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Schleswig-Holstein Was geschah auf der Intensivstation?
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12:31 08.06.2019
Von Heike Stüben
Eine Familie verklagt das UKSH - es geht um 500.000 Euro. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Der Aufwand ist hoch bei diesem Prozessauftakt in Sachen Gockel gegen das UKSH: Die Familie der Klägerin und zwei Sachverständige reisen aus verschiedenen Teilen der Republik an, eine ehemalige Ärztin des UKSH fliegt von Island ein. Der Vorsitzende Richter verweist auf die dicken Akten auf dem Tisch und stellt fest, dass nicht so schnell mit einem Urteil zu rechnen ist. Auch die Zeugenaussagen in den folgenden Stunden können wenig Licht in die Vorfälle bringen, die sich im Februar 2008 im Universitätsklinikum in Kiel abgespielt haben.

Während der Operation kam es zu Komplikationen

Dr. Hans-Peter Gockel, selbst Radiologe und mit 76 Jahren immer noch als Vertretungsarzt aktiv, ließ sich damals in der Neurochirurgie operieren. „Er war topfit, hat noch bis zu 16 Stunden am Tag gearbeitet, hatte aber dieses Alterszittern, etwa wenn er ein Glas angehoben hat. Das wollte er durch die Implantation einer Stimulationssonde loswerden“, berichtet die Tochter Anja Gockel später. Doch während der Operation am 7. Februar kommt es zu Komplikationen. Privatpatient Gockel muss reanimiert und intubiert werden. Die Ehefrau Ute Gockel ist mit der Behandlung in den Folgetagen nicht zufrieden und lässt ihre Mann am 12. Februar auf die Intensivstation der vom heutigen UKSH-Chef Jens Scholz geleiteten Anästhesie verlegen.

Lesen Sie auch: Familie verklagt UKSH-Chef Scholz

UKSH-Chef Jens Scholz leitete damals die Anästhesie

Der Grund: Ein Sohn der Familie hat in der Klinik selbst lange Jahre als Anästhesist gearbeitet und wähnt seinen Vater dort in besten Händen. „Als meine Mutter und ich meinen Vater dort an diesem Tag besucht haben, konnte er sich aufsetzen, sich mit uns über die letzte Reise meiner Eltern nach Vietnam unterhalten und hat auf Fotos die Kinder wiedererkannt“, sagt die Tochter und vierfache Mutter Anja Gockel. Daraufhin sei ihre Mutter am Abend beruhigt nach Hause nach Mainz gefahren.

Die Tochter sagt: Erst kam kein Arzt, dann war es plötzlich sehr eilig

Irgendwann zwischen halb neun und halb zehn sei sie am nächsten Tag wieder zum Vater gekommen, berichtet Anja Gockel weiter. Der Vater habe starr nach links oben geblickt, nicht auf sie reagiert, der rechte Arm habe fest auf der linken Brust gelegen. Im Laufe des Vormittags hätten Vibrationen den Arm, dann den gesamten Körper erfasst. Sie habe mehrfach die Schwester gerufen und nach einem Arzt verlangt. Das sei ihr zugesagt worden, es sei aber kein Arzt erschienen. Erst nach 13 Uhr seien drei Mitarbeiter der Neurologie gekommen und hätten ihren krampfenden Vater auf die dortige Intensivstation gebracht. „Sie hatten es plötzlich sehr eilig.“ Erst danach habe sie mit der Stationsärztin sprechen können.

Die Ärztin sagt: Es gab keine Anzeichen für eine Notlage

Dieses Gespräch bestätigt auch die damalige Stationsärztin auf der Intensivstation der Anästhesie. Sie kann sich auch erinnern, dass eine Pflegekraft ihr irgendwann zuvor mitgeteilt hat, dass Anja Gockel einen Arzt sprechen wolle. Dazu, sagt die Ärztin, sei aber keine Zeit gewesen. Es habe keinerlei Anzeichen für eine Dringlichkeit oder gar Notlage gegeben – weder auf den Überwachungsmonitoren noch von den Kollegen auf der Station. Weder bei der Übergabe um 7.30 Uhr und bei der späteren Visite habe es etwas gegeben, was bei der Vorgeschichte des Patienten ungewöhnlich gewesen sei.

Der Tremor wurde in der Krankenakte nicht dokumentiert

Ob die Visite denn nicht dokumentiert werde, will der Vorsitzende Richter wissen. Nur bei Auffälligkeiten, antwortet die Ärztin. Nachfrage des Richters: Ob denn nicht der Tremor, den die Ärztin bei der Übergabe gesehen habe, dokumentationspflichtig gewesen sei. Antwort: „Den hätte ich wahrscheinlich dokumentieren sollen.“

Mangels Dokumentation bleibt auch unklar, wann die Visite an diesem Tag bei dem Patienten stattgefunden hat. Der Arzt, der anschließend als Zeuge aussagt, verweist aber auf eine andere Eintragung, die im Widerspruch zu Anja Gockels Aussage steht: Danach ist der Patient um 12.05 Uhr ansprechbar gewesen. Eingetragen hat dies der Arzt erst Stunden später. Da lag Hans-Peter Gockel längst auf der Intensivstation der Neurologie.

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