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Schleswig-Holstein Echte Lernmittelfreiheit für Schüler
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15:58 13.09.2018
Foto: Kostenlose Schulmaterialien für Schleswig-Holsteins Schüler fordern der Kinderschutzbund, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Eltern- und Schülervertreter.
Kostenlose Schulmaterialien für Schleswig-Holsteins Schüler fordern der Kinderschutzbund, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Eltern- und Schülervertreter. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Kostenlose Schulmaterialien für Schleswig-Holsteins Schüler fordern der Kinderschutzbund, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Eltern- und Schülervertreter. „Allein die Ausgaben für die zur Teilnahme am Schulunterricht notwendige Grundausstattung, die Eltern zahlen müssen, liegen bei durchschnittlich 400 Euro pro Jahr“, sagte die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns, am Donnerstag. Viele Kinder aus armen Familien würden dadurch auf ihrem Bildungsweg immer noch benachteiligt.

Bildungsministerin will Dialog abwarten

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will den Dialog mit dem Bildungsausschuss des Landtags abwarten. Sie verwies auf die gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Gemeinden, einkommensschwache Eltern bei den Bildungskosten zu entlasten. Die Landesregierung konzentriere sich auf zusätzliche Unterstützung von Schulen mit besonderen Herausforderungen. „Parallel weisen wir die Schulen darauf hin, dass Lehrkräfte immer auch die Belastungssituation von Eltern berücksichtigen sollen, wenn sie etwa Listen für Unterrichtsmaterial herausgeben.“

Zwar gibt es in Schleswig-Holstein wie in sieben weiteren Bundesländern bereits Lernmittelfreiheit. Die umfasst aber lediglich die Gegenstände, die ausschließlich im Unterricht eingesetzt werden. Taschenrechner, Atlanten, Hefte und Schreibmaterial fallen nicht darunter. Rechnet man die Forderung auf die rund 278 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen hoch, die es laut Bildungsministerium in Schleswig-Holstein gibt, macht das 111,2 Millionen Euro im Jahr.

Im Durchschnitt 1000 Euro

Laut einem Bericht der Landesregierung von 2016 gaben Eltern im Schuljahr 2015/16 im Durchschnitt für ihre Kinder sogar noch mehr Geld aus - knapp 1000 Euro. Dies beinhaltet aber auch Ausgaben für Sportkleidung, Klassenfahrten, Betreuung, Schulessen und Nachhilfe. „Unabhängig von der besuchten Schulart und Klassenstufe des Kindes investierten Eltern mit höherem Bildungsabschluss mehr als Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss“, heißt es in dem Bericht. Diese Diskrepanz sei insbesondere bei Nachhilfe, Versorgung und Betreuung deutlich geworden.

Im Norden hätten rund 120 000 Kinder Ansprüche auf für die Schule vorgesehene Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets in Höhe von 100 Euro, sagte Johns. Rechne man nicht einbezogene Kosten für Sportschuhe, Ausflüge und Nachhilfe dazu, „sind wir aber schnell beim Zehnfachen“ des Basissatzes. Die Verbände forderten deshalb, dass schleswig-holsteinische Schulgesetz zu ändern und zumindest „alle Materialien, die für den Schulalltag notwendig sind, kostenfrei zu Verfügung zu stellen“.

Einzelne Leistungen viel zu niedrig

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers kritisierte die unnötige Bürokratie des Bildungs- und Teilhabepakets. „Zudem sind einzelne Leistungen viel zu niedrig und willkürlich festgesetzt, so wie der Schulbedarf von 100 Euro. Der wurde seit 2011 nicht mehr erhöht.“ GEW-Landeschefin Astrid Henke sagte, „es muss Schluss damit sein, Kinder und Jugendliche zu beschämen, die das nötige Kleingeld nicht oder erst am nächsten 1. haben“.

Schüler- und Elternvertreter unterstützen die Forderungen nach echter Lernmittelfreiheit. „Eltern stehen mit langen Listen, die ihnen von den Schulen ausgehändigt worden sind, oft ratlos vor der zahlreichen Auswahl an Schreibutensilien“, sagte der Sprecher der AG Landeselternbeiräte SH Thomas Wulff.

Während im Landtag der SSW die Forderungen unterstützte, wies der CDU-Bildungspolitiker Tobias Loose auf bereits existierende finanzielle Hilfen für Problemfälle hin. Das Bestreben von Kinderschutzbund und Gewerkschaft sei ehrenwert. Aber: „Des Weiteren muss Eltern bewusst sein, dass sie selbst auch in die Verantwortung genommen sind, in die Bildung ihrer Kinder zu investieren“, sagte Loose.

Von lno