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Schleswig-Holstein 4,5 Millionen für Künstliche Intelligenz
Nachrichten Schleswig-Holstein 4,5 Millionen für Künstliche Intelligenz
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17:40 06.08.2019
Von Christian Hiersemenzel
Schleswig-Holstein wolle bundesweit eine führende Rolle beim Thema KI spielen.
Schleswig-Holstein wolle bundesweit eine führende Rolle beim Thema KI spielen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa (Symbolbild)
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Kiel

Auf Reisen ins amerikanische Silicon Valley bei San Francisco und der chinesischen Antwort darauf, Dream Town in Hangzhou, hatte Dirk Schrödter (CDU) mehrfach die unendlich scheinenden Möglichkeiten künstlicher Intelligenz erlebt – ihre Chancen für ein besseres Leben, aber auch ihre Abgründe. Am Freitag präsentierte der Chef der Staatskanzlei ein umfangreiches Konzept, mit dem die Landesregierung den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) auch in Schleswig-Holstein vorantreiben will.

Für die Umsetzung des Vorhabens kündigte er bis Jahresende das Einrichten eines Sondervermögens mit 4,5 Millionen Euro an – vorausgesetzt, dass der Landtag zustimmt. Zudem wolle man 2,5 Millionen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung zur Verfügung stellen.

Hochschule, Verwaltung, Energie und Verkehrswende

Wenig Geld angesichts der Preise auf dem Weltmarkt? „Das ist nicht nichts“, betonte Schrödter. „Wir untermauern unseren Anspruch, auf diesem Gebiet bundesweit eine führende Rolle zu spielen.“ Zu den strategischen Zielen der Landesregierung zählte er auch die Stärkung kleinerer und mittlerer Unternehmen, die systematische Nutzung von KI an den Hochschulen, ihren Einsatz in der Verwaltung sowie in der Energie- und Verkehrswende. Der Staatssekretär verglich KI mit der Erfindung der Dampfmaschine: „Ihr Einsatz wird mindestens so radikale Veränderungen zur Folge haben wie die Industrielle Revolution vor 200 Jahren.“

Bürgerchat rund um die Uhr

Bisher sind die meisten Überlegungen zur konkreten Umsetzung im Norden allerdings vage geblieben. Das solle sich jetzt ändern, hieß es Freitag. Die Polizei zum Beispiel erhalte mobile Geräte, die über Sprachassistenten verfügen. Schriftliche Vermerke und Anzeigen ließen sich auf diese Weise bereits unterwegs anfertigen. Bis Jahresende starte das Landesamt für Integration, das die dauerhafte Eingliederung von Menschen mit Schwerbehinderung in den Arbeitsmarkt fördert, ein Pilotprojekt: Rund um die Uhr sollen Bürger die Möglichkeiten bekommen, in einem Chat Fragen zu stellen, wobei hinter der prompten Antwort keine realen Personen mehr stehen, sondern ein sogenannter Bot, ein Roboter also – ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet.

Schrödter betonte, dass es ihm um den Servicegedanken gehe. „Der Bot berät, aber er entscheidet nicht.“ Die freie Wirtschaft arbeite im Kundendienst längst mit solchen Instrumenten. Ziel der Landesregierung sei es darüber hinaus, Entscheidungen noch besser datenbasiert abzustützen. Kafkaesk? „Selbstverständlich“ orientierte man sich an gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Normen, betonte der Staatssekretär. „Wir werden nicht den Weg Chinas gehen.“ Das Reich der Mitte nutzt Daten zunehmend, um seine Bürger zu überwachen.

IHK unterstützt das Vorhaben

Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) applaudierte gestern Nachmittag bereits und forderte die Landesregierung zu „raschem und beherztem Handeln“ auf. Präsidentin Friederike Kühn kündigte ihrerseits ebenfalls ein Eckpunktepapier an, das sie nach der Sommerpause vorstellen wolle. Schleswig-Holsteins Mittelstand müsse zügig den Wert seiner Daten erkennen und aus ihnen Mehrwerte gewinnen. Im Bereich der Medizintechnik gibt es in Sachen KI bereits eine norddeutsche Kooperation. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und die Universitäten Kiel sowie Lübeck arbeiten als Projektpartner mit den Unis in Hamburg und Bremen sowie dem Bremer Fraunhofer-Institut für digitale Medizin zusammen. „Wir starten also nicht bei Null“, erklärte Schrödter.

Die Opposition hatte für die Investitionssumme nur ein müdes Lächeln übrig. Nicht nichts? „Anderswo werden auf dem Weg zu einer KI-Strategie vielstellige Millionenbeträge bewegt“, sagte SPD-Fraktionsvize Martin Habersaat.

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