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Schleswig-Holstein Kinderkliniken in Schleswig-Holstein müssen Patienten abweisen
Nachrichten Schleswig-Holstein Kinderkliniken in Schleswig-Holstein müssen Patienten abweisen
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08:20 14.10.2019
Von Heike Stüben
In der Infektsaison sind die Kinderkliniken in Schleswig-Holstein überfüllt, beklagen Ärzte. Quelle: Christin Klose/dpa (Symbolfoto)
Kiel

„Der Betten- und Personalmangel in Kinderkliniken ist unverantwortlich“, kritisiert Dr. Sebastian Groth, Kinder- und Jugendarzt in Rendsburg. „Wir befinden uns unmittelbar vor der großen Infektsaison und haben bereits jetzt Einweisungsprobleme.“

In den letzten Jahren sei das Problem immer größer geworden, bestätigt Dr. Ralf Heek, Kinderarzt in Altenholz und Landesvorsitzender vom Bundesverband der Kinder und Jugendärzte. „In der Infektsaison sind die Kinderkliniken überfüllt, weil viele kleine Kinder eine Sauerstoffanreicherung der Atemluft und sorgfältige Überwachung benötigen. Dann können die Arztpraxen oft keine aufnehmende Klinik finden. Oder die Kliniken müssen auswählen und andere transportfähige Kinder verlegen – bei Nacht und Nebel über die Autobahn, mal nach Neumünster, mal nach Hamburg.“

Das mache allen Beteiligten großen Stress. Für Familien sei es eine große logistische Belastung, wenn Kinder nicht wohnortnah versorgt würden.

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„Das beschäftigt uns täglich“, sagt Dr. Andreas Claaß, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Städtischen Krankenhaus Kiel. Besonders schwierig sei es jetzt im Herbst, weil auch Kinder mit chronischen Erkrankungen vermehrt versorgt werden müssten. „Sie brauchen oft eine spezialisierte Behandlung und können nicht einfach in andere Kliniken umgeleitet werden.“

Für das Uniklinikum in Lübeck und Kiel versichert der Direktor der Kieler Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Manfred Schrappe, „dass schwerkranke Kinder praktisch immer aufgenommen werden. Unter dem Strich lässt sich aber ein Mangel an freier Kapazität nicht bestreiten.“

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Die Zahl der Betten auf Kinderstationen wurde im Land von 525 im Jahr 2005 auf 421 (Stand: Ende 2018) reduziert. Laut Krankenhausplan sollen es 2022 nur noch 407 sein. Damit ist Schleswig-Holstein in Relation zur Bevölkerung bundesweit das Schlusslicht.

Doch entscheidend ist, wie viele Betten betriebsbereit sind – und diese Zahl ist zum Teil niedriger. Denn regelmäßig werden Betten gesperrt, melden sich Kinderkliniken aus dem Rettungsdienst ab, weil das Pflegepersonal nicht reicht.

Dr. Florian Hoffmann von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin fordert: „Die Politik muss dringend handeln, bevor die Gesundheit von Kindern durch die Ökonomisierung des Systems riskiert wird.“

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