizei'.“

Zuvor will der Angeklagte „eine halbe Stunde lang provoziert“ worden sein. Zur Tatzeit war er nüchtern. Bei seinem Gegner ergab die Blutprobe mindestens zwei Promille. Der Angeklagte hat inzwischen das Feld geräumt und ist zusammen mit seiner Ehefrau umgezogen. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil könnte Anfang August verkündet werden.