Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Eltern fürchten längere Kita-Ferien
Nachrichten Schleswig-Holstein Eltern fürchten längere Kita-Ferien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 16.11.2019
Von Heike Stüben
Sind nur diese Gesellen da, hat die Kita Ferien. Doch wenn die Eltern nicht die gesamte Zeit freinehmen können, haben die Familien ein Problem. Die Landeselternvertretung der Kitas Schleswig-Holstein fordert deshalb maximal 20 Tage an Schließzeiten im Jahr.  Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Kiel

Mehr als 1000 Eltern haben diese Forderung unterzeichnet. Im Sozialministerium hält man die Sorge der Eltern für unbegründet.

Das Kita-Gesetz regelt erstmals die Schließzeiten. Bisher können die Einrichtungen das frei entscheiden. Ab August 2020 sollen größere Einrichtungen pro Kindergartenjahr an maximal 20 Werktagen plus Heiligabend und Silvester schließen.

Hat die Krippe oder Kita weniger als vier Gruppen, darf sie bis zu 30 Tage Ferien machen. Das gilt auch für größere Kitas, wenn sie eine Notbetreuung anbieten. „Diese Regelung wird die Situation vieler Familien im Land verschlechtern“, sagt der Vorsitzende der Landeselternvertretung der Kitas, Axel Briege.

Viele Kitas haben kürzere Schließzeiten

Zum Beleg legt er eine Blitzumfrage unter Kita-Eltern vor, für die die Daten von 271 Krippen und Kitas (15,5 Prozent der Einrichtungen im Land) ausgewertet wurden. Ergebnis: Nur sieben der 271 Einrichtungen haben in diesem Jahr mehr als 30 Tage geschlossen. In diesen Fällen würde das neue Kitagesetz eine Verbesserung für die Eltern bringen.

Alle anderen könnten ihre Schließzeiten beibehalten oder sogar ausweiten. Denn insgesamt schließen die Einrichtungen ab vier Gruppen im Schnitt 18,7 Tage und die kleineren Einrichtungen 21 Tage.

Subvention der Träger zulasten der Familien

Das Ergebnis sei zwar nicht repräsentativ, entspreche aber der Wahrnehmung der Eltern, betont Briege. „Das bedeutet, dass das Kitagesetz es diesen 271 Einrichtungen im Schnitt ermöglichen würde, fast 50 Prozent mehr Tage als heute zu schließen. Die größeren müssten dafür nur eine Notbetreuung einrichten, die kleineren gar nichts ändern – und könnten sofort Geld für Urlaubsvertretungen sparen.“

Dies sei eine indirekte Subvention der Träger auf dem Rücken von Familien und Personal. Notwendig sei eine Lösung, die auch den Kita-Mitarbeitern eine freie Wahl der Urlaubszeiten ermöglicht.

Keine Verschlechterung für Familien

Im Sozialministerium weist man die Kritik zurück. „Der Vorwurf der Eltern, es handele sich um eine Verschlechterung, ist unzutreffend, da hier erstmals ein Höchstwert eingeführt wird, wo es bisher noch gar keinen gibt“, erklärt ein Ministeriumssprecher.

Dort ist man sicher, dass „die darüber liegenden Einrichtungen sich anpassen und die Einrichtungen mit weniger Schließzeiten diese beibehalten. In der Folge sinkt also auch der Durchschnitt in Schleswig-Holstein.“

Zumutbar sind maximal 20 Tage Kita-Ferien

Doch Eltern wie Jenny Scharfe, Vorsitzende vom Verein Elternstimme, sind überzeugt: Die geplante Regelung wäre ein Rückschritt und muss überarbeitet werden. „Die Schließzeiten müssen auch für Alleinerziehende praktikabel sein und sich an den Arbeitnehmern orientieren, die nur 20 Tage Urlaub im Jahr haben.“

Andernfalls würden vor allem Frauen wieder auf eine Berufstätigkeit verzichten – mit allen negativen Folgen für die eigene Rente, die Sozialkassen und den Fachkräftemangel

Eltern fordern Absprachen mit Schulen

Zudem müssten Schließzeiten in Kitas und Schulen verpflichtend koordiniert werden. „Sonst kann es selbst bei 20 Tagen passieren, dass Familien nicht gemeinsam Ferien machen können, weil Krippe, Kita und Schule unterschiedlich geschlossen sind“, sagt die berufstätige Mutter von drei Kindern aus Lübeck. Sie selbst habe es nur durch mehrfachen Kita-Wechsel hinbekommen, dass die gesamte Familie zusammen Urlaub machen kann. 

Lesen Sie auch:

Kabinett beschließt Kita-Reform

So viel müssen Kita-Eltern maximal zahlen

Zwei Menschen sind bei einem Verkehrsunfall in Barsbüttel (Kreis Stormarn) am frühen Sonnabendmorgen ums Leben gekommen, eine weitere Person wurde schwer verletzt. Ein Auto aus Hamburg war in den Gegenverkehr geraten – es fuhr offenbar zu schnell in eine Kurve.

16.11.2019

Im August wurde die Leiche der vermissten Nathalie aus Nordfriesland an der dänischen Grenze gefunden. Jetzt neigen sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dem Ende zu. Verdächtigt wird ein 46-Jähriger.

16.11.2019

Hitzige Diskussion um einen zweifelhaften Vortrag: Die AfD-Fraktion hat den Autoren Michael Klonovsky eingeladen, in der kommenden Woche sein Programm „Willkommen in Absurdistan – die gnadenlose Deutschlandrevue“ im Landeshaus zu präsentieren. Die Empörung der übrigen Landtagsfraktionen ist groß.

Bastian Modrow 16.11.2019