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Schleswig-Holstein Neuer Protest gegen das Notenzeugnis
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07:01 24.03.2018
Von Alev Doğan
Notenzeugnisse schon in der Grundschule? Kinderschutzbund und GEW appellieren an die Landesregierung, auf Zensuren in der Grundschule zu verzichten. Quelle: Felix Kästle
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Kiel

„Die Annahme, Kinder würden ohne Ziffernnoten nicht ausreichend lernen, ist längst überholt“, sagt die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns. „Im Gegenteil, Studien belegen, dass gerade in der Grundschule Ziffernnoten die Leistungsmotivation beeinträchtigen – und das nicht nur bei leistungsschwächeren Schülern.“

Differenziertere Beurteilung durch Kompetenzraster

„2014 haben wir gerade erst alles umgestellt und waren froh, dass die Schüler mit den Berichtzeugnissen individuell beurteilt werden“, so Johns. So könne man in einem Berichtzeugnis und Kompetenzraster, wie sie derzeit Standard sind, auch kleinere Lernerfolge deutlicher manifestieren – das motiviere auch die Schüler.

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"Rückschritt in Sachen Bildungsgerechtigkeit"

Auch für die Wiedereinführung von schriftlichen Empfehlungen zum Besuch der weiterführenden Schulen gebe es keine nachvollziehbaren Gründe, so Johns. Zwar habe die Empfehlung keine bindende Wirkung, doch ihr Effekt sei eindeutig: „Über diese Empfehlung setzen sich vor allem bildungsnahe Familien hinweg. Bildungsferne Familien neigen eher dazu, die Empfehlung zu akzeptieren.“ So erschwere eine schriftliche Schulempfehlung benachteiligten Kindern den Zugang zu Gymnasien. „Das wäre ein Rückschritt in Sachen Bildungsgerechtigkeit.“

Auch GEW-Landeschefin Astrid Henke hält die Wiedereinführung von schriftlichen Empfehlungen für falsch. „Studien belegen, dass trotz größter Gewissenhaftigkeit der Grundschullehrer viele Schulartenempfehlungen daneben liegen. Bei gleicher Leistungsfähigkeit erhalten Kinder von studierten Eltern noch immer deutlich häufiger eine gute Empfehlung als Kinder von Eltern, die nicht studiert haben.“

Bildungsministerin: Zensuren sind wichtig

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) bleibt bei der Auffassung, dass Zensuren als Rückmeldung wichtig sind. „Dazu gehört auch die Frage, ob man leistungsschwächeren Kindern einen Gefallen tut, wenn man Leistungsanforderungen nach unten schraubt. Wir haben das beim Thema Zensuren gemacht“, sagte Prien. Auch schriftliche Übergangsempfehlungen halte die Bildungspolitikerin für sinnvoll: „Unsere Lehrkräfte haben dafür eine hohe Kompetenz, und für Eltern sind sie eine große Hilfe. Und: Die Entscheidung treffen am Ende die Eltern.“

Kristiane Backheuer 23.03.2018
23.03.2018
Niklas Wieczorek 23.03.2018