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Schleswig-Holstein Konkurrent Smartphone: Wie Babys leiden
Nachrichten Schleswig-Holstein Konkurrent Smartphone: Wie Babys leiden
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09:00 22.03.2019
Von Heike Stüben
Mit Plakaten wie diesem wirbt die Informationskampagne in Schleswig-Holstein für einen bewussten Umgang mit dem Smartphone und für Auszeiten, in denen Kinder die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern bekommen. Quelle: Sozialministerium SH
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Kiel

Auf Plakaten, in Schulungen und Elternberatung sollen Eltern, aber auch Fachkräfte in Kitas informiert werden. Motto: „Mama, Papa, guck mal!“

Jeder hat das wohl schon einmal beobachtet: Eltern, die auf dem Spielplatz oder am Fußballfeld stehen, aufs Display starren und gedanklich längst im digitalen Abseits sind. Das Smartphone ist für viele Kinder längst zu einem Konkurrenten geworden, der die Aufmerksamkeit der Eltern abzieht.

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Risiko: Bindungsstörungen

Bei der Auftaktveranstaltung in Kiel betonte Dr. Ralf von Heek, Landesvorsitzender vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, dass es für die gesunde Entwicklung notwendig ist, dass Eltern auf den Blickkontakt von Babys adäquat reagieren. "Passiert das regelmäßig nicht, kann das beim Baby zu nachhaltigen Schädigungen wie Bindungsstörungen führen.“

Babys brauchen Blickkontakt

Denn der Blickkontakt ist in der frühen Entwicklungsphase der wesentliche Kommunikationskanal. Mit dem Blick signalisieren Eltern ungeteilte Aufmerksamkeit. Geschieht das nicht, kann das Baby das nur so deuten: „Ich bin nicht wichtig.“ Und es kann nicht lernen, die Gefühle anderer richtig einzuschätzen. „Diese Fähigkeit können sie nur in direktem Kontakt entwickeln. Auch Sprache ist dabei sehr wichtig“, sagte die Ärztin Dr. Susanne Ehlert vom Kreis Nordfriesland.

Arbeitgeber müssen umdenken

Prof. Jörg Maywald von der Deutschen Liga für das Kind stellte klar. "Das Smartphone muss ausgeschaltet bleiben, wenn das Kind Eltern wirklich braucht. Denn die Eltern sind unersetzlich für das Kind." Die Leiterin des Kieler Jugendamtes, Marion Muerköster, empfahl: „Geben Sie ihrem Kind jeden Tag eine Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit.“ Für Familienminister Heiner Garg (FDP) müssen aber auch Arbeitgeber umdenken: „Ständige Erreichbarkeit bedeutet nicht ständige Verfügbarkeit der Mitarbeiter.“