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Schleswig-Holstein Senioren immer häufiger Opfer von Straftaten
Nachrichten Schleswig-Holstein Senioren immer häufiger Opfer von Straftaten
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07:15 31.10.2015
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Foto: Eine beliebter Versuch, Rentner auszunehmen: der Enkeltrick.
Eine beliebter Versuch, Rentner auszunehmen: der Enkeltrick. Quelle: dpa
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Lübeck

Die Täter wirken ganz harmlos. Sie bitten an der Haustür um ein Glas Wasser oder bieten an, die Dachrinne des Hauses zu einem Sonderpreis zu reinigen. Am Ende sind Geld und Wertsachen weg und die Täter über alle Berge. Nahezu täglich werden vor allem ältere Menschen Opfer von Trickdieben und Betrügern. „Ältere sind besonders anfällig für diese Arten von Straftaten und sie leiden auch besonders lange unter den Folgen“, sagt die Staatsanwältin Ulla Hingst. Sie leitet das Seniorenschutzdezernat der Lübecker Staatsanwaltschaft und hat täglich mit solchen Fällen zu tun.

„Im Mai 2014 wurde das Dezernat eingerichtet. Ausgelegt war es für etwa 120 Verfahren im Jahr, doch schon in den ersten acht Monaten habe ich 146 Fälle bearbeitet“, sagt Hingst. Für dieses Jahr rechnet sie mit einer ähnlichen Größenordnung. Viele Fälle würden viel zu spät oder gar nicht angezeigt. „Die Opfer schämen sich und fürchten sich vor den Reaktionen ihrer Umwelt“, sagt Hingst.

Breites Spektrum an Straftaten

Die Delikte, die sie bearbeitet, reichen vom Diebstahl über Betrug bis zu schweren Straftaten wie Raub und Körperverletzung. „Entscheidend für meine Zuständigkeit ist weniger das Alter des Opfers, sondern die Tatsache, dass ein Täter eine altersbedingte Einschränkung des Opfers ausgenutzt hat“, sagt die Staatsanwältin.

Auch die Polizei hat auf die steigende Zahl von solchen Taten reagiert. Seit August 2014 gibt es beim Kommissariat 15 der Lübecker Kriminalpolizei einen eigenen Sachbereich „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SäM)“ mit drei Mitarbeitern. „Wir bearbeiten aktuell mehr als 100 Fälle nur aus dem Bereich Lübeck“, sagt die Leiterin Kerstin Friedrich.

Geradezu klassisch ist der sogenannte Enkeltrick, mit dem ältere Menschen um ihre Ersparnisse gebracht werden. Die Anrufer geben sich als Verwandte oder Bekannte aus, schildern eine angebliche finanzielle Notlage und bitten den Angerufenen um Hilfe. Die gutgläubigen Opfer überlassen wildfremden Geldboten große Summen oder transferieren sie ins Ausland. „Wenn die Opfer Glück haben, werden Bankangestellte oder Postmitarbeiter misstrauisch und verständigen die Polizei. Dann können wir wenigstens das Geld retten“, sagt Hingst.

Die Anrufer sitzen in Call-Centern im Ausland, operieren mit gefälschten Rufnummern und sind bundesweit aktiv. „Das ist ganz klar organisierte Kriminalität und müsste eigentlich beim Bundeskriminalamt bearbeitet werden, um auch an die Hintermänner heranzukommen. Doch dazu braucht man Personalkapazität“, sagt Hingst.

Täter nutzen Opfer aus

Ein Grund dieser Betrugsmaschen — neben dem Enkeltrick sind das auch Gewinnversprechen und Schockanrufe — sei die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft der Opfer, sagt Jörg Schmitt von der Lübecker Kriminalpolizei. „Sie glauben an das Gute im Menschen. Außerdem sind sie unbewusst sehr mitteilsam und geben am Telefon viel von sich preis. Das machen sich Telefonbetrüger zunutze und erwecken so den Eindruck, den Angerufenen zu kennen“, sagt Schmitt. Dazu kommt Scham: Die Angerufenen wollen nicht zugeben, dass sie den Anrufer nicht kennen oder die geschilderten Situationen nicht verstehen. Friedrich sagt: „Ältere Menschen haben oft wenig Kontakt. Sie sind froh, wenn jemand anruft und fragen nicht so genau nach, auch wenn sie den Anrufer nicht einordnen können“, sagt sie.

Doch nicht alle Fälle basieren auf der Gutgläubigkeit älterer Menschen. Über Monate stiegen ein Vater und sein Sohn gezielt in die Wohnungen von Senioren ein, während die Bewohner bei der Fußpflege waren oder an einer Busreise teilnahmen. Ihre Beute: insgesamt rund 40000 Euro. „Die entsprechende Daten sowie Namen und Adressen hatten sie zuvor bei Einbrüchen in eine Fußpflegepraxis und in ein Reisebüro ausgespäht“, berichtet Hingst. Die Täter sind inzwischen zu Haftstrafen von mehr als drei Jahren verurteilt worden.

Doch solche Ermittlungserfolge sind selten. „Wir laufen leider meistens hinterher. Deshalb müssen wir verstärkt auf Prävention setzen“, sagt Hingst.

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