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Schleswig-Holstein Kieler testen: So bleiben Senioren fit
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12:11 26.06.2019
Von Heike Stüben
Gute Stimmung - die herrscht immer, wenn sich diese Senioren aus Kiel im deutsch-dänischen Projekt WIPP treffen: Gemeinsame Aktivitäten wie das Fitnesstraining mit ihrer Kursleiterin Eldrid Wollenhaupt (Mitte) und die regen Gespräche erhöhen die Lebensqualität, sagen die Teilnehmerinnen. Quelle: mwe: Manuel Weber
Kiel

Im Zentrum auf deutscher Seite stehen dabei 220 Senioren in Kiel. Einige haben jetzt eine erste Bilanz gezogen.

Die 76-Jährige beschreibt das, was viele Menschen fühlen: „Ich bin ziemlich allein. Ich gehe zwar viel ins Theater, aber wenn ich danach meine Wohnungstür schließe, gibt es niemanden, mit dem ich das Stück noch einmal Revue passieren lassen kann.“

Sätze wie diese hört das Team von WIPP (Wohlfahrtsinnovationen in der Primärprävention) häufig.

Es geht um Gesundheit und Einsamkeit

Das deutsch-dänische Projekt lotet aus, wie mit innovativer Gesundheitsförderung ältere Menschen gesund bleiben und neue soziale Kontakte finden können, weil beides wesentlich für eine gute Lebensqualität ist. Die Forschung zeigt, dass Einsamkeit sich auch auf die Bewegung und auf die Gesundheit insgesamt negativ auswirkt.

„Alte Menschen finden wenig Gehör. Oft sagen sie selbst. Wir kosten ja nur. Doch das stimmt nicht. Sie haben zum Beispiel eine hohe soziale Kompetenz“, erklärt Petra Hampel, Professorin für Gesundheitspsychologie und -bildung an der Europa-Universität Flensburg. WIPP will deshalb auch ein Sprachrohr für die älteren Bürger sein und auf ihre Bedürfnisse und ihre Kompetenzen aufmerksam machen.

Alten Menschen direkt ansprechen!

„Gesundes Älterwerden gelingt mit einem aktiven Lebensstil“, sagt Manfred Wegner, Professor für Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft an der Universität Kiel. Deshalb wurden zwei Kursprogramme für Senioren aus Dänemark auf deutsche Bedürfnisse angepasst und Trainer geschult.

Treffpunkte und Fitnesskurse für Ältere anzubieten – das reicht allerdings nicht, waren sich gestern bei einem Treffen in Kiel alle einig. „Man muss direkt auf die Menschen zugehen“, findet Antje Bischoff (79).

Und das müsse jemand machen, der in der Gemeinde, dem Stadtteil, der Kirchengemeinde oder dem Sportverein bekannt ist. „Wenn mich jemand Fremdes angesprochen hätte, hätte ich den sofort abgewimmelt“, erklärt Gisela Bieker (75).

Neue Leute kennenlernen

In Kiel hat deshalb die Stadt die Senioren in den Stadtteilen Suchsdorf, Mettenhof und auf dem Ostufer angeschrieben. 220 Senioren wurden daraufhin von Mitarbeitern der Stadt und der Karl-Heinz-Howe-Simon-Fiedler-Stiftung besucht und ihnen dann ein Angebot gemacht.

Gisela Bieker nimmt seitdem zweimal pro Woche am Fitness-Training teil. „Ich habe hier neue Leute kennengelernt. Es ist jedes Mal eine Freude, hierherzukommen.“ Auch Anneliese Hirsch (78) ist begeistert. „Wir lachen und erzählen viel. Nur dass sich die Männer verdünnisiert haben, ist enttäuschend.“

Ein Kursus hat inzwischen selbst ein regelmäßiges Frühstückstreffen organisiert. Und die 75-Jährige wird demnächst wohl nicht mehr allein ins Theater gehen. „Das WIPP-Training ist eine gute Möglichkeit, Menschen im Stadtteil zusammenzubringen“, sagt Kursleiterin Tanja Maury-Butenschön, die auch die „Anlaufstelle Nachbarschaft“ in Suchsdorf leitet. 

Hier bekommen Gemeinden Unterstützung

Wenn das Projekt 2020 ausläuft, soll ein Handbuch möglichst vielen Gemeinden ermöglichen, die Konzepte zu übernehmen. „Dank des Landessportverbands kann das Bewegungsangebot dann auch in den Sportvereinen angeboten werden“, sagt Kerstin Berszuck von der AOK NordWest.

Für Gemeinden, die jetzt schon etwas für die Gesunderhaltung ihrer Senioren anschieben wollen, soll es in naher Zukunft Fördermöglichkeiten der Gesundheitsförderung im Rahmen des GKV-Bündnisses geben. Interessierte können sich bereits jetzt an das „Programmbüro des GKV-Bündnisses für Gesundheit Schleswig-Holstein“ wenden. Dort steht Lena Nommensen als Ansprechpartnerin bereit  (Telefon 04 31 / 9 74 41 26, Lena.nommensen@vdek.com)

So läuft das WIPP-Projekt

Das WIPP-Projekt ist Teil des grenzüberschreitenden Interreg5a-Programms, an dem sich Deutschland und Dänemark beteiligen. So sollen beide Länder voneinander lernen: In Dänemark sind Gesundheit und soziale Teilhabe Aufgabe der Kommune. Jeder Bürger bekommt dafür eine spezielle Mail-Adresse. Kann er selbst nicht damit umgehen, übernimmt dies ein Beauftragter für ihn. So soll immer ein „Draht zur Gemeinde“ gewährleistet sein. Das WIPP-Projekt wird mit 2,7 Millionen Euro vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Es läuft von Ende 2016 bis 2020. Ziel ist es, die Gesundheit von Senioren nachhaltig zu verbessern. 

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