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Schleswig-Holstein Kirchen in SH kaum vor Feuer geschützt
Nachrichten Schleswig-Holstein Kirchen in SH kaum vor Feuer geschützt
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17:50 16.04.2019
Von Frank Behling
Die Drehleiter der Feuerwehr Kiel kam im September nicht durch die zum Schutz gegen Falschparker verbauten Absperrpfostzen an der Nikolaikirche. Bei dem Einsatz hatten sich zum Glück nur Dachziegel gelöst.  Quelle: Frank Behling
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Kiel

"Eine wichtige Rolle spielt beim Brandschutz in so historischen Gebäuden die möglichst frühzeitige Alarmierung", sagt Kiels Feuerwehrchef Thomas Hinz. Wie in Paris sind auch in Schleswig-Holstein viele Kirchen mit hölzernen Dachstühlen versehen. Fressen sich bei so einem Dachstuhl die Flammen durch die Außenhaut, gibt es keine Rettung mehr.

Brandschutz im Konflikt mit dem Denkmalschutz

"Dachkonstruktionen in historischen Gebäuden sind immer eine ganz besondere Herausforderung für den Brandschutz", so Hinz. Wirkungsvolle Löschangriffe verhindern hier meist die Höhe und die Bauweise. Kommt es wie bei Notre-Dame zu einem Vollbrand, ist eigentlich nichts mehr zu machen. "Auch mit Drehleitern oder Telekop-Masten kommt die Feuerwehr nicht in diese Höhe", so Hinz.

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Schutz vor einer Ausbreitung bieten bei neuen Gebäuden Brandschutztüren aus Stahl und Brandschutzmauern. "Kirchen stehen meist unter Denkmalschutz, da lässt sich nicht überall einfach eine Stahltür einbauen oder einen Wand einziehen", so Hinz. Deshalb können diese Gebäude nur gerettet werden, wenn ein Feuer möglichst frühzeitig entdeckt wird. 

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Brandschutzposten sind der beste Schutz

Bei der Kieler Feuerwehr werde deshalb besonders großer Wert auf den vorbeugenden Brandschutz gelegt. "Es gibt regelmäßige Begehungen und bei Bauarbeiten müssen die Maßnahmen vorher besprochen und entsprechend beaufsichtigt werden", so Hinz weiter. Bei Arbeiten im Dachbereich seien geschulte Mitarbeiter, sogenannte Brandschutzposten der beste Schutz.  

"Ganz verhindern kann man so ein Feuer aber nicht. Überall wo Menschen Arbeiten, werden auch Fehler gemacht", so Hinz. Deshalb sind die Begehungen und regelmäßigen Überprüfungen wichtig.

Absperrpfosten bei Nikolai-Kirche entfernt

Auch in Kiel wurden dabei schon Schwachstellen an Kirchen im Vorwege aufgedeckt. So etwa im Herbst, als bei einem Übungseinsatz mit einer Drehleiter an der Nikolai-Kirche am Alten Markt falsch installierte Absperr-Pfosten entdeckt wurden. Die gegen Falschparker installierten Pfosten ließen sich in der Feuerwehrzufahrt nicht herausnehmen. 

Turmhelme und Dächer aus nichtbrennbaren Materialien

Der Kirchenkreis Lübeck hingegen gibt für die historischen Kirchen in der Hansestadt Entwarnung. Beim Wiederaufbau der Lübecker Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg habe man für die Turmhelme und teilweise auch für die Dächer nichtbrennbare Materialien verwendet, sagte der stellvertretende Leiter der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises, Jürgen Rösing. Außerdem gebe es in den Innenstadtgemeinden Brandschutzkonzepte, die fortlaufend aktualisiert würden.

Statt aus Holz bestehen die Turmhelme des Doms und der Marienkirche nach Angaben des Kirchenbauexperten aus einer speziellen Leichtbeton-Konstruktion. Man habe aus den Bränden nach der Bombardierung Lübecks durch die Alliierten im März 1942 gelernt, sagte Rösing.

2003 brannte die St.-Severin-Kirche in Hanerau-Hademarschen

In Schleswig-Holstein gab es im Dezember 2003 einen verheerenden Kirchenbrand. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen setzte damals ein Kurzschluss in einem Sicherungskasten die St.-Severin-Kirche in Hanerau-Hademarschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Brand. Die mittelalterliche Feldsteinkirche brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Ähnlich wie in Paris sind auch in Schleswig-Holstein viele Kirchen mit hölzernen Dachstühlen versehen.

mit dpa