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Schleswig-Holstein Behördensprache soll verständlich werden
Nachrichten Schleswig-Holstein Behördensprache soll verständlich werden
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11:17 04.02.2019
Von Christian Hiersemenzel
Behörden sollen sich nicht länger hinter unverständlicher Sprache verstecken können. Quelle: Armin Weigel
Kiel.

„Viele Menschen können unsere Behörden nicht mehr verstehen“, sagt El Samadoni im Gespräch mit KN-Online. „Das liegt hauptsächlich daran, dass die Schreiben unnötig kompliziert formuliert sind. Fachsprache aber hat im Verhältnis zum Bürger nichts verloren.“

Viele Bürger verstehen nur Bruchstücke

In zahlreichen Bürgersprechstunden berate sie zunehmend Menschen, die von behördlichen Schreiben bestenfalls Bruchstücke begreifen. Ihr Vorschlag: ein Modellprojekt, das binnen einiger Jahre auf die gesamte Landesverwaltung übergreifen soll. Ihr Ziel: eine allgemeinverständliche Sprache in Wort und Schrift auf allen Ebenen.

Vorstoß findet großen Anklang

Mit diesem Vorstoß weiß die Bürgerbeauftragte nicht nur Wohlfahrtsverbände auf ihrer Seite, sondern auch die SPD-Landtagsfraktion. Die Abgeordnete Birte Pauls hat die Jamaika-Regierung zu einer grundlegenden Reform aufgefordert: Bescheide von Landesbehörden seien zwar rechtssicher, aber auch „nachvollziehbar, übersichtlich und vor allem verständlich“ zu formulieren, sagt sie. Vordrucke müssten überarbeiten werden, und zudem solle bürgerfreundliche Amtssprache ein fester Bestandteil der Verwaltungsausbildung sein.

Landtag befasst sich Donnerstag mit dem Thema

An diesem Donnerstag befasst sich der Sozialausschuss des Landtags mit dem Thema. Das Gremium hatte in den vergangenen Wochen Experten nach ihrer Meinung gefragt. „Durch die Verwendung juristischer Fachsprache, gepaart mit Paragrafen und verschachtelten Sätzen, entstehen bei den Empfängern Missverständnisse und Unsicherheiten, nicht selten Ohnmacht und Frustration“, heißt es zum Beispiel im Statement der Verbraucherzentralen. Am weitesten lehnt sich der Politologe und Medienwissenschaftler Lothar Wiegand aus dem Fenster. Der Pressesprecher im Brandenburger Innenministerium übersetzt seit vielen Jahren verschwurbelte Verwaltungstexte in moderne Amtssprache. Er hält den Kieler Vorstoß für revolutionär. „Eine derart weitgehende Verpflichtung für alle Ministerien einer Landesregierung und ihre nachgeordneten Behörden ist mir in Deutschland nicht bekannt.“

Vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Rocker-Affäre soll am Montag ein weiterer Ermittler aussagen. Er war bei der polizeilichen Aufarbeitung eines Überfalls in einem Schnellrestaurant in Neumünster im Jahr 2010 von dem damaligen Ermittlungsführer als Helfer hinzugezogen worden.

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