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Schleswig-Holstein Erzieher fordern Änderungen bei Gesetz
Nachrichten Schleswig-Holstein Erzieher fordern Änderungen bei Gesetz
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19:30 02.11.2019
Von Heike Stüben
Kitas sollen ein Lernort und ein geschützter Ort der Persönlichkeitsentwicklung sein. Doch das pädagogische Personal sorgt sich um die Fachkraft-Kind-Quote, die künftigen Arbeitsbedingungen und Bedrohungen wie die Infiltration von Rechtsextremen. Quelle: Julian Stratenschulte
Neumünster

Den Erzieher-Fachkräften kritisierten vor allem, dass die Fachkraft-Kind-Relation in dem neuen Gesetz nicht ausreicht. Zudem gebe es nicht genügende Verfügungszeiten für die Erzieherinnen und Freistellungen für Leitungskräfte.

„Wie soll eine Erzieherin in zweieinhalb Stunden pro Woche ihre pädagogische Arbeit vor- und nachbereiten, die Entwicklung der Kinder dokumentieren sowie Elterngespräche und Dienstbesprechungen führen? Wie sollen Leitungskräfte, von deren Engagement und Können die Qualität einer Einrichtung sehr oft abhänge, eine Kita ohne angemessene Leitungsfreistellung leiten?“, fragte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke vor rund 250 Beschäftigten aus allen sozialpädagogischen Berufen.

Standards können abgesenkt werden

Selbst Verschlechterungen seien durch das neue Gesetz nicht ausgeschlossen. Denn vielerorts würden zurzeit schon höhere Standards gelten als die Regierungskoalition nun als Mindeststandards festschreiben wolle.

„Was die Jamaika-Koalition vorgelegt hat, langt weder für gute Arbeitsbedingungen noch für gute Bildungsqualität in den Kitas. Da muss die Politik noch einmal ran und nachbessern“, forderte die GEW-Landesvorsitzende. Auch Eltern hatten bereits Nachbesserungen gefordert.

Beziehungsaufbau braucht Personal mit Zeit

Auch Pädagogik-Professorin Rahel Dreyer von der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin betonte die Bedeutung von einer guten Fachkraft-Kind-Relation, kleinen Gruppen und ausreichenden Zeitkontingenten, damit Erzieherinnen und Kinder die notwendige Beziehung aufbauen können.

In den Arbeitsgruppen ging es anschließend unter anderem um die Bedeutung des freien Spiels. Nicht ohne Grund, so erklärte Peter Fuchs, sein in dem Wort Verstehen das Stehen und im Wort Begreifen das Greifen enthalten. Kinder bräuchten Freiräume, um sich die Welt durch das eigene Tun aneignen zu können. Deshalb sei das freie Spiel konstituierender Bestandteil des Bildungsauftrages.

Sorge um rechtsextremistische Infiltration

In einem weiteren Workshop wurde deutlich, dass sich das Personal in Krippen und Kitas sorgen, dass Eltern mit rechtsextremer Einstellung unerkannt Einfluss nehmen können. Diese Sorge ist nicht unbegründet, machte Dozent Nils Raupach klar. Die rechtsextreme Bewegung propagiert, Mütter als Türöffner in Kitas und Schulen einzuschleusen.

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass 15 bis 20 Prozent der rund 1100 Rechtsextremen in Schleswig-Holstein weiblich sind. Sie sollen, so der ideologische Auftrag, als Vorkämpfer gegen sexuellen Missbrauch und für Umweltschutz und als engagierte Mütter im Elternbeirat in Kita und Schule auftreten, unauffällig soziale Einrichtungen und Berufe infiltrieren und völkisches Gedankengut verbreiten – bei Eltern, aber auch bei Kindern.

Der Nachweis ist schwierig

Die Einrichtungen und Elternvertretungen stellt das vor allem vor zwei Probleme: Erstens müssen Personal und Eltern solche „U-Boote“ erkennen. Zweitens müssen sie strafbare Äußerungen oder Handlungen erfassen. Denn ohne solche Nachweise ist es kaum möglich, rechtlich dagegen vorzugehen.

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