Landesrechnungshof nimmt Gemeinschaftsschulen im Visier
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Schleswig-Holstein Gemeinschaftsschulen im Visier
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22:07 08.06.2018
Von Christian Hiersemenzel
In den vergangenen fünf Jahren hat das Bildungsministerium laut Landesrechnungshof 16 neue Oberstufen an Gemeinschaftsschulen genehmigt. Einige davon erreichten aber nicht die erforderliche Zahl von mindestens 50 Schülern, moniert LRH-Präsidentin Gaby Schäfer. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Kiel

„Dies ist aber die Untergrenze für einen wirtschaftlichen Schulbetrieb“, sagte LRH-Präsidentin Gaby Schäfer am Freitag in Kiel. Planlos sei das. „Die Neuausrichtungen sind durch örtliche Interessen initiiert.“

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) gilt nicht als Freundin der Gemeinschaftsschule, will aber den Schulfrieden bewahren. „Wir entscheiden über neue Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen natürlich nach den Vorgaben des Gesetzes“, betonte sie. „Wir müssen uns insgesamt im Land mit allen Akteuren darüber verständigen, wie wir die Schulentwicklungsplanung voranbringen.“

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Ministerium: Große Oberstufen nicht automatisch wirtschaftlicher

Ein Sprecher räumte ein, dass zum Zeitpunkt der LRH-Prüfung im laufenden Schuljahr die Gemeinschaftsschulen Bordesholm, Nortorf und Handewitt die erforderliche Zahl von 50 Schülern nicht erreicht haben. „Das entspricht einem Viertel der geprüften Schulen.“

Große Oberstufen arbeiteten jedoch nicht automatisch wirtschaftlicher. Zu berücksichtigen sei das Wahlverhalten der Schüler ebenso wie die Gewinnung von Lehrern in Mangelfächern. Im Übrigen sei Schulentwicklungsplanung stets eine Sache des jeweiligen Schulträgers beziehungsweise Kreises. Eine Steuerungsmöglichkeit, wie sie der LRH anregt, gewähre das Gesetz dem Ministerium nicht.

SPD: Planungen am Reißbrett stoßen an Grenzen

In der SPD löste die LRH-Kritik Stirnrunzeln aus. „Planungen am Reißbrett mögen aus Sicht des Rechnungshofes wünschenswert sein“, sagte der Abgeordnete Martin Habersaat. „Aber im Umgang mit realen Kindern und realen örtlichen Begebenheiten stoßen sie an ihre Grenzen.“ Der Schulauftrag werde laut Gesetz durch das Recht des jungen Menschen auf Förderung und Ausbildung bestimmt, die „seiner Begabung, seinen Fähigkeiten und seiner Neigung entsprechen“. Nicht von Betriebswirtschaft.

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